NOTES ON BLINDNESS

Als die auf Kassetten gesprochenen Texte des promovierten Philosophen und Literaturwissenschaftlers John Hull (1935–2015) in Buchform erschienen, kommentierte der Neurologe Oliver Sacks sie so: »Ein Meisterwerk … die ungewöhnlichste, präziseste, tiefste und schönste Beschreibung von Blindheit, die ich je gelesen habe.« Basierend auf Hulls Audio-Aufzeichnungen – einer poetischen und sehr persönlichen Erzählung über das Erblinden, den Kampf mit dem Unabwendbaren und den Neuanfang, der mit dem Akzeptieren der Realität einhergeht – schufen Peter Middleton und James Spinney eine Reihe von Kurzfilmen, von denen NOTES ON BLINDNESS mit einem Emmy Award ausgezeichnet wurde. Während der Dreharbeiten zum gleichnamigen Langfilm verstarb John Hull.

MANOMAN

Glen versucht seiner Männlichkeit mittels Urschreitherapie auf die Sprünge zu helfen und bekommt dabei Gesellschaft. Etwas bricht aus ihm heraus. Und das lässt sich nicht zähmen – ungeachtet der Konsequenzen. Mit einer schrägen Story und der visuell ansprechenden Kombination von Stabpuppen und Animationstechniken überzeugte Simon Cartwright die Jurys zahlreicher internationaler Filmfestivals. Unter anderem wurde MANOMAN auf dem San Francisco International Film Festival mit dem Golden Gate Award für den besten kurzen Animationsfilm ausgezeichnet.

IN THE FUTURE THEY ATE FROM THE FINEST PORCELAIN

Der Versuch eines Eingriffs in die Wahrnehmung der zukünftigen Geschichtsschreibung: Eine Narrativ-Widerstandsgruppe vergräbt ausgeklüngeltes Porzellan, das später einer fiktiven – also nicht wirklich existenten – Zivilisation zugeordnet werden soll. Ihr Ziel ist, die Geschichte zu beeinflussen und die zukünftigen Ansprüche auf ihr verschwindendes Land geltend zu machen. In einer Mischung aus Realfilm- und CGI-Elementen untersucht IN THE FUTURE THEY ATE FROM THE FINEST PORCELAIN die Rolle des Mythos für Geschichte, Tatsache und nationale Identität.

Letzter Teil von Larissa Sansour’s Science-Fiction-Trilogie in Zusammenarbeit mit Søren Lind, zu der auch A SPACE EXODUS (2008) und NATION ESTATE (2012) gehören. Unter dem Oberthema Verlust, Zugehörigkeit, Erbe und nationale Identität untersuchen die drei Filme jeweils unterschiedliche Aspekte politischen Widerstands im Nahen Osten.

THE COST OF LIVING

Cromer an der Küste Norfolks ist ein typischer, altmodischer und verblasster Ferienort. Die Sommersaison geht zu Ende und Eddie und David hat ihre Arbeit als Straßenkünstler desillusioniert zurückgelassen. Eddie ist direkt, scheut keine Konfrontation und kämpft für seinen Glauben an das Gerechte und die Ehrlichkeit. David ist ein Tänzer ohne Beine; ihm zuzusehen bedeutet, die eigenen Vorstellungen von Perfektion zu hinterfragen. Ruhig und bestimmt achtet er darauf, dass ihm seine Behinderung und gesellschaftliche Vorurteile nicht in die Quere kommen. Eine Reihe von lose verknüpften Szenen zeigt, wie die beiden leben, in und aus Beziehungen gleiten und von Tag zu Tag überleben.

Lloyd Newsons Tanzstück THE COST OF LIVING, das von ihm wie einige seiner Werke für die Leinwand adaptiert wurde, ist ein Meilenstein in einem konzisen Œuvre, das an der Grenze von Tanz und Theater den Finger stets in gesellschaftliche Wunden legt. Newsons Compagnie DV8 Physical Theatre wurde 1986 in London gegründet, wobei der Abkürzung DV8 sowohl für »Dance« und »Video« im Super 8 Format steht (da die Tänzer*innen auch mit Filmelementen arbeiten) als auch für »deviate« (engl. abweichen).

A LOVE STORY

Zwei wollige Figuren verlieben sich ineinander und weben zusammen eine bunte Welt. Als die Dunkelheit eine der beiden überkommt, muss die andere darum kämpfen nicht auseinandergerissen zu werden. Mehrfach preisgekrönte Arbeit der in Sri Lanka geborenen britischen Animationsfilmkünstlerin Anushka Nanayakkara.

DOG

Die 15-jährige Leah lebt in Thamesmead, einem trostlosen Londoner Randbezirk. Dieser Tag könnte sein wie jeder andere – ausgehen, Drogen aufstellen, leidenschaftsloser Sex irgendwo im Gestrüpp –, nimmt jedoch einen ganz anderen Verlauf, als ein Hund den wahren Charakter ihres Freundes zum Vorschein bringt.

DOG wurde von der BBC2 für die Kurzfilm-Compilation WAYS TO LEAVE YOUR LOVER in Auftrag gegeben und bot von allen Filmen gerade durch seine Distanziertheit wahrscheinlich die realistischste Darstellung vom Verständnis von Liebe unter jungen Menschen – oder vielmehr von deren Missverständnis als Fehlinterpretation von Abhängigkeiten.

Andrea Arnolds DOG bescherte ihr den begehrten Jameson Award bei den Brief Encounters 2001 und lief ebenso wie ihr erster Kurzfilm MILK in der Semaine de la Critique in Cannes. Stilistisch verfolgt die zweifach mit dem Großen Preis der Jury in Cannes ausgezeichnete britische Filmemacherin eine Linie, mit der sie der Tradition der Kitchen-Sink-Filme – jener ganz ureigenen britischen Art, nicht auf ein Milieu herabzuschauen, sondern aus ihm heraus – eine Verjüngungskur verpasst hat.

THANK YOU

Avelardos Geburtstagsparty ist das Thema das Tages in einer kleinen Stadt. Bevor es losgehen kann, müssen allerdings noch ein Geschenk besorgt, ein gelber Hut gefunden und Sunny eingeladen werden.

COMING OUT

Ein Teenager bringt endlich den Mut auf, sich gegenüber seiner Mutter zu outen. Warum versteckt er »schmutzige« Magazine und Videos in seinem Zimmer? Was wird sein Vater zum Coming-out sagen? Überraschende Enthüllungen bergen neue Chancen fürs Familienleben in diesem witzigen Kurzfilm über die Identität gehörloser Menschen.

LOVE STRUCK

Glyn lernt gerade in der Schule, als plötzlich vor seinen Augen das historische walisische Volksmärchen LYN Y FAN FACH beginnt.

SONG FOR EUROPE

Am 1. Dezember 1990 stieg der britische Bauarbeiter Graham Fagg 40 Meter unter dem Boden des Ärmelkanals durch ein Loch in der soeben durchstoßenen Wand, schüttelte die Hand von Philippe Cozette aus Calais und rief: »Vive la France!« Am 23. Juni 2016 stimmte die Mehrheit der britischen Bevölkerung für den Austritt aus der EU. Inspiriert von einer Werbebotschaft im Autozug durch den Eurotunnel, feiert SONG FOR EUROPE Großbritanniens Verbindung zu Kontinentaleuropa.