AMBITION

Ein Tag im Leben eines jungen Künstlers, der sich nach beruflichem Erfolg und Wertschätzung sehnt, aber nur auf Frust und Gewalt stößt. Auf höchst eigenwillige Weise kreisen die intelligenten Filme des US-amerikanischen Independent-Regisseurs Hal Hartley immer wieder um die Themen Liebe und Vertrauen, Sehnsucht nach Geborgenheit und Angst vor Enttäuschung. Hartley etablierte sich in den 1990er Jahren als einer der wichtigsten Vertreter des jungen unabhängigen Autor*innenfilms in den USA.

ONCE UPON A SCREEN: EXPLOSIVE PARADOX

Eine Kindheitserinnerung wird an die schattige Wand eines ehemaligen Kinos projiziert. In seinem Videoessay erzählt der Filmemacher und Filmkritiker Kevin B. Lee von der Erfahrung Oliver Stones »Platoon« zu sehen – und der Tatsache, dass sein Vater einen anderen »Platoon« gesehen hat, obwohl sie denselben »Platoon« gesehen haben. Auch seine Mitschüler haben einen anderen Film gesehen. Licht fällt durch Blätter und auf den Screen des iPads. Ein Essay über die Verquickung von Gegenwart und Vergangenheit, die sich wandelt wie ein Film, dessen Montage kontinuierlich verändert wird.

JAMMERS

Die unfreiwillig unangepassten »Jammers« Danny, Jeremy und Carol strudeln durch die Wirren der Pubertät und ecken regelmäßig bei den Highschool-Prinzessinnen »Tinas« an. Konkretes Problem: der bevorstehende Schulball. Derb-rotziger Humor kennzeichnet den Stil von Lizz Hickeys auf dem gleichnamigen Comic basierende Pilotfolge für eine TV-Serie auf Cartoon Network. Die Rolle der Cartoon-Heldin Carol spricht Hickey übrigens selbst.

SKIP DAY

Die Filmemacher*innen Ivete Lucas und Patrick Bresnan begleiten eine Gruppe afroamerikanischer High-School-Schüler*innen aus der kleinen Industriestadt Pahokee in Florida, die ihren »Skip Day« an der Küste verbringen. Am Tag nach dem Abschlussball wird traditionell geschwänzt, die ausgelassene Fahrt ist ein Übergangsritus zwischen Jugend und Erwachsensein, die ungewisse Zukunft vor ihnen. Wen wird es wohin verschlagen, welche Freund*innenschaften werden halten, welche im Sand verlaufen? Das nächste Level steht an, aber nicht heute. Wie ganz nebenbei erzählt SKIP DAY auch eine Geschichte von alltäglicher Diskriminierung, die unter die Haut geht.

DRONE BONING

Drone porn is a thing now! Ob Full-HD, Blu-ray, 3D, 4K, Google Glass oder Virtual Reality: Die Porno-Industrie zählt stets zu den Pionier*innen, wenn es neue Technologien für die eigenen Zwecke zu erproben gilt. DRONE BONING der beiden New Yorker Videokünstler Brandon LaGanke und John Carlucci aka GHOST+COW FILMS ist jedoch nicht als klassischer Pornofilm zu verstehen. Der erste Drohnen-Porno bietet mehr kritische als herkömmlich pornografische Inhalte. Nackte Menschen in schönen Landschaften bilden den Untergrund, auf dem das Musikvideo einen humorvollen Kommentar über Privatsphäre, Voyeurismus und Drohnenangriffe serviert.

A BRIEF HISTORY OF JOHN BALDESSARI

In rasantem Stakkato durch ein ganzes Künstlerleben: A BRIEF HISTORY OF JOHN BALDESSARI über den »Godfather of Conceptual Art« bricht mit der gängigen Kunstdokumentarfilm-Methode, inhaltsleere Bilder unter schweren Off-Text zu packen und greift spielerisch Baldessaris Obsession für Alltagsgegenstände auf. In halsbrecherischem Tempo erzählt Tom Waits in nur 6 Minuten eine spannende Lebens- und Kunstgeschichte.

MORE WOMEN LEADERS NEEDED EVERYWHERE

Filmemacherin und Aktivistin Kirthi Nath zelebriert in ihrem kurzen Video die Rolle von Frauen für gesellschaftlichen Wandel. Beim Oakland Women’s March wurden die Teilnehmer*innen befragt: »What kind of women do you you want to see in leadership? What are the values you want to see reflected? How can we be the ones we have been waiting for?«

»As the value of women’s leadership and voices come to a forefront, it is also important to look deeper than gender and explore women’s rights and leadership from intersectional, values-based, multi-generational and multi-racial perspectives. This film was birthed from the intention to participate in current day movements and center voices and perspectives usually left on the margins, if included at all. I also beleive that we ALL are the leaders we have been waiting for. For radical transformation and change, we all need to show up.« (Kirthi Nath)

AMANDA PALMER & THE YOUNG PUNX W/ PEACHES: MAP OF TASMANIA (MUSIC VIDEO REMIX)

Amanda Palmer und Peaches ziehen die Röcke hoch und entblößen stolz ihre Vulven als Blumenstrauß oder mit Lockenwicklern oder ganz rot gefärbt oder als Bild der Oma, machen Lust sich nicht dem genitalen Schönheits- und Rasurzwang unterzuordnen, sondern kreativ zu werden. Dazu ein guter Beat und schöne Bilder. »I wanna let people dance to my message«, sagte Amanda Palmer einmal – und beides, Tanzbarkeit und Message, gelingt hier ganz hervorragend. Das Musikvideo zu MAP OF TASMANIA wurde im Oktober 2011 in Berlin mit dem PorYes – Feminist Porn Award ausgezeichnet.

MISS EAVES: THUNDER THIGHS

Miss Eaves ist als »sound storm« inkarniertes Alter Ego der in Brooklyn lebenden Künstlerin Shanