BLAUGEPUNKTET
Das kleine Mädchen wollte eigentlich nur in ihrem Buch schmökern, doch der Rhythmus packt sie und will sie einfach nicht loslassen. Sie tanzt durch die Wohnung – und reißt die ganze Familie mit ihrem Stepptanz mit.
Das kleine Mädchen wollte eigentlich nur in ihrem Buch schmökern, doch der Rhythmus packt sie und will sie einfach nicht loslassen. Sie tanzt durch die Wohnung – und reißt die ganze Familie mit ihrem Stepptanz mit.
1998 lebte Barbara Hammer während einer Residency einen Monat lang in einer abgelegenen Dünenhütte ohne fließendes Wasser und Strom, wo sie filmte, Klangaufnahmen machte und ein Tagebuch führte. Zehn Jahre später, 2018, wurde bei Barbara Hammer Krebs diagnostiziert. Sie begann ihren eigenen Prozess des Sterbens und übergab das entstandene Material an eine langjährige Freundin, die Filmemacherin Lynne Sachs. A MONTH OF SINGLE FRAMES ist eine filmische Meditation über das Altern und das Ende, »die vollkommene und völlige Leere«, wie Hammer aus ihren Notizen vorliest: »Ist das der Grund, warum wir so beschäftigt sind, fragte sie sich, / damit wir keine Zeit haben, um nachzudenken / über das herzzerreißende Ende dieser Weite namens Welt?«
Jesse McLean lässt in ihrem experimentellen Porträt einer jungen Schauspielerin, die sich darauf spezialisiert hat aufgrund ihrer verblüffenden Ähnlichkeit als Body Double und Stand-In einer berühmten Hollywood-Schauspielerin zu arbeiten, hinter die Kulissen der Traumfabrik blicken. Was ist real, was nicht? Jesse McLean zählt zu jenen Künstler*innen, die zu einem Gutteil mit Material arbeiten, das aus anderen Medien übernommen ist: Spielfilme, Popsongs, Fernsehsendungen, Buchzitate oder allerlei »Treibgut« aus dem Internet. So ist auch hier die Musik popkulturelles Allgemeingut: »I’ll Be Your Mirror« von The Velvet Underground.
Ein Geschäftsmann im grauen Anzug, versunken in seinen Stuhl in einer verlassenen Hotellobby: das Auftaktschweigen vor Fatboy Slims WEAPON OF CHOICE. Für das genialisch-entfesselte Musikvideo, das Christopher Walken im Rückgriff auf seine tänzerische Broadway-Vergangenheit von aller Schwerkraft befreit, hatte Jonze den Schauspieler erst nach einem langen Telefongespräch gewinnen können: »He said: I’m 57 years old. I don’t know when I’m going to get a chance to do this again. Let’s do it!« (Viennale)
Facial Weaponization Suite, work in progress des US-amerikanischen Künstlers und Kurators Zach Blas, protestiert gegen biometrische Gesichtserkennung und die Ungleichheiten, die diese Technologie propagiert, indem es »kollektive Masken« in Workshops herstellt, die aus den vereinten Gesichtserkennungsdaten der Teilnehmer*innen angefertigt werden. Die amorphen Masken, die nicht mehr als menschliche Gesichter identfiziert werden können, werden bei öffentlichen Interventionen und Performances eingesetzt. Das Gesicht wird Objekt und (Selbstverteidigungs-)Waffe. Neben der neonpinken Fag-Face-Maske, die sich mit Homosexualität auseinandersetzt, existieren bisher auch eine schwarze Maske und eine blaue Maske, die Rassismus und feministische Theorie thematisieren.
Alltägliche Dinge landen im Kochtopf und werden zu köstlichen Zutaten für Spaghetti einer ganz besonderen Art.
