HENRI, LE CHAT NOIR 3 – LE VET

Gleichförmig ziehen die Tage dahin, wenn nicht hie und da ein Besuch beim Tierarzt fällig wäre. Doch auch hier stößt Kater Henri nicht auf Verständnis für seine existentiellen Fragen. Unterlegt mit verwehten Klavierakkorden und in künstlerisches Schwarz-Weiß gefärbt, erlangte Will Bradens Web-Serie um den philosophischen Kater als Parodie auf die Avantgardefilme der 1950er Jahre Kultstatus.

NIX + GERBER

»We used to have a couch – and one little table to work on. We got rid of the couch, and got in a bigger table.« – Studiobesuch bei Lori Nix und Kathleen Gerber, Partnerinnen im Leben und in der Kunst, während der Arbeit an ihrer Serie »The City«. Was anmutet wie ein Berg Gerümpel inmitten des Wohnzimmers, ist das Material, aus dem sich ihre kunstvollen und detailreichen Dioramen zusammensetzen lassen. Es sind verlassene Orte in einer menschenleeren postapokalyptischen Welt, die von dem erzählen, was bleibt, wenn die Menschheit sich selbst ausgelöscht hat.

CANDOCO – PILOT

Alles rollt, wandelt, dreht sich. Erste Zusammenarbeit von Victoria Marks (Choreografie) und Margaret Williams (Regie) mit der 1991 gegründeten CandoCo Dance Company, in der Tänzer*innen mit und ohne Behinderungen tanzen (u.a. David Toole, bereits zu sehen im Eröffnungsfilm THE COST OF LIVING) und die 2016 ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Im Pilot werden die Spuren für OUTSIDE IN gezogen.

ARCADE FIRE: WE EXIST

Andrew Garfield schlüpft für die kanadische Indie-Rockband Arcade Fire aus dem rot-blauen Spiderman-Trikot und liefert eine beeindruckende Performance als junge Frau, die im Körper eines Mannes geboren wurde. WE EXIST aus dem Doppelalbum REFLEKTOR erzählt vom schmerzvollen Coming-out gegenüber dem Vater, das Video zur Single folgt ihr durch eine amerikanische Kleinstadt. Persönliche Freiheit und Akzeptanz erfährt sie allerdings nur im Traum.

TEAT BEAT OF SEX: TROUBLE

Lektion Nr. 3 aus Signe Baumanes unterhaltsamer und offenherziger Trickfilm-Serie TEAT BEAT OF SEX, in der ausschließlich aus der weiblichen Perspektive über Sex geredet wird. Hauptdarstellerin in allen Episoden ist Cynthia, die über umfangreiche sexuelle Erfahrungen verfügt. In der Episode TROUBLE erklärt Cynthia, warum Masturbation – entgegen der Meinung ihrer Mutter – keine schlechte Sache ist.

ONE YEAR LEASE

Als die New Yorker Brian, Thomas und Kater Casper endlich die lange gesuchte Traumwohnung beziehen können, scheint das Glück perfekt. Doch sie haben die Rechnung ohne die überaus exzentrische Vermieterin gemacht. Was von dem Jahr bleibt, das die drei unter der Fuchtel von »cat lover« Rita durchstehen, sind deren Anrufbeantworter-Nachrichten. Dass Brian Bolster zufällig Filmemacher ist und aus diesen Dokumenten alltäglichen Grauens so etwas wie eine Komödie bastelt, die ihre Komik im Stillen entfaltet, ist ein Glück für die Welt.

THE DEVICE THAT TURNED ME INTO A CYBORG WAS BORN THE SAME YEAR I WAS

Der gehörlose Künstler Chella Man erforscht in seiner Videoarbeit für das Powerhouse Museum in Sydney die komplexe Beziehung zu den Freiheiten und Einschränkungen, die für ihn Cochlea-Implantate mit sich bringen. Das Cochlea-Implantat ist eine elektronische Hörprothese, die Schwerhörigen und Gehörlosen das Hören ermöglicht. Elektroden werden in die Gehörschnecke im Innenohr implantiert und über eine Sendespule mit dem Sender und Empfänger verbunden, der außen am Kopf angebracht wird. Doch was bedeutet die Cyborg-Identität für die Identität als gehörloser Mensch?

MY KINGDOM

»Some thirty inches from my nose | The frontier of my Person goes | And all the untilled air between | Is private pagus or demesne. | Stranger, unless with bedroom eyes | I beckon you to fraternize | Beware of rudely crossing it | I have no gun, but I can spit.«
– »The Birth of Architecture«, W. H. Auden

Debra Solomon entzückt ihre Fans seit 1995 mit Animationsfilmen, die unter so hübschen Titeln wie »Getting Over Him in 8 Songs or Less« oder »Everybody’s Pregnant« frei von der Leber weg innere Zweifel und Zerwürfnisse auf die Leinwand bringen. Gefühle, Farbe, Humor und eingängige Melodien sind das Geheimrezept, mit dem das auch noch auf äußerst unterhaltsame Weise gelingt. MY KINGDOM ist eine wenig meditative Meditation über das Bedürfnis nach persönlichem Raum und – frei nach W. H. Auden – ein Hochgesang auf die Verteidigung des persönlichen Königreichs – in der U-Bahn, im Kino, im Supermarkt, im Yoga-Studio.

M.I.A.: BAD GIRLS

Saudi-Arabien als Kulisse für verschleierte Frauen, die auf Autodächern tanzen und über den Wüstensand driften. In ihrem Musikvideo BAD GIRLS zeigt die britische Rapperin M.I.A., was sie antreibt, und provoziert die Abrechnung mit einer Welt, in der eine Frau hinter dem Steuer ein Tabu ist.

Weiterlesen: »Pure Provokation« (Sophia Lindsey, Süddeutsche Zeitung)

ONCE UPON A SCREEN: EXPLOSIVE PARADOX

Eine Kindheitserinnerung wird an die schattige Wand eines ehemaligen Kinos projiziert. In seinem Videoessay erzählt der Filmemacher und Filmkritiker Kevin B. Lee von der Erfahrung Oliver Stones »Platoon« zu sehen – und der Tatsache, dass sein Vater einen anderen »Platoon« gesehen hat, obwohl sie denselben »Platoon« gesehen haben. Auch seine Mitschüler haben einen anderen Film gesehen. Licht fällt durch Blätter und auf den Screen des iPads. Ein Essay über die Verquickung von Gegenwart und Vergangenheit, die sich wandelt wie ein Film, dessen Montage kontinuierlich verändert wird.