TATIMO

Das Filmmonster TaTiMo erschreckt täglich Leute im Kino. Doch auch diese Aufgabe wird irgendwann fad. TaTiMo reißt aus seinem Film aus, um jemanden zum Spielen zu finden.

CEROLAX II

In CEROLAX II, einer Werbe-Persiflage Marke Mara Mattuschka, Realtrick in Schwarzweiß, bewirbt der Star Mimi Minus ein neues klebrig-schwarzes Gehirnspülmittel, das M. M. erst auf ihr Spiegelbild anwendet, um eine Gehirnhälfte reinzuwaschen, und das sie in der Folge auf ihren Körper aufträgt: Sie besprüht alle Zeich(nung)en, ersetzt diese Flecken durch die neue Farbe, verklebt dann mit dem Wundermittel ihre Sinne: erst die Scham, dann die Achseln, schließlich Augen, Mund und Ohren. Am Ende setzt die leicht devastierte und solchermaßen gereinigte Hausfrau eine Perücke auf und richtet ihren Blick prüfend in den Kamera-Spiegel. (Christa Blümlinger)

CHEZ NICOLE

Viki Kühn möchte mit ihren Filmen vor allem eines: berühren. Das gelang ihr mit FRIEDL (2011), und es gelingt ihr auch mit diesem schön gestalteten Porträt der als Lionel geborenen Französin Nicole, Mutter von vier Töchtern. Sie hat viel erlebt und noch mehr durchgemacht, nach dem Wechsel ihres Geschlechts mit fast 70 Jahren wurde sie Tänzerin, Kunsthandwerkerin und Fotomodell. Kühn kommt ihrer Protagonistin respektvoll nahe (etwa bei der Kleider-Anprobe oder vor dem Schminkspiegel) und zeigt sie beim Tänzeln in der eigenen Wohnung, während Nicole auf der Tonspur offen aus ihrem Leben erzählt. (Viennale)

TWELVE TALES TOLD

Es beginnt, wie so oft im Kino, mit der Logoanimation eines Hollywoodstudios. Nur ist es im gegebenen Fall eine Dutzendschaft, eine visuelle Stampede der Entertainmentriesen. Märchenschloss, Weltkugel und Brülllöwe geraten in der streng getakteten Montage als austauschbare Oberflächen aneinander und führen jegliche Logologik ad absurdum. Lustbetonte Subversion mit bombastischem Schauwert. (Diagonale)

PACO

Während des Wartens auf den Zug wird der Hase Paco von quälenden Gedanken geplagt.

EDGE OF DOOM

Eine kurze Folge von Split Screens versammelt Frauen in Ausnahmezuständen: aufgerissene Augen, hochgeworfene Arme, Schreie, eckige Augenbrauen, fassungslose Münder, liegend laufend stehend aufspringend. Emotionale Extremmomente, gesucht und gefunden in Stummfilmen der 1920er Jahre. Wut, Empörung, Schmerz, Schrecken, Angst und Abscheu: ein Kaleidoskop prototypischer Affekt-Gesten, freigelegt von allen narrativen Zusammenhängen. Die Emotionspaare verstärken sich gegenseitig oder reiben sich aneinander. Das Musikstück von Sophie Trudeau, zu dem Michaela Grill ihre Fundstücke wie ein Musikvideo geschnitten hat, stammt aus der Serie der »Confinement Songs«, aufgenommen zu Beginn des pandemiebedingten Lockdowns. (Madeleine Bernstorff)

SPOT: BEST AUSTRIAN ANIMATION FESTIVAL 2024

FIJUKA: BEHAVE (FROM NOW ON)

Rhönräder und Cheerleader, angeleitet von zwei Zirkusdirektorinnen im Glitzeroutfit: Der Grazer Filmemacher Florian Pochlatko beschert dem Pop-Dance-Duo Fijuka mit dem Musikvideo für die erste Single BEHAVE eine maßgeschneiderte Ästhetik. Just be yourself, I’ve got it all covered!

MINOR BORDER

Ein Bagger demontiert einen Grenzübergang. Der Abbau der traditionellen Grenzanlagen zwischen Österreich und Ungarn macht gleichzeitig die neue, unsichtbare Abschottungslinie erfahrbar. Während sich im Bild die Balken biegen, entspinnt sich im Off ein Gedankenaustausch über die vermeintliche Bewegungsfreiheit in Zeiten von Schengen. Lisbeth Kovacic findet in ihrem auf der Diagonale 2015 mit dem Preis für den besten Kurzdokumentarfilm ausgezeichneten Film MINOR BORDER Bilder und Töne für diese Nicht-Orte und hinterfragt das europäische Grenzregime und seine dahinterliegende Politik.

MANGA TRAIN

Sumo, Sushi, Surround Sound. Bilder und Töne, gesehen und gehört in Tokio, Osaka, Hakodate und Kyoto, aufgenommen in Zügen und Gärten, auf der Straße und im Regen. Alltägliche Momente, deren akute Schönheit nur zu entdecken vermag, wer, in den Worten von Walter Benjamin, mit der geschärften Wahrnehmung des Flaneurs die Bilder sucht »wo immer sie hausen«. Das diverse Bildmaterial seines Films organisiert Manfred Neuwirth fast ausschließlich über die Tonspur – Lautsprecherdurchsagen, das Klappern von Pachinko-Kugeln, gedämpfte Stimmen, Musik aus Transistorradios oder das unablässige Donnern des Verkehrs auf einer nahen Schnellstraße – zu einem persönlichen filmischen Album: „Ein Album zum Durchblättern. Meine Assoziation zu Japan: Mit dem Herzen staunen.“