YOUR MEMORY IS MY FREEDOM

Die brutalen Bilder der Revolution in Syrien dringen in die friedlichen Straßen von Stockholm ein. Nach dem gleichnamigen Gedicht von Marie Silkeberg.

Die bekannte Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin Marie Silkeberg wurde in Kopenhagen geboren und verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Schweden. Der Dichter Ghayath Almadhoun wurde in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien geboren und emigrierte 2008 nach Schweden. In ihren gemeinsamen Filmarbeiten und Lyrikbänden verleihen die beiden Künstler*innen den ungehörten Stimmen des Bürgerkriegs in Syrien Gehör.

FIRST AID KIT: YOU ARE THE PROBLEM HERE (LIVE FROM THE REBEL HEARTS CLUB)

Die Musik, mit der First Aid Kit in den letzten zehn Jahren ihre Fans beglückt haben, stand bisher nicht gerade unter Riot-Grrrl-Verdacht. Sie waren noch im Teenager-Alter, als die Schwestern Klara und Johanna Söderberg mit ihrem Country-lastigen Indie-Pop erstmals die Bühne betraten. Das vierte, Anfang 2018 veröffentlichte Album RUINS bedeutet eine Zäsur, wie man auch dem Song YOU ARE THE PROBLEM HERE anhört, den das schwedische Duo zum Weltfrauentag am 8. März 2018 veröffentlichte: ein furioses, wütendes Stück Gitarrenrock, das die Verantwortung für sexuelle Gewalt den Täter*innen statt den Opfern anlastet. Die Aufzeichnung der Live-EP, die den Song enthält, erfolgte in der fiktiven, in ihrer Optik an die 1960er Jahre angelehnte TV-Musiksendung »Rebel Hearts Club«.

PRICK UND FLÄCK MACHEN SICH’S GEMÜTLICH

Prick und Fläck bemerken erschrocken, dass ihr Zuhause voller Dreck und Schmutz ist. Ein guter Anlass, um mal alles von Grund auf zu renovieren. Ran ans Werkzeug und los geht’s!

JENNY WILSON: RAPIN*

Mit voller Wucht trifft der Eröffnungstrack von Jenny Wilsons fünftem Solo-Album EXORCISM: Unterlegt mit reduziert dräuenden Electrobeats, beschreibt die schwedische Musikerin in RAPIN* die eigene Erfahrung einer Vergewaltigung, die sie im Zuge der #MeToo-Bewegung öffentlich machte. Begleitet wird die Single-Auskopplung von einem Animationsvideo, das im Stil einer »Metropolis«-Dystopie die Serialität dieser Form von Brutalität verdeutlicht, aber auch die ganz partikulären Momente von Schmerz und Hilflosigkeit: Wenn die weibliche Hauptfigur sich nackt zusammenkauert und langsam und scheinbar poetisch entlang einer Linie Blut aus ihrem Körper tritt, bis sie komplett auseinandergeschnitten ist. Jenny Wilson ist übrigens eine von rund 2.000 schwedischen Frauen, darunter auch Robyn, Zara Larsson und First Aid Kit, die 2017 einen offenen Brief unterzeichneten, in dem sie berichteten, Opfer von sexueller Belästigung und sexuellen Übergriffen in der Musikindustrie gewesen zu sein. Es ist eine Kampfansage: »We know who you are.«

PUSSY HAVE THE POWER

»Get power from your pussy juice!« Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, improvisieren vier junge Frauen im Halbdunkel eines Tonstudios ihren neuen Song. Es geht um Ermächtigung. Zufällig betritt ein etablierter Musikproduzent den Raum. Plötzlich steht eine Entscheidung an: Wollen es die Mädchen mit ihrer Musik zu Geld und Erfolg bringen – oder bleiben sie ihrer Botschaft treu?

JUCK

»Weiblichkeit ist ein Wort, das wir mit allem füllen können, was wir wollen.« Durch die Aneignung einer männlichen Gebärde stellt das schwedische Tanzkollektiv JUCK (engl. hump) Sehgewohnheiten auf den weiblichen Körper in Frage. Spätestens seit sich 2013 eines seiner Videos viral im Internet verbreitete, ist Feminismus im Schottenrock höchst ansteckend. Olivia Kastebring, Julia Gumpert und Ulrika Bandeira erzählen die Geschichte und Haltung der Frauen, die hinter JUCK stehen, in einem pulsierenden Hybrid aus Dokumentarfilm, Tanzfilm und Spielfilm.

LAS PALMAS

Eine Frau mittleren Alters versucht im Urlaub neue Freunde zu finden und eine schöne Zeit zu verbringen. Der Abend beginnt schleppend – und endet im Exzess. Mitten in einer Miniaturwelt voller Marionetten inszeniert der schwedische Regisseur Johannes Nyholm ein Baby in der Hauptrolle.

BOTTLENECK

Eine Fabrikarbeiterin befestigt monoton am Fließband Kronkorken auf Flaschenhälsen. Eine überraschende Veränderung der Perspektive bringt das System ins Wanken.

MY GAY SISTER

Cleo ist zehn Jahre alt und ihr Kopf ist voller Fragen: Woran merke ich, dass ich in jemanden verliebt bin? Woher weiß ich, ob ich lieber Jungs oder Mädchen mag? Seit ihre ältere Schwester eine feste Freundin hat, erwachen in Cleo bisher unbekannte Gefühle. Bei einem Ausflug in die norwegischen Fjorde nähert sie sich dem verliebten Pärchen vertrauensvoll auf der Suche nach Antworten. (Berlinale)

TORD AND TORD

Eines Tages gerät Tord aus Versehen in die Nachbarwohnung seines Mietshauses. Hier ist ein anderer Tord gerade eingezogen. Die beiden Tords beginnen ihre Zeit miteinander zu verbringen und entwickeln ganz eigene Methoden um miteinander zu kommunizieren. Durch präzises Timing erzeugt Niki Lindroth von Bahr in ihrem gefühlvoll erzählten Animationsfilmdebüt über Freundschaft und Erwartungen eine eigentümliche Spannung, gerade in den Zwischenräumen, in denen nichts zu passieren scheint.