TIGER IM GÄNSEMARSCH

Ein sehr, sehr fauler Bub, der tagein tagaus nichts tut als die Zeit verstreichen lassen, wird von seiner genervten Mutter aufgefordert, sich endlich einen Job zuzulegen. Höchste Zeit – denn die Tiger sind im Anmarsch. Nach einem koreanischen Volksmärchen.

BIRD IN THE PENINSULA

Atsushi Warda fügt seinem wunderlichen Filmkosmos weitere eigenwillige Charaktere hinzu: Die Jungen üben einen Tanz für ihren traditionellen Initationsritus zum Eintritt in das Erwachsenenleben ein, der Lehrer korrigiert sie. Ein Mädchen beobachtet die Szenerie, darf aber nicht mitmachen. Als einer der Jungen einem merkwürdigen Vogel hinterherläuft, folgt sie ihm, ohne zu wissen, warum. Eines Tages wird auch der Junge den Vogel nicht mehr sehen können. (Berlinale)

RHAPSODY

Ein 60-jähriger Mann lebt allein in einem kleinen Apartment auf der obersten Etage eines anonymen Pariser Hochhauses. Jeden Tag vertraut ihm eine junge Frau ihr Baby an. Der eine massiv und robust, der andere fragil und klein, verbindet beide Wesen etwas Natürliches und zugleich Fremdartiges. Liebevoll lakonische Alltagsballade mit Gérard Depardieu in einer überraschenden Rolle.

»Gérard ist in dem Film viel verletzlicher als das Kind. Als kümmere sich das Kind um ihn. Ich mag es, diese sinnlichen Körper zu filmen in dieser sehr kalten Umgebung, hoch oben und schwindelerregend.« (Constance Meyer)

WEAKER SEX

»Mann vermietet reife Frau, 47 Jahre, 1,65 m, 50 kg, pflegeleicht, offen, ruhig, anhänglich, tapfer, aufmerksam, loyal, für gemütliche und gesellige Zusammentreffen, allein oder zu mehreren.« Die schier unerträgliche Brutalität, die sich hinter dieser Kleinanzeige verbirgt, setzt Nicolas Jacquet in verstörende Bilder um, in denen er Animationstechniken und Realaufnahmen mischt. Schnaufen, Stöhnen, Keuchen, Ächzen, Japsen – die Tonebene dieses eindrucksvollen Animationsfilms geht unter die Haut, wenn der Körper der sich verrenkenden Frau knackst. In einem Teufelskreis aus häuslicher Gewalt und Zwangsprostitution gefangen, windet sie sich der Freiheit entgegen, solange es ihr Körper zulässt.

METAMORPHOSIS

Tierpräparate kleiden die Wände der Wohnung der Mutter ebenso, wie Zweifel die Seele. Ein Mann in seinen Dreißigern beschließt, sich von seinen inneren Dämonen zu befreien. – Verfilmung einer Novelle von Pablo Lukas.

KAROTTENMARMELADE

Zwei fröhliche Hasen erkennen mitten im Winter, dass ihr Vorrat an Karottenmarmelade sich dem Ende zuneigt. Aber wer sagt, dass Karotten nur im Garten wachsen können? Sicher nicht ihr Onkel Robert, der ihnen einen unbezahlbaren Schatz hinterlassen hat …

CHLOÉ VAN HERZEELE

Chloé, eine Dame in betagtem Alter, organisiert Filmscreenings in einem längst aufgelassenen Underground-Kino. Sie führt einen befreundeten Journalisten durch die verwaisten Räume, in denen unzählige Rollen Analogfilm archiviert sind. Vor ihnen liegt eine andere, eine längst vergessene Welt. Anne-Sophie Girault und Clémence Bouchereau erzählen ihre Geschichte behutsam in aufwändigen Sandanimationen, die sich der Materialität des sich langsam zersetzenden Filmmaterials annähern.

SCHÄFCHEN ZÄHLEN

Ein kleiner Bub kann nicht und nicht einschlafen. Sein Vater rät ihm, Schäfchen zu zählen. Huch! Plötzlich befinden sich Dutzende Schafe rund um das Bett des kleinen Buben.

STEAKHOUSE

Paarbeziehungen haben eine eigene Dynamik. Ihre beruflichen Verpflichtungen ticken nicht nach der Uhr, seine Kochkunst und Liebe sind außerordentlich, aber eben zeitlich präzise getaktet. Diese Unvereinbarkeit verdichtet sich zu einem undurchsichtigen, beißenden Bratennebel und endet gesittet, aber blutig. Špela Čadež drosselt zunehmend das Tempo und schafft so Platz, damit sich das absurde Geschehen immer tiefer bohren kann. Schwarzer Humor well done. (André Eckardt)

EARLY RISING FRANCE

Souleymane hat zwar keine Aufenthaltsgenehmigung, lebt und arbeitet aber seit Jahren in Frankreich, wo er sich eine Zukunft aufbauen möchte. Als sein Arbeitgeber ihn verrät und er das Land verlassen und seine schwangere Frau zurücklassen muss, wehrt er sich mit Händen und Füßen. Im Stil einer comédie musicale erzählt Hugo Chesnard von der schwierigen Lage undokumentierter Einwander*innen. Der Chor fungiert als Instanz, die Fragen aufwirft.