BAD ROMANCE: WOMEN’S SUFFRAGE

Gelungene Parodie auf Lady Gagas 2009 erschienenen Hit BAD ROMANCE über die Suffragetten-Bewegung in den USA als Tribute an Alice Paul und die Mitglieder der National Women’s Party. Aus Urheber*innenrechtsgründen mehrfach von YouTube verbannt – im Geschichtsunterricht US-amerikanischer High Schools geschätzt.

CHAPPELL ROAN: CASUAL

Mit dem Release ihres Songs »Casual« ging die zuvor international unbekannte US-amerikanische Sängerin und Songwriterin Chappell Roan im Oktober 2022 über Nacht viral. Geschickt formulierte explizite Lyrics über eine Situationship zwischen Liebenden mit unvereinbaren Wünschen und eine eingängige Komposition servieren einen bittersüßen Stimmungscocktail aus Weltschmerz, Traurigkeit, Sehnsucht, Langeweile, Groll und Lust. Chappell Roan traf damit einen Nerv. Wer hat sich nicht schon einmal mehr von einer Beziehung erhofft und versucht, gelassen damit umzugehen? Im März 2023 wurde das Video zum Song nachgereicht, später wurde »Casual« Teil von Chappell Roans Debütalbum »The Rise and Fall of a Midwest Princess« – die Geburtsstunde einer neuen, queeren Pop-Ikone.

NICK WATERHOUSE: RAINA

Ein Spaziergang und ein Frühstück, ein Jahr später. Damian Gomez and Jillian Meyers tanzen eine bittersüße Liebesgeschichte in zwei miteinander verwobenen Akten.

PAUL AND TINA’S SIGNALONG: SHAKE IT OFF

Sorgen abschütteln, Blicke abschütteln, abtanzen. Taylor Swifts Dancefloor-Dauerbrenner »Shake It Off« aus dem Jahr 2014 war in den vergangenen Jahren vor allem wegen Copyright-Klagen in den Medien. Aber auch originelle Reenactments des Musikvideos haben die Sozialen Medien im Sturm erobert, wie z.B. die von den Bewohner*innen eines neuseeländischen Senior*innenheims getanzte Version (Empfehlung!). Auch diese Version hier dürfte selbst die nicht eingeschworenen »Swifties« begeistern: Tina und Paul Sirimarco covern auf ihrem YouTube-Kanal bekannte Hits in Gebärdensprache (ASL). »Sign-along« statt »Sing-along« ist Musik zum Sehen, macht auf unwiderstehliche Art und Weise Lust zu tanzen und ist ein erfrischender Boost für die Sichtbarkeit von Gebärdensprachen in Alltag und Popkultur.

THE SPEECH

Mai 2003, Peking. Unter dem Druck der WHO muss die chinesische Regierung verkünden, dass der SARS-Ausbruch real ist. Die Stadt wird in einen Lockdown versetzt. In einem privaten Internat versuchen drei achtjährige Mädchen die verstörenden Ereignisse zu verstehen. Und das ist noch nicht einmal das Schlimmste: Die Vorbereitungen für einen großen Auftritt stehen an. Mit allen Mitteln versuchen die Lehrer*innen »Normalität« aufrechtzuerhalten.

OK GO: THIS TOO SHALL PASS

»OK Go is a band. They like to make stuff.« Ein Spielzeugauto, ein kleiner Ruck, eine Reihe Dominos – mit Schwung nimmt die Reise in diesem fetzigen Musikvideo ihren Lauf.

MISS EAVES: HUMP DAY

»I made your new masturbation soundtrack«. Miss Eaves (siehe auch THUNDER THIGHS) räkelt sich im Pussy-Hoodie vor einer Wand mit Origami-Vulven, lässt fröhlich pinke Wasserballons platzen und holt sich dabei wieder Verstärkung von einer Frauengang in dieser herrlichen Electro-Bass-Hymne an den Selbstgenuss. »I really want to offer a counterpoint to the popular notion that women have to look or behave a certain way to feel sexually empowered«, so Shanthony Exum, die unter ihrem Künstlerinnennamen Miss Eaves performt.

WATCHING YOU, WATCHING ME

»For me, each step I take, each move I make, I know I’m being watched. So I’m gonna be fierce with every step.« (Shea Diamond) – In faszinierenden Schwarzweiß-Porträts anonymer Gesichter im Getümmel der Metropole New York entwirft Pamela Romanowsky eine cineastische Kontemplation über Wahrnehmung, Sichtbarkeit und eingeschriebene Vorurteile. Was bedeutet es, jemanden wirklich zu sehen?

CHILDISH GAMBINO: FEELS LIKE SUMMER

Allround-Talent Donald Glover, der unter seinem Alias Childish Gambino Musik veröffentlicht, gelingt es hier, harte Realität in einen träumerischen R’n’B-Sommerhit zu verpacken. Im animierten Video zum Song schlendert Gambino die Straße entlang, während zahlreiche bekannte PoC seinen Weg kreuzen und den Sommer auf der Straße spielend genießen. Eine angenehme Gelassenheit liegt über der Szenerie – wenn die Sonne nicht unerbittlich vom Himmel brennen und ihr eine apokalyptische Färbung verpassen würde: »Every day gets hotter than the one before / Running out of water, it’s about to go down.«

CET AIR LÀ

April March und Julien Gasc performen in New York a capella »Cet air la«, einen berühmten französischer Song aus dem Jahr 1963 (bekannt vor allem durch die Interpretation von France Gall). Dabei fliegen sie gleichzeitig durch eine Welt von Wolken, Vögeln, Blasen, Nebelmaschinen und Glitzer. Marie Losier und ein 16mm-Projektor machen’s möglich und verleihen dem Song eine traumhafte Textur.