FESTIVALPREVIEW


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OPEN AIR KURZFILMFESTIVAL
Volkskundemuseum Wien
3.7.–24.8.2018

Programmveröffentlichung am 1.6.2018

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FILMFESTIVAL FÜR MENSCHEN AB 4 JAHREN
Volkskundemuseum Wien
12.7.–23.8.2018

Unter Pappeln statt unter Palmen die Zehen ausstrecken, Leinwandzauber unter freiem Himmel genießen, sich in nächtlichen Gesprächen verlieren und im nächsten Workshop selbst aktiv werden: So flirrend ist der Sommer in der Stadt, wenn sich ab 3. Juli das Volkskundemuseum Wien wieder acht Wochen lang in das Festivalzentrum des internationalen Open Air Kurzfilmfestivals dotdotdot verwandelt. Im schönsten Garten im 8. Bezirk hat dotdotdot unter der Leitung von Lisa Mai im Sommer 2015 die Nachfolge von espressofilm angetreten – als cineastischer Nahversorger für Menschen, die darauf brennen, private wie politische Komfortzonen zu verlassen.

Auf dem Programm stehen auch heuer wieder rund 150 kurze und mittellange Filme, die gesellschaftliche Diversität und die Idee eines barrierefreien Kinos feiern. An die handverlesen kuratierten Filmscreenings, die sich an jedem Abend einem bestimmten Thema widmen, docken Filmgespräche mit internationalen und österreichischen Gästen, wöchentliche Workshops und Interventionen an. Und das nicht nur für erwachsenes Publikum: dotdotdot 4plus – die Festivalschiene für Menschen ab 4 Jahren und alle, die gerne gemeinsam ins Kino gehen – begleitet dotdotdot mit einem fixen Spieltag pro Woche den ganzen Sommer hindurch. Barrierefreiheit, ein Festival für alle zu sein, ist seit Anbeginn ein Anliegen, das mit den wöchentlichen barriereFREItagen unterstrichen wird.

> WANN & WO? ECKDATEN
> WER? FESTIVALPROFIL
> WIE? BARRIEREFREIE ANGEBOTE


WE’RE IN THIS TOGETHER NOW!

Unter diesem Motto lädt das Filmfestival mit den drei Punkten und dem Faible für ungewöhnliche Leinwandformate heuer ein, gemeinsam einen Sommer lang die Utopie eines globalen Humanismus zu entwerfen.

Im Fokus des Programmschwerpunkts steht die Kommunikationskultur in Gesellschaft und Politik, meinungsbildenden Medien und sozialen Netzwerken. Hass im Netz, Shitstorms, Cybermobbing, Body Shaming, Rachepornos usw. sind längst Massenphänomene des Internets. (Verbale) sexuelle Gewalt, abfällige Worte über Körper und Aussehen richten sich im Web 2.0 insbesondere gegen Frauen. Debatten zu gesellschaftlichen Missständen wie die #MeToo-Debatte werden entweder verharmlosend oder diffamierend geführt. Das Gesprächsklima ist von extremen Positionen geprägt. Über die Köpfe der betroffenen Menschen wird hinweg diskutiert, anstatt sie in die Diskussion einzubeziehen.

Befinden wir uns längst im kommunikativen Ausnahmezustand? Wie wäre es, wenn wir diesen einen Sommer lang außer Kraft setzen und stattdessen einen Ausnahmezustand ausrufen würden, der von einer grundsätzlichen humanistischen Haltung geprägt ist? Hate speech war gestern, feiern wir stattdessen einen summer of love, in dem wir eine Kultur des (Selbst-)Verständnis voraussetzen, in dem wir eine glühende Einladung aussprechen einander mit Neugier zu begegnen und mehr zu lieben, großzügiger und leidenschaftlicher.

»Als kultureller Nahversorger brennt es uns unter den Nägeln, zu einer solidarischen Kommunikationskultur beizutragen, und mit Filmprogramm, Gesprächen, Workshops und künstlerischen Interventionen Lust auf Begegnung zu machen,« so die Festivalleiterin Lisa Mai. »Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit den FestivalteilnehmerInnen Strategien für gegenseitiges Empowerment zu brainstormen. Viele Menschen sehen sich angesichts gesellschaftlicher Krisen machtlos und entmutigt, selbst aktiv und laut zu werden. Knackpunkt ist die Frage: Was kann ich eigentlich tun?«

Gestartet wird auch heuer wieder mit dem gemeinsamen Sommerfest von dotdotdot und dem Gastgeber Volkskundemuseum Wien. NachbarInnen, MuseumsfreundInnen und FestivalfreundInnen sind eingeladen, gemeinsam im Garten zu essen und zu trinken, mit Haut und Haar in den heurigen Programmschwerpunkt einzutauchen und bei freiem Eintritt durchs Museum zu streifen. Bei Einbruch der Dämmerung wird die Festivalleinwand eingeweiht.


WEITERE PROGRAMMSCHWERPUNKTE

Die in Riga geborene, in New York lebende und mehrfach preisgekrönte Animationsfilm-Künstlerin Signe Baumane steht einen Abend lang im Fokus. Bereits 2007 wagte sich Signe Baumane mit ihrer schonungslos offenherzigen, lustvoll provokativen und aus feministischer Perspektive erzählten Animationsfilm-Serie TEAT BEAT OF SEX in die Gender-Nahkampfzone vor. Die Notwendigkeit einer consent culture wird dabei auf ausgesprochen unterhaltsame Weise thematisiert.

Dem österreichischen Medienkünstler und Filmemacher Christoph Schwarz und der Trägerin des Publikumspreises von dotdotdot 2017 Christiana Perschon sind Personalen gewidmet. Fake it till you become it – eine hintersinnige Reflexion des Kunstbetriebs, des eigenen Schaffens und Scheiterns ist das wiederkehrende Prinzip in den vielfach preisgekrönten 11 Kurzfilmen von Christoph Schwarz, in denen der Künstler jeweils als er selbst bzw. eines seiner unzähligen AlterEgos – man weiß es nie so genau – in Erscheinung tritt. Doch damit soll nun Schluss sein, so die Ansage des Filmemachers. Ist auch diese Mitteilung nur »Fake News« und Spiel mit der Wirklichkeit? Grund genug Christoph Schwarz zu einem ausführlichen Talk zu bitten und dabei filmisch Revue passieren zu lassen. Im Rahmen einer Carte blanche thematisiert auch Christiana Perschon die Kunstwelt. In ihrem mit dem Publikumspreis von dotdotdot 2017 ausgezeichneten Dokumentarfilm NOEMA zeichnet sie in eindrucksvollen Bildern das Porträt der 93-jährigen Malerin Tatjana Gamerith, die im Alter langsam erblindet und einen Weg finden muss, dies mit ihrem künstlerischen Schaffen in Einklang zu bringen. Der Film wird zusammen mit neuen Arbeiten von Christiana Perschon und anderen Künstlerinnen zu sehen sein.

The cat came back: Im vergangenen Sommer feierte das Cat Video Festival Vienna, das sich längst in die Herzen der WienerInnen geschnurrt hat, seinen 5. Geburtstag mit dotdotdot im lauschigsten Kinogarten. Heuer zieht das Festival ins MuseumsQuartier Wien weiter, nicht jedoch ohne dotdotdot zuvor einen Besuch abzustatten. Diesmal stehen Trickfilme auf dem Programm, die mit abgründigem und düsterem Humor von felinen Obsessionen erzählen – bis zur finalen Catastrophe.

Märchen und Fabeln aus aller Welt stehen heuer für die jüngsten FestivalteilnehmerInnen von dotdotdot 4plus auf dem Programm. Was erzählen uns Märchen von der Welt? Welche fantastischen Geschichten haben wir selbst zu erzählen? Im Programm tummeln sich wieder viele lustige Tiere, die eines gemeinsam haben: Mit Mut, Grips und Witz bestehen sie verrückte Abenteuer und sorgen für ein fröhliches Miteinander, in dem es vor allem auf Teamgeist, Toleranz und Mut zum Anderssein ankommt. Es knistert und wuselt aber nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Kinosaal. Rund um die Filme bringt dotdotdot 4plus mit aufregendem Mitmachprogramm für Klein und Groß alles in Bewegung.