Wir schreiben das Jahr 1991. Teenager Pam hat große Lust, zum ersten Mal Sex zu haben, und gibt sich alle Mühe, das Vorhaben binnen eines Jahres umzusetzen. Die Auswahl an potentiellen Partnern ist groß – Goths, Skater, Indie-Film-Snobs, Straight-Edge-Poseure –, aber die Anbahnungen verlaufen eher enttäuschend. Zum Glück gibt es dann noch den besten Freund an ihrer Seite, die sie davor bewahren will, verletzt zu werden. Basierend auf der Autobiografie von Pamela Ribon »Notes to Boys: And Other Things I Shouldn’t Share in Public«, ist MY YEAR OF DICKS vor allem für jene, die damals dabeigewesen sind, ein stimmungsvoller Trip zurück in die 1990er. Ein Großteil des Films wurde im Cel-Shading-Verfahren mit echten Schauspieler*innen erstellt, die auch die Synchronisation übernahmen. Regisseurin Sara Gunnarsdóttir lud mehrere Animationskünstler*innen ein, die jeder der fünf kurzweiligen Episoden ihren eigenen Stil verliehen. 2023 wurde MY YEAR OF DICKS in der Kategorie für den Oscar nominiert.
Die Geschichte von Chelsea Manning (früher bekannt als Private First Class Bradley Manning der US-Armee), gerade mal 25 Jahre alt – jedoch nicht als Wikileaks-Hacktivist*in, sondern als Soldat*in in einem fragwürdigen Krieg und als Mensch in einer Identitäts- und Gewissenskrise auf mehreren Ebenen. Adam Butchers Animationsfilm verwendet ausschließlich Originaldialoge aus Instant-Messenger-Konversationen zwischen Manning und dem Hacker und Enthüllungsjournalisten Adrian Lamo und zeigt eine andere Seite im großen Enthüllungsskandal. Es geht um große Sinnkrisen und -fragen, persönliche und nationale Geheimnisse, Verantwortung und Moral, aber auch die Entmenschlichung sowie Entkörperung von digital geführten Kriegen. BRADLEY MANNING HAD SECRETS entwirft mittels präzise gewählten Dialogpassagen – in der abstrakten Darstellung der animierten Roto-Pixel-Welt – ein mitfühlendes, menschliches Porträt. Der Film stellt Manning nicht als unehrenhaft entlassene*n (und später verurteilte*n) Soldat*in und Verräter*in dar, sondern als Individuum in einer Geschlechts- und Identitätskrise, dessen größte Furcht war, nicht geliebt zu werden. (identities Queer Film Festival)
Die US-amerikanische Soulsängerin Shea Diamond engagiert sich stark für die Gleichstellung und Sichtbarkeit von Transgender-Personen in der Gesellschaft und inspiriert mit der bewegten Geschichte ihres Lebens. Nach einem bewaffneten Überfall, mit dem sie im Alter von 20 Jahren hoffte geschlechtsangleichende Operationen zu finanzieren, war Shea Diamond über einen Zeitraum von 10 Jahren inhaftiert – in Justizanstalten für Männer. In dieser Zeit entdeckte sie die Kraft ihrer Stimme und erzählt ihre Geschichte seitdem unter anderem in ihren Songs, wie im hymnischen I AM HER. Bereits bei der Festivaleröffnung von dotdotdot 2017 durften wir Shea Diamond aus ihrem Leben erzählen hören: Sie war eine der Protagonist*innen in Pamela Romanowskys Stadtporträt der Vielfalt WATCHING YOU, WATCHING ME.
Eines Abends am Küchentisch fragt sie ihre Mutter um Rat. »Du brauchst keinen Rat, du bist schon klug genug«, antwortet diese. Zart wie in einer Skizze verweben sich die Erinnerungen an eine vergangene Liebe mit der Sehnsucht nach ihr. In ihrem Kurzfilm erzählt Livia Huang auf einfühlsame Weise von einem Mutter-und-Tochter-Verhältnis und wie unterschiedlich die Definition von Glück sein kann.