JUCK

Durch die Aneignung einer männlichen Gebärde stellt das schwedische Tanzkollektiv JUCK (engl. hump) Sehgewohnheiten auf den weiblichen Körper in Frage. Spätestens seit sich 2013 das erste Musikvideo viral im Internet verbreitete, ist Feminismus im Schottenrock höchst ansteckend. JUCK performten seither u.a. mit den Musikerinnen Beatrice Eli und Silvana Imam, tanzten auf zahlreichen internationalen Tanz- und Kunstfestivals und begeisterten immer wieder das Internet mit Interventionen wie »Hump Against Trump« vor der amerikanischen Botschaft in Berlin. Siehe auch den Dokumentarfilm JUCK (Olivia Kastebring, Julia Gumpert & Ulrika Bandeira, SE 2018).

DISCO

Wochenende im Jugendzentrum. Drei 14-jährige Mädchen wollen ausgehen und Spaß haben. Sie nehmen den Platz ein, der ihnen zusteht. Sie tanzen, wie ihnen danach ist. Sie werden zurechtgewiesen. Wohin mit all der Energie?

ANE BRUN: YOU LIT MY FIRE

Mit YOU LIT MY FIRE zollt die bekannte norwegische Singer-Songwriterin Ane Brun, die seit Jahren in der schwedischen Hauptstadt Stockholm ihr Zuhause gefunden hat und dort ihr eigenes Plattenlabel DetErMine Records (wörtl. das sind meine Platten) betreibt, den KämpferInnen der Frauenbewegung Tribut. Seit ihrem 2003 veröffentlichten Debüt ist aus einem folkigen Ansatz musikalisch und inhaltlich ein bedeutend breiterer Zugang geworden. Über die Entstehung ihres siebenten Studioalbums WHEN I’M FREE (2015), auf dem YOU LIT MY FIRE eine zentrale Stellung einnimmt, sagt Ane Brun: »Zu der Zeit, als viele Stücke entstanden sind, haben in Schweden Wahlen stattgefunden. Das hat mich sehr beeinflusst. Themen wie Feminismus oder Umweltschutz waren sehr dominant und ich habe mich viel damit auseinandergesetzt.« Für die visuelle Umsetzung des Musikvideos zeichnet die schwedische Filmemacherin Lisa James Larsson verantwortlich.

YOUR MEMORY IS MY FREEDOM

Die brutalen Bilder der Revolution in Syrien dringen in die friedlichen Straßen von Stockholm ein. Nach dem gleichnamigen Gedicht von Marie Silkeberg.

Die bekannte Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin Marie Silkeberg wurde in Kopenhagen geboren und verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Schweden. Der Dichter Ghayath Almadhoun wurde in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien geboren und emigrierte 2008 nach Schweden. In ihren gemeinsamen Filmarbeiten und Lyrikbänden verleihen die beiden Künstler*innen den ungehörten Stimmen des Bürgerkriegs in Syrien Gehör.

FIRST AID KIT: YOU ARE THE PROBLEM HERE (LIVE FROM THE REBEL HEARTS CLUB)

Die Musik, mit der First Aid Kit in den letzten zehn Jahren ihre Fans beglückt haben, stand bisher nicht gerade unter Riot-Grrrl-Verdacht. Sie waren noch im Teenager-Alter, als die Schwestern Klara und Johanna Söderberg mit ihrem Country-lastigen Indie-Pop erstmals die Bühne betraten. Das vierte, Anfang 2018 veröffentlichte Album RUINS bedeutet eine Zäsur, wie man auch dem Song YOU ARE THE PROBLEM HERE anhört, den das schwedische Duo zum Weltfrauentag am 8. März 2018 veröffentlichte: ein furioses, wütendes Stück Gitarrenrock, das die Verantwortung für sexuelle Gewalt den Täter*innen statt den Opfern anlastet. Die Aufzeichnung der Live-EP, die den Song enthält, erfolgte in der fiktiven, in ihrer Optik an die 1960er Jahre angelehnte TV-Musiksendung »Rebel Hearts Club«.

PRICK UND FLÄCK MACHEN SICH’S GEMÜTLICH

Prick und Fläck bemerken erschrocken, dass ihr Zuhause voller Dreck und Schmutz ist. Ein guter Anlass, um mal alles von Grund auf zu renovieren. Ran ans Werkzeug und los geht’s!

JENNY WILSON: RAPIN*

Mit voller Wucht trifft der Eröffnungstrack von Jenny Wilsons fünftem Solo-Album EXORCISM: Unterlegt mit reduziert dräuenden Electrobeats, beschreibt die schwedische Musikerin in RAPIN* die eigene Erfahrung einer Vergewaltigung, die sie im Zuge der #MeToo-Bewegung öffentlich machte. Begleitet wird die Single-Auskopplung von einem Animationsvideo, das im Stil einer »Metropolis«-Dystopie die Serialität dieser Form von Brutalität verdeutlicht, aber auch die ganz partikulären Momente von Schmerz und Hilflosigkeit: Wenn die weibliche Hauptfigur sich nackt zusammenkauert und langsam und scheinbar poetisch entlang einer Linie Blut aus ihrem Körper tritt, bis sie komplett auseinandergeschnitten ist. Jenny Wilson ist übrigens eine von rund 2.000 schwedischen Frauen, darunter auch Robyn, Zara Larsson und First Aid Kit, die 2017 einen offenen Brief unterzeichneten, in dem sie berichteten, Opfer von sexueller Belästigung und sexuellen Übergriffen in der Musikindustrie gewesen zu sein. Es ist eine Kampfansage: »We know who you are.«

PUSSY HAVE THE POWER

»Get power from your pussy juice!« Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, improvisieren vier junge Frauen im Halbdunkel eines Tonstudios ihren neuen Song. Es geht um Ermächtigung. Zufällig betritt ein etablierter Musikproduzent den Raum. Plötzlich steht eine Entscheidung an: Wollen es die Mädchen mit ihrer Musik zu Geld und Erfolg bringen – oder bleiben sie ihrer Botschaft treu?