ESPRESSO
Herr Ober! Bitte noch einen Espresso. Niemand kommt. Manche warten auf Antworten, andere auf Kaffee.
Herr Ober! Bitte noch einen Espresso. Niemand kommt. Manche warten auf Antworten, andere auf Kaffee.
Erneut nimmt die selbsternannte »pseudo-marxistische Medienguerilla« Total Refusal ein Computergame (»Red Dead Redemption 2«) als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen zu Funktion und Störung kapitalistischer Systeme. Dabei richtet sie ihre Blicke auf jene Figuren, die als Statist*innen die Bildwelten des Games beleben. Ein komplexer Essay über Arbeit und Verweigerung. (Eva Königshofen, Diagonale’23)
Wir sehen Straßen, Kurven, Brücken, einen endlosen Strom von LKWs und Autos, einen Fluss, einen Trailer, einen Parkplatz – Stationen einer Flucht in langen statischen Einstellungen. Aus dem Off hören wir die Stimme von German López Rosales, einem jungen Mann aus Mexiko. German versucht mithilfe von Schleppern in die USA einzureisen. Wir erfahren, wie er ins Boot steigt, den Grenzfluss passiert, sich in einem Wohnwagen verstecken muss und schließlich in einen kochend heißen LKW gezwungen wird. Am Ende sind viele Menschen tot, darunter sein Freund und eine fünfköpfige Familie mit Baby. (…) Klug verbindet der Film seine äußere und innere Perspektive. Eindrücklich und sensibel gelingt ihm so eine schonungslose Darstellung der Entmenschlichung, die Menschen auf der Flucht weltweit erleben – auch »next to us«.
(Jurybegründung für die Auszeichnung mit dem Diagonale-Preis für den Besten Kurzdokumentarfilm 2024)
Die Literaturstunde kredenzt drei ausgewählte Episoden aus Daniela Zahlners originellem zeitgenössischen Kommentar zu einem Abschnitt der österreichischen Filmgeschichte: Queere Reinterpretationen erotischer Stummfilmfantasien, die von 1906 bis 1911 von der Wiener Filmgesellschaft Saturn produziert wurden. »Saturn kehrt zurück, komisch, fantasievoll, mit Jux und Tollerei: jenseits des Patriarchats, diesseits des Lustprinzips.« (Philipp Stadelmaier, Diagonale)
In der Hochsaison kann die Wartezeit vor dem Eingang der Uffizien in Florenz bis zu vier Stunden betragen. Nur sechs Sekunden jedoch verharrt der/die durchschnittliche Museumsbesucher*in vor einem Bild – so die Ausgangshypothese von Reinhold Bidners Studie über das Verhalten von Menschen im Museum des 21. Jahrhunderts. Ihr Publikum fordert sie zu einem intensiveren, konzentrierteren Blick auf die Kunst heraus.
Diese Kinderzeichnungen nachempfundene Schwarz-Weiß-Animation (Kaffeepulver auf Glas), ist eine berührende Reflexion über den Verlust eines geliebten Menschen.
Annabelles Leben wirkt perfekt – zumindest auf Instagram. Im Social-Media-Universum punktet sie mit coolen Klamotten, stylischem Wohndekor und der besten Freundin Olivia, mit der sie sich gekonnt in Szene setzt. Mit minimalistischen Filzstiftzeichnungen und Voice-over reflektiert Dina Bukva über die Sehnsucht nach echten Gefühlen zwischen inszenierten Bildern.
Eine russische Frau und ihr 6-jähriger Sohn besuchen Schönbrunn. Statt die Sehenswürdigkeit zu erkunden, sitzen sie auf der Parkbank und schreiben Postkarten. Angesichts der Nähe der Kamera verkommt der imperiale Bombast der Anlage regelrecht zur Nebensache und findet kaum Beachtung. Beim Spielen verliert der Junge dann auch die Mutter aus den Augen. Während sie ihn verzweifelt sucht, streift er gedankenversunken durch Gewächshäuser, bis ihn langsam das beklemmende Gefühl des Verlassenseins beschleicht. Mutter und Sohn wirken seltsam isoliert von der Außenwelt, fremd, kaum beachtet. Aleksey Lapin dehnt die Erzählzeit der reduzierten Handlung in langen, oft wortlosen Einstellungen, lässt die Hitze, die Langeweile und letztlich doch auch die Größendimensionen dieses Orts spürbar werden. Vor allem aber die Dauer des anstrengenden Tages – und demonstriert damit nicht nur metaphorisch, was fortschreitende Zeit bedeutet. (Diagonale)
Ein einsamer Mann, eine Zigarette, ein Hotelkorridor – das ist das Setting einer ironischen Annäherung an den Mythos Sinatra. In I’M A STAR begegnen einander zwei verwandte Welten: Der Comicstrip FRANKIEBOY von Stefan Stratil und Peter Friedrich und die Musik von Louie Austen. Makroaufnahmen, optische Verzerrungen, Mehrfachbelichtungen bewirken eine rauschartige Atmosphäre, in der sich Frankieboys Universum Schritt für Schritt zusammenfügt. Alles kreist um die chaotischen Assoziationen des Protagonisten und die Minidramen seiner fatalen Liebe zu Ava Gardner. Dabei führt Frankieboys Widersprüchlichkeit sein unzeitgemäßes Macho-Image ad absurdum. (Viennale)
Die Begegnung eines Stückes Stoff mit einer Schere, einem Wollknäuel und einer Nadel birgt Überraschungen.