ISSUES WITH MY OTHER HALF

Auf wie viele Arten kann der menschliche Körper in zwei Teile geteilt werden? Oben und unten, links und rechts, vorne und hinten … Für jeden Teil des Körpers entwirft die Künstlerin Anna Vasof einen überraschenden, witzigen Gag aus Trennung und Umkehr, umgesetzt mit nahtlosen digitalen Effekten. Dann erweitert sie das Spiel auf die Beziehung des Körpers zu Mobiltelefonen, Pandemiemasken – allem, womit wir interagieren. Wie in all ihren Arbeiten macht Vasof das Vertraute zutiefst fremd. (Adrian Martin, IFFR)

CONNECTING IN DARKNESS. INVOKING POCAHUNTER (PART I)

Seit 2015 existiert Pocahunter als Alter Ego von Verena Melgarejo Weinandt, eine Kriegerin, die aus dem Grab zurückkehrt, um Rache für die Gewalttaten der Kolonialherren zu nehmen. Pocahunter greift in die Träume und Vorstellungen der Menschen ein und schafft Albträume, die gegen koloniales Begehren und weiße Projektionen der indigenen Bevölkerung wirken. Sie ist ein fiktiver Hybrid zwischen der wiederauferstandenen historischen Matoaka – einer Frau des Powhatan-Volkes, die entführt, an einen britischen Militärbeamten verkauft und in Pocahontas umbenannt wurde – und Disneys kolonialer Popkulturversion.

Verena Melgarejo Weinandt ist eine deutsch-bolivianische Künstlerin, Kuratorin und Forscherin. Sie studierte bildende Kunst und Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien und am Instituto Universitario Nacional de Bellas Artes Buenos Aires, Argentinien. In ihren Arbeiten thematisiert sie insbesondere koloniale und patriarchale Strukturen, um nach Wegen der individuellen und kollektiven Heilung zu suchen: Methoden dessen, was sie »arte-sana« nennt.

GUY PROPOSES TO HIS GIRLFRIEND ON A MOUNTAIN

Die Location passt, der Skianzug auch. Vor verschneiter Kulisse möchte Daniel seiner Freundin einen Heiratsantrag machen. Ein Moment für die Ewigkeit, den sein Kumpel – in einem Take gefilmt – für immer festhalten soll. Auf dass man ihn jederzeit erneut erleben kann. Ein Plan jedoch, der ohne die Freundin gemacht wurde … (Diagonale)

THE OUTLANDER

Im 16. Jahrhundert wird der Elefant Süleyman als Geschenk auf die lange Reise von Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, nach Portugal geschickt. Das Geschenk wird weiter verschenkt, und so marschiert Süleyman noch einmal fünf Monate lang auf dem beschwerlichen Weg von Lissabon über die Alpen nach Wien. Ein lebendiges, königliches Geschenk zu sein, ist keine leichte Aufgabe, da kann selbst der Tod keinen Frieden bringen. Präzise recherchiert und inhaltlich wie grafisch anspruchsvoll aufbereitet, thematisiert der Animationsfilm THE OUTLANDER das Anderssein und gewährt nebenbei Einblicke in die Verflechtungen der damaligen Königshäuser.

Special Mention im Wettbewerb für den ethnocineca Students Shorts Award (ESSA) der ethnocineca 2020.

MUSICLESS MUSICVIDEO: MICHAEL JACKSON – THE WAY YOU MAKE ME FEEL

In seinem Metier sollte man sich im Ton wirklich nicht vergreifen. Nachdem er sie um den Faktor Musik bereinigt hat, fettet der oberösterreichische Sounddesigner Mario Wienerroither Musikvideos und Serienintros mit realitätsgetreuen Szenengeräuschen wieder auf. Spaghetti, Erdnüssen und Zimmerpflanzen sei Dank. (Martin Macho)

PARIS RECYCLERS

Die Straßen von Paris werden von lustigen Müllmonstern heimgesucht. Zu den Geräuschen der Großstadt tänzeln die Recycling-Kreaturen über die Leinwand.

NACHSAISON

Nachsaison – das ist die Ruhe, die auf die pralle Energie des Sommers folgt. Einem älteren Ehepaar scheint die Zuneigung abhanden gekommen zu sein. Als die beiden eines Tages am Strand einschlafen, geschieht etwas Unglaubliches, das ihre Liebe neu entfacht.

MENSTRUELLA

Menstruella ist eine Superheldin, die mit ihren ganz eigenen Waffen gegen Ungerechtigkeit an Frauen kämpft. Minimalistische Animation mit Anleihen sowohl aus dem Stummfilm als auch dem Superheld*innenfilm, die den Publikumspreis des One Day Animation Festival 2015 ganz klar für sich entschied.

TROPFENFILM

Am Anfang war der Tropfen. Warum ist der Tropfen traurig? Liegt es nicht in der Natur des Tropfens, traurig zu sein? Und gegen die Natur kann man nichts machen, oder?

NOEMA

»In der Nacht, wenn ich manchmal ein paar Stunden wach bin, dann sehe ich so viel. Ich mach‘ oft die Augen zu, auch am Tag, um zu sehen was ich inwendig sehe.« (Tatjana Gamerith)

Die 93-jährige Malerin Tatjana Gamerith verliert langsam ihr Augenlicht. Ihre Linienführung verläuft nun intuitiv und mehr aus der routinierten Hand als über das Sehen, da sie ihren Blick nicht mehr auf einen Punkt konzentrieren kann. Blicke werden zu Berührungspunkten, wenn die Kamera Gesten der Malerin einfängt. NOEMA spielt mit Wirklichkeitsvorstellungen und markiert Sinneseindrücke. Grenzen des Abbildbaren und des Imaginären werden dabei unscharf gezeichnet und verschwimmen. Die Brüchigkeit von Realität und Zeit wird spürbar.

Christiana Perschon wurde für ihr einfühlsames und visuell bestechendes Dokuporträt 2014 auf dem Kurzfilmfestival Vienna Independent Shorts mit gleich drei Auszeichnungen geehrt: dem Wiener Kurzfilmpreis für den besten österreichischen Film, dem Preis der Jugendjury und dem Publikumspreis. 2017 wurde NOEMA mit dem Publikumspreis von dotdotdot ausgezeichnet.