MAT AND HER MATES

In einem besetzten Haus in Nantes organisieren Mat und ihre Freundinnen einen gynäkologischen Selbstuntersuchungsworkshop, um »sich selber anzuschauen und kennenzulernen«. Ein lebhaftes und intimes Porträt einer jungen Frau, die das Verhältnis zu sich selbst, zur Liebe und zur Sexualität, sowie die Verbindung zwischen allen dreien, aus einer persönlichen und einer kollektiven Perspektive hinterfragt. (Camille Kaiser)

EDMOND WAS A DONKEY

Als seine Arbeitskollegen dem schikanierten Edmond eine Mütze mit Eselsohren verpassen, geht ihm ein Licht auf: Dies ist seine wahre Natur. Die neugefundene Identität treibt jedoch den Keil des Unverständnisses noch tiefer zwischen ihn und seine Kollegen. Franck Dion erzählt in seinem vielfach preisgekrönten Animationsfilm die Geschichte eines liebenswerten Außenseiters und seiner Schwierigkeiten, sich im Rahmen eines sozialen Konformismus selbst treu zu bleiben.

GOODBYE JÉRÔME!

Sakrale Klänge, das Knarren eines Eisentors, der Blick auf ein weißes Blütenmeer – Jérôme betritt das Paradies. Auf dem Tisch findet er ein Telefonbuch, er ruft seine geliebte Maryline an. Doch nur der AB antwortet. Vor einem Jahr ist sie von ihm gegangen. Jérôme begibt sich auf die Suche, fragt die Vogelfrau, den Hotdog-Verkäufer und all die anderen Wesen. Schrill, knallbunt und sehr eigen erscheint das Paradies. Ebenso seine Bewohner*innen, insbesondere Maryline. (Berlinale)

DER TIGER OHNE STREIFEN

Ein neugieriger kleiner Tiger beschließt, sich auf eine lange Reise zu begeben, um das Rätsel seiner verlorenen Streifen zu lösen.

DER HANDSCHUH

Lily und ihr Opa bauen ein Vogelhäuschen, damit die Vögel es auch im Winter gemütlich haben. Aber wo finden die anderen Tiere aus dem Garten Schutz vor der Kälte?

HORS D’ŒUVRE

Einfache schwarze Linien, die in dauernder Bewegung und Verwandlung mit unseren Sehgewohnheiten spielen. Zu hören ist das laut verstärkte Geräusch eines Reißverschlusses, rhythmisch pulsierend wie Kratzen oder Atmen.

NOVACIÉRIES

Die Kamera folgt einer Opernsängerin und den Tänzern in dem aufgelassenen Stahlwerk Novaciéries bei Saint-Etienne. Die Tänzer antworten auf den verklungenen Beat der Maschinen mit Hard Jump und Hakken, während die Hardcore-Hymne HARDCORE TO THE BONE als lyrische Klage erklingt. Die Jumpstyle-Neuinterpretation NOVACIÉRIES durch das französische Kollektiv (LA)HORDE ist ein rätselhafter Bericht über die Entwicklung eines Post-Internet-Tanzes und die Nachnutzung einer Industrieanlage.

THE KILLING OF ZINEB REDOUANE

Am 1. Dezember 2018 wurde die 80-jährige Zineb Redouane am Rande eines Gilets-Jaunes-Protestes in Marseille von einer Tränengasgranate ins Gesicht getroffen, als sie am Fenster ihrer Wohnung im vierten Stock stand. Am nächsten Tag verstarb sie im Krankenhaus an den Verletzungen. Im Mai 2020 wurde die laufende gerichtliche Untersuchung um ein neues Element erweitert: Der Bericht eines Ballistik-Experten, der feststellen sollte, ob der Beamte, der den Schuss abgefeuert hatte, ein Mitglied der französischen Bereitschaftspolizei CRS, nach Protokoll gehandelt hatte. Unter Verwendung von Elementen dieses Berichts und eines detaillierten 3D-Modells der Szene untersuchten die Enthüllungsplattform Disclose and Forensic Architecture den Fall erneut und rekonstruierten den genauen Ablauf der Ereignisse vor, während und nach der Tötung.

CHRISTINE AND THE QUEENS: SAINT CLAUDE

Héloïse Letissier alias Christine and the Queens alias Chris (seit 2018) ist ein*e französische*r Singer-Songwriter*in und Tänzer*in. Im Musikvideo zur Single SAINT CLAUDE aus dem Debütalbum CHALEUR HUMAINE wird Chris*tine vom Regie-Duo Camille Hirigoyen und Julien Choquart (alias JACK) nach eigener Choreografie in einem abstrahierten Raum in Szene gesetzt. Körper und Kamera sind in einem Tanz verbunden, der so zart wie gewaltvoll ist. Die Gliedmaßen wirken verzerrt in einem Kampf mit ambivalenten Gefühlen: Der Song erzählt von einem erlebten Ereignis, bei dem ein junger Mann in einem vollbesetzten Autobus erniedrigt wurde, ohne dass jemand – auch Chris*tine nicht – eingegriffen hätte.

THINGS CHANGE/THINGS DON’T CHANGE

»Richard – Ulrich – Kurt – Schule – Caesar – Ida – Otto – Rukschcio. Fast jeden Tag muss ich meinen Namen buchstabieren, in den unterschiedlichsten Situationen. Ich bin so daran gewöhnt, dass ich mir nie die Frage gestellt habe, welche Namen ich dafür eigentlich benütze – bis ich dieses Video gemacht habe.«

In der Geschichte des Buchstabierens, die mit der Einführung des Telefons beginnt, zeigt sich, dass diese nicht als neutrale Übermittlung funktioniert. Der Wandel politischer Systeme wirkt sich direkt auf den Modus aus. Mit Beginn des Nationalsozialismus wurde dieses elementare Instrumentarium zur Überwindung von Verständigungsschwierigkeiten durch den Austausch jüdischer Namen gegen deutsche mit nationalen und ethnischen Ideologien besetzt und bis heute so belassen. Das Buchstabieren von THINGS CHANGE kann in diesem Sinn als Hinterfragung und Aufforderung gesehen werden, die mit der Ambivalenz von THINGS DON’T CHANGE alterniert. (Nicola Hirner)