DIALOG ÜBER ÖSTERREICH

DIALOG ÜBER ÖSTERREICH basiert auf 12 Lautgedichten von Gerhard Rühm, von denen sechs als Heimatgedichte jenseits von Sentimentalität und Trivialität 1959 im Dialektband »Hosn Rosn Baa« der Wiener Gruppe veröffentlicht wurden. Hubert Sielecki schlüpft in einem Restaurant in die Haut zweier Wiener Originale, während Rühm selbst den fiktiven Dialog von sentimental-raunzend bis ordinär-aggressiv so interpretiert, dass man meint, jedes Wort verstehen zu können. Aber man meint es eben nur.

KOPIERWERK

Amüsant-kluge Liebeserklärung ans Analoge und noisiges Lamentoso über dessen Niedergang. In einer rasanten Montage aus Found Footage, Fotogrammen und rhythmisierender Soundkomposition reflektiert Kopierwerk die Geschichte analoger Medien vom Schriftdruck über Fotografie, Tonbandaufnahmen, Schallplatten bis zum Bewegtbild. (Michelle Koch, Diagonale)

HÄNDE ZUM HIMMEL

»Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.« In ihrem Dokumentarfilm folgen Ulrike Putzer und Matthias van Baaren dem Ruf der Ski- und Schlagerlegende Hansi Hinterseer auf den Hahnenkamm.

Vom malerischen Naturraum ist dort nur mehr wenig zu erkennen: Hansi Hinterseer hat zur Bergmesse geladen und der enthusiasmierte Fantross ist der Einladung gefolgt. Inmitten des folkloristischen Massentrubels scheint die Kamera einsam und verloren, gemächlich beobachtend bricht sie sich Bahn. Derweilen wird die treue Pilgerschaft über Lautsprecher auf das, was da kommen mag, vorbereitet. Und irgendwann erscheint er tatsächlich, der Hansi: singt, betet, eint. (Diagonale)

WHERE DO WE GO

Das dynamische Spiel des Schlagzeugers Jörg Mikula gibt Anstoß für diese neue Arbeit von Siegfried A. Fruhauf, die das Verhältnis von Musik und Bewegtbild auslotet. Der Filmemacher animiert Bilderserien von Zügen, Schienen, Brücken und Natur – kurze Bewegungsphasen, aufgenommen mit dem Lomography Supersampler – in akribischer Arbeit und fügt sie in einem vielteiligen Splitscreen neu zueinander zu einem synästhetischen Experiment, das das Sehen rhythmisch und den Schnitt musikalisch werden lässt.

LAS MENINAS

Nach einem strittigen Elfmeter bei einem Fußballspiel verfällt ein Schiedsrichter in tiefe Selbstzweifel. Den Madrid-Urlaub mit seiner Freundin vermag er nicht mehr entspannt zu genießen. Gedankenversunken verirrt er sich in den dunklen unterirdischen Gängen des Museo del Prado – wo er sich als Figur im titelgebenden Bild von Diego Velázquez wiederfindet. (…) Das Kunstwerk dringt in die Realität ein – die Wahrheit offenbart sich im Bild. Das Museum als Ort erkenntnisreicher Versenkung: Hier löst sich nicht nur das persönliche Dilemma des Schiedsrichters, sondern auch das seit Jahrhunderten in Malerei und Kunsttheorie diskutierte Mysterium um Velázquez’ berühmtes Werk LAS MENINAS. (Diagonale)

ES WAR EIN MERKWÜRDIGER TAG

An einem beliebigen Sommertag in einem beliebigen Garten entsteht eine filmische Miniatur einer Suche nach sich selbst.

Die Frau hinter der Kamera hat sich eine spezielle Apparatur erdacht: Ein fester Stoff, über die Finger gespannt, entfaltet sich mit deren Bewegung zum Fächer. Zugleich fungiert dieser jedoch auch als Abblende – das Spiegelbild der Frau wird unsichtbar. Linda Christanell, Jahrgang 1939, ist seit den 1960er-Jahren Teil der (ersten) heimischen Filmavantgarde. Ihre Arbeiten charakterisiert unter anderem die Verwendung von Objekten und Materialien, die ambivalent besetzt sind: Talmi und Tand, schillernde Stoffe, Schmuckstücke, Spiegel, Fotos. (Der Standard)

NUR KREIDE

Wenn die Kinder den Klassenraum verlassen, erwacht auf der Schultafel ein Kreidemännchen zum Leben und tobt sich aus.

BYKETROUBLE

Eine Frau mit einem Fahrad müht sich ab einen Lift zu betreten, sowie ihn wieder zu verlassen. Ein Geschäftsmann steht ihr dabei im Weg. Aus Carola Dertnigs fortlaufender Slapstick-Serie TRUE STORIES: Wir versuchen uns in ein nicht bekanntes System zu integrieren und desto mehr wir uns bemühen, umso mehr stolpern wir über unser eigenes Verlangen nach Leistung und Perfektion.

ONE LEFT

Im Warteraum einer Arztpraxis erwarten die Patient*innen ihre Testergebnisse: die Prognose ihrer noch verbleibenden Lebenszeit.

WO ICH WOHNE

»Ich wohne seit gestern einen Stock tiefer«, sagt das Ich. Aber niemand sonst scheint diesen mysteriösen Umstand bemerkt zu haben. Susi Jirkuffs gezeichneter Film beruht auf einer Erzählung der Autorin Ilse Aichinger, die den nationalsozialistischen Terror in einer Wohnung nahe des Wiener Gestapo-Hauptquartiers versteckt überlebte. Entsprechend lässt sich der plötzliche und rational unerklärliche Abstieg von Etage vier nach ganz unten als Metapher auf die soziale Ächtung verstehen, die Aichinger, deren Mutter Jüdin war, erfuhr. Bei Jirkuff ist es eine Geschichte aus Kohle und Papier, die nach der (Un-)Sichtbarkeit vulnerabler Menschen fragt. (Eva Königshofen, Diagonale’23)