LIST DO POLSKI

Ausgelöst durch die hohe Anzahl polnischer Migrant*innen in Brüssel, hinterfrage ich in diesem Kurzfilm meine Identität und schreibe einen Brief an mein polnisches Alter Ego. LIST DO POLSKI ist eine Reise zurück in die Kindheit, nach Polen, und die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Was wäre, wenn wir nie ausgewandert wären? (Jola Wieczorek)

DAS ERSTE UND DAS LETZTE MAL

Mehrere Wochen begleitet Rafael Haider vierzig Lehrlinge einer Supermarktkette, die in einem Ausbildungsprojekt das Theaterstück »Romeo und Julia« erarbeiten. Der Film folgt den Wendungen zwischenmenschlicher Dynamiken im Rahmen der Proben und zeichnet ein aktuelles und ungewohnt offenherziges Bild junger Lebensrealitäten. (Diagonale)

INGRID

»Ich will schon, dass du mich willst, aber dann will ich’s auch wieder nicht.« Zwei Frauen Mitte 30. Noch bis gestern waren sie ein Paar, das gewisse Prickeln liegt noch in der Luft. Am Abend wird Michi in den Zug nach Barcelona steigen – auch wenn sie sich schon zu alt für ihren Trampingrucksack fühlt. Ob Patricia mitkommt? Vieles ist möglich, nichts entschieden. Bis zum Abend bleibt noch genügend Zeit zum Streiten, für Alltag und Komplimente. Ein Nachmittag voll Dialog in sanftem Schwarzweiß. (Diagonale)

Mit ihren langjährigen Kollaborateurinnen Pia Hierzegger und Vanessa Stern in den Hauptrollen inszeniert Marie Kreutzer (DIE VATERLOSEN, GRUBER GEHT, WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT) diese Hommage an eine der eindringlichsten Szenen aus Jean-Luc Godards AUSSER ATEM.

RADETZKYPLATZ

»Sehr geehrte Fahrgäste! Verkehrsbedingt kommt es auf der Straßenbahnlinie O zu etwas längeren Wartezeiten. Wir bitten um ihr Verständnis …« Drei Personen warten vergeblich auf den O. Doch es kommt immer nur ein Wagen der Linie N. Nach einem Dramolett von Antonio Fian.

RAKISQUAD: KARANTINA

Quarantäne wie E.T.: Rakisquad, ein Künstlerkollektiv der Akademie der bildenden Künste in Wien, das in vielen verschiedenen Medien von Malerei und Grafik bis hin zu Musik und 3D-Animation arbeitet, weiß sich während des Lockdowns zu beschäftigen.

PLUM CIRCUS

Im siebten Teil ihrer Adaption der »Traumnovelle« setzt Katrina Daschner die Beziehung des Schnitzler’schen Liebespaars ins Scheinwerferlicht einer Zirkusmanege. Die groteske Show mit fratzenhaften Clowns, bunten Kostümen, einer aggressiven Wildkatze und blutiger Selbstverstümmelung ist eine Arena der zuckersüßen Verlockungen, Maskeraden und Machtspiele. Die bürgerliche Ehe: ein seiltänzerischer Kraftakt. (Diagonale)

ECHOES OF GRIEF

Eine tiefgreifende Verlusterfahrung sendet die Filmemacherin auf eine Reise durch fantastische Welten, die zwischen Licht und Schatten, Vergangenheit und Gegenwart, Kummer und Trost oszillieren. Gesäumt von Erinnerungen an das Unwiederbringliche leuchtet ein schwacher Schimmer den sich ständig verändernden Weg aus der Dunkelheit.

VIENNA X

Ausgehend von dem Song »Vienna« von Billy Joel, der im Film auf einem Oud (arabische Laute) neuinterpretiert wird, kreiert und animiert die in Wien lebenden Illustratorin Marwa Yasin ein digitales Abbild des Reumannplatzes – ein Ort, der mit vielen negativen Stereotypen belegt ist, aber für viele Menschen eine ganz andere Bedeutung hat.

KURZES LEBEN

KURZES LEBEN ist ein gezeichneter Film. Jede der Zeichnungen ist komplex und fein gearbeitet, ein kleines Meisterwerk. In der Folge ergeben sich überraschende Perspektivenverschiebungen, Metamorphosen und Lichtsituationswechsel, die von einem Zustand in den anderen hineinfinden, im Einklang mit der psychologischen Bewegung im Film. (…) Ein Sterntaler-Mädchen kristallisiert sich, ein fragiles Wesen, fast nackt, getrieben von Sehnsucht und Neugier auf Liebe und auf Leben. Und sie findet die Liebe, lächelt erlöst und schelmisch beim Anblick der sich kreuzenden Strahlen der beiden Liebenden. Gleich darauf wird sie abrupt vom Geliebten verlassen. (Mara Mattuschka)

Immer wieder einmal beteiligt sich die Schauspielerin und Sängerin Meret Becker an delikaten Kunstprojekten. Ausschlaggebend für ihre Mitwirkung bei der Verfilmung eines Comics der Maria-Lassnig-Schülerin Johanna Freise seien die Sexszenen gewesen. Die sind auch einprägsam: Die ruckeligen Bilder zeigen ein heftiges Boy-Meets-Girl in verschiedenen Stellungen. Ebenso stark aber dürfte Becker, die der Hauptfigur ihre Stimme leiht, sich angesprochen gefühlt haben von der melancholisch-fantastischen Stimmung des Films KURZES LEBEN, den Johanna Freise mit Daniel Šuljić nach dem gleichnamigen Comic produzierte. Bei aller düsteren Poesie fehlt nicht ein Schuss Sarkasmus: »Ich sitze im schlecht gezeichneten Bus und denke über den Tod nach«, beobachtet das Mädchen. (DER STANDARD)

MUSICLESS MUSICVIDEO: SINGIN‘ IN THE RAIN (WITHOUT SINGING)

In seinem Metier sollte man sich im Ton wirklich nicht vergreifen. Nachdem er sie um den Faktor Musik bereinigt hat, fettet der oberösterreichische Sounddesigner Mario Wienerroither Musikvideos und Serienintros mit realitätsgetreuen Szenengeräuschen wieder auf. Spaghetti, Erdnüssen und Zimmerpflanzen sei Dank. (Martin Macho)