1.8.2015
21:30
FILM

DO YOU REMEMBER SARAJEVO?

Lassen sich Leerstellen sichtbar machen? Auf der Suche nach dem was bleibt, hat sich Clarissa Thieme an die Schauplätze von Kriegsverbrechen begeben, die während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 begangen wurden. Dem Blick von außen steht der Blick von innen gegenüber: Vom Alltag während der Belagerung Sarajevos zeugen die mehr als 1.000 Stunden an Homevideos, die im „Video Archive Hamdija Kresevljakovic“ aufbewahrt werden. In knapp 50 Minuten destilliert sich daraus eine kollektive Erinnerungscollage als Akt der Emanzipation von den stereotypisierten Bildern der internationalen Berichterstattung. 20 Jahre nach dem Friedensschluss von Dayton öffnet sich das Archiv unter dem Motto IZMEDU NAS/BETWEEN US einem paneuropäischen Diskurs. Clarissa Thieme und Nihad Kresevljakovic berichten.

Filmlänge 85 min Filmgespräch Nihad Kresevljakovic (DO YOU REMEMBER SARAJEVO?, Regie) • Clarissa Thieme (WAS BLEIBT, Regie) Moderation Lisa Neumann

DO YOU REMEMBER SARAJEVO?

Nedim Alikadic, Nihad Kresevljakovic & Sead Kresevljakovic • Bosnien-Herzegowina 2002 • 51 min • OmeU

Als seine Heimatstadt Sarajevo während des Bosnienkrieges unter Belagerung stand, begann der Theater- und Filmemacher Nihad Kresevljakovic die Ereignisse und den Alltag auf Video zu dokumentieren. Die Filmaufnahmen führten zur Gründung des „Video Archive Hamdija Kresevljakovic“, das mittlerweile mehr als 1.000 Stunden an Amateurvideos aus der Zeit von 1992 bis 1995 versammelt. Zum ersten Mal in Europas Kriegsgeschichte hatten BürgerInnen ihren Alltag im Krieg sowie schwere Menschenrechtsverletzungen selbst dokumentiert. In knapp 50 Minuten destilliert sich aus dem gesammelten Archivmaterial eine kollektive Erinnerungscollage aus dem Blickwinkel der Menschen, die in ihrer eigenen Stadt zu Gefangenen geworden waren. DO YOU REMEMBER SARAJEVO? ist ein Akt der Emanzipation von den stereotypisierten Bildern der internationalen Berichterstattung.

www.sartr.ba

Originaltitel SJECAS LI SE SARAJEVA Produktion Deblokada & Jasmila Zbanic
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WAS BLEIBT

Clarissa Thieme • Österreich/Deutschland/Bosnien-Herzegowina 2009 • 34 min • OmeU

WAS BLEIBT handelt von den Leerstellen, die Krieg und Gewalt erzeugen. Der Film besteht aus langen, statischen Totalen von Plätzen und Landschaften im heutigen Bosnien-Herzegowina. Die Alltäglichkeit, Banalität und Schönheit der gezeigten Orte stehen in Kontrast zu der Tatsache, dass sie alle während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 Schauplätze von Kriegsverbrechen waren. WAS BLEIBT ist ein filmisches Gedenken über die Grenzen der Darstellbarkeit und des Verstehens hinweg. Die gezeigten Orte stehen für sich. Sie erklären sich nicht, sie werfen die an sie gestellten Fragen zurück.

Originaltitel STA OSTAJE Produktion Deblokada, Gegenfilm, Jasmila Zbanic & Sabine Derflinger
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