WOLLMOND

Die strickwütige alte Dame möchte dem Vollmond einen Pulli stricken und ihn zum Wollmond machen. Doch dass dieser ab- und zunimmt im Laufe eines Monats, verkompliziert die Dinge etwas.

SAFT

Fleischliche Kreaturen lernen ihre saftige Welt mit kleinen, lästigen Käfern zu teilen, um nicht auszutrocknen. Mit ihrer Vision eines saftigen Kreislaufs überzeugte Mona Keil die Jury der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2022: »Mit effektvoll eingesetzten Mitteln entwirft der Film eine Parabel auf das Anthropozän, in dem der Mensch durch seinen selbstgerechten Umgang mit der Natur die Welt aus dem Gleichgewicht bringt. Die Arbeit überzeugt dabei sowohl durch die gelungene Animation als auch den kongenialen Sound.«

ZEBRA

Als ein Zebra fröhlich gegen einen Baum läuft, lernt es ganz andere Seiten an sich kennen. Was wohl die anderen Zebras dazu sagen?

LOVELY ANDREA

Hito Steyerl begibt sich in ihrem autobiografischen Video LOVELY ANDREA auf die Suche nach erotischen Fotografien, für die sie vor Jahren als junge Studentin in Tokyo Modell stand. Sie nimmt die Zuseher*innen dabei mit auf eine Reise durch die fremdartige Welt der japanischen Bondage-(Sub)kultur und mischt Bondage-Szenen mit Bildern von Musikvideos, Comics und Guantánamo-Häftlingen. »Ich habe angefangen mich daran zu erinnern, als ich die ersten Bilder aus Guantánamo sah«, sagt sie, »man könnte sagen, man hat es hier mit einer Art von politischem Bondage von ungeahnten Ausmaßen zu tun.«

CAT DAYS

Jiro ist krank. Es sei eigentlich nur etwas harmloses, meint die Kinderärztin, und gehe schnell vorbei – aber eines ist merkwürdig: Eigentlich leiden nur echte Katzen an Katzenschnupfen. In wunderschön abstrahierten Bildern und mit viel Liebe zum Detail schickt Jon Frickey einen kleinen Jungen auf die große Reise der Identitätsfindung.

[CLOSER CAPTIONS]

Die in Berlin lebende gehörlose Künstlerin Christine Sun Kim macht sich viele Gedanken über Untertitel. Und stellt die Hörenden vor eine schonungslose Tatsache: Aus Perspektive einer Gehörlosen sind die meisten Untertitel … ziemlich bescheiden. Wie könnte das Problem gelöst werden? Christine Sun Kim schlägt in ihrer humorvollen Videoarbeit für das Pop-Up Magazine eine literarische Alternative vor. Keine Angst vor atmosphärischen Umschreibungen!

ESSEN – STÜCK MIT AUFBLICK

In der Pathologie wird eine Frauenleiche aus dem Kühlfach gezogen und zur Obduktion aufgebahrt. Zeitgleich wird eine Lautpoesie von Ernst Jandl sichtbar, deren Sinn sich erst einmal nicht erschließt. Als schließlich die Obduktion beginnt, wird Jandls Poem nicht nur in Klang und Sinn erfahrbar gemacht, sondern prägnant auch dessen Witz seziert. Peter Böving geht noch einen Schritt weiter, indem er diesem Gedicht einen lückenlosen Kriminalfall entlockt – scharfsinnig und skurril!

Ü ÜÜ Ü

Illusion, Kollaps, Trauer. Nach dem Gedicht und Dada-Manistfest „Karawane“ von Hugo Ball.

Clara Wieck studierte Ethnologie, Indologie und Kommunikations- und Medienwissenschaft an den Universitäten Tübingen und Leipzig mit Auslandsaufenthalten in Indien. Studium an der HGB Leipzig in der Fachklasse für Expanded Cinema. Teilnahme an der Werkleitz Professional Media Masterclass und den Berlinale Talents. Sie ist Mitglied der Filmischen Initiative Leipzig (FILZ) und lebt und arbeitet in Leipzig.

FRAUENFRAGMENTE: GALILA

Galila lebt seit vier Jahren ohne funktionierende Heizung und ohne Mietvertrag in einer Berliner Wohnung. Hier hat sie sich ihr eigenes Reich errichtet, in dem sie ihr Alleinsein genießen und ihren Hobbys nachgehen kann. Gedreht auf schwarzweißem, grobkörnigem Super8-Film, findet Sophie Gmeiner den perfekten ästhetischen Rahmen für ihr fragmentarisches, aber eindringliches Porträt einer ambivalenten, eigenwilligen und toughen jungen Frau. (Cinema Next)

RIOT NOT DIET

Ein goldenes Sommerkleid in XXL, der Eislutscher tropft langsam auf den heißen Boden. RIOT NOT DIET schafft eine queer-feministische Utopie fernab von BMI-Normen und männlichen* Blicken. Fünftausend Jahre Patriarchat haben ihre Spuren hinterlassen – denn trotz fortschreitender Emanzipation sind weibliche* Körper immer noch darauf ausgerichtet, sich anzupassen und ruhig, anmutig und platzsparend durch die Welt zu schweben. In diesem Film begegnen wir jedoch dicken Frauen* und Queers, die Widerstand leisten. Mit ihren ausladenden Körpermaßen sprengen sie die Fesseln überkommener Geschlechterstrukturen und beanspruchen Raum für sich. Die Lust an der eigenen, überbordenden Körperlichkeit ist ein Gegenentwurf zur neoliberalen Verwertungslogik. In Zeiten der Selbstoptimierung: Dein Bauch ist ein Statement! Queer Fat Feminism! (Internationales Frauen Film Fest Dortmund+Köln)