LOVELY ANDREA

Hito Steyerl begibt sich in ihrem autobiografischen Video LOVELY ANDREA auf die Suche nach erotischen Fotografien, für die sie vor Jahren als junge Studentin in Tokyo Modell stand. Sie nimmt die Zuseher*innen dabei mit auf eine Reise durch die fremdartige Welt der japanischen Bondage-(Sub)kultur und mischt Bondage-Szenen mit Bildern von Musikvideos, Comics und Guantánamo-Häftlingen. »Ich habe angefangen mich daran zu erinnern, als ich die ersten Bilder aus Guantánamo sah«, sagt sie, »man könnte sagen, man hat es hier mit einer Art von politischem Bondage von ungeahnten Ausmaßen zu tun.«

IN A PIG’S EYE

Vater, Mutter, Großmutter, sechs Kinder und ein Hund leben zusammen. Vor dem Haus liegt ein überdimensionales Schwein, von dem sich alle beschützt fühlen, bis es plötzlich verschwindet. Atsushi Wada, der für seine außergewöhnlichen Animationsfilme bereits zahlreiche große Preise erhielt, zeichnet hier das Bild einer neurotischen Familie, die sich in rituellen Handlungen und Wiederholungszwängen und vor allem im Schweigen übt.

HIDE-AND-SEEK

Sie leben in einer Wohnstadt, umgeben vom Meer und den Bergen. Seit jenem Tag liegt die Stadt in völligem Dunkel. Diese Dunkelheit verbirgt jetzt Straßenlampen, Wege nach Hause, eine Mutter und das Kind in ihrem Bauch.

SELF SURGERY

Hikari Wajima greift zu Nadel und Zwirn, um in dieser kunstfertig-ironischen Nähperformance ihre Erfahrungen im klassischen Ballett zu bearbeiten. Wie akzeptieren wir unseren Körper, unsere Haar- und Hautfarbe, Gestalt, Muskeln und unser Fett, das, was wir nicht immer ändern können?

DEAR LITTLE TIM

Der kleine Tim hat seine ganz eigene Ausdrucksweise um zu zeigen, wie er sein kleines Universum begreift.

SATO NO CHIHIRO

Menschen und Alltagsgegenstände in Interaktion: Im Stil eines Comics erzählt Sato Chihiro in ihrem Animationsfilm sieben kleine, miteinander verwobene Kurzgeschichten.

MOUNT HEAD

Ein Mann hat ein paar Kirschkerne verschluckt. Jetzt wächst ein Kirschbaum auf seinem Kopf und er hat deshalb allerhand Schwierigkeiten. Koji Yamamura adaptiert einen traditionellen japanischen Raguko als Trickfilm in 13.806 handgezeichneten Bildern. Ein Rakugo ist eine kurze bizarre Geschichte, die von einem Rakugo-Spieler, der in die verschiedenen Rollen schlüpft, üblicherweise ohne musikalische Begleitung interpretiert wird. Yamamuras Filmadaption allerdings wird von Takeharu Kunimoto auf dem Schamisen, einem japanische Saiteninstrument mit drei Saiten, begleitet. MOUNT HEAD wurde bei den Oscars 2003 als Best Animation Short Film nominiert, gewann sechs Hauptpreise auf internationalen Filmfestivals und erhielt unzählige weitere Auszeichnungen.

MRS. KABAGODZILLA

Frau KABAGOdZILLA hat eine Tochter, deren Arme und Beine ihren eigenen gleichen. Als die Mutter ins Krankenhaus muss, erinnert sich die Tochter an die zurückliegende Zeit und versucht zu erahnen, was auf sie zukommen wird.

CELLS AND GLASS

Recherchen im Institut für iPS-Zellforschung und Anwendung (CiRA) der Universität Kyoto inspirierten den Videokünstler Yuki Hayashi zu einem Science-Fiction-Monolog über das Verhältnis zwischen dem Innen und dem Außen, Mensch und Tier. Protagonist des Films ist ein Glaskünstler, der sich einer Transplantation eines Organs unterzieht, das im Körper eines Schweines gezüchtet wurde. Im Krankenhaus wird er von einem Freund gebeten, nach seiner Genesung ein Gefäß aus einem Stück Fensterglas aus dessen altem Haus herzustellen. Während er das Material bearbeitet, reflektiert er über die Parallelen zwischen der Transplantation und dem handwerklichen Prozess und über die Veränderlichkeit der Aggregatzustände.

663114

Alle 66 Jahre kommt eine Zikade aus der Tiefe der Erde und klettert hoch hinauf auf einen Baum, um sich dort zu häuten. So geht das seit Ewigkeiten. Aber dieses Mal ist es anders … Mit dem Monolog dieses Insekts ist dem japanischen Animationsfilmer Isamu Hirabayashi eine der prägnantesten und schonungslosesten Reaktionen auf die Katastrophen von Hiroshima, Nagasaki und Fukushima gelungen. (DOK Leipzig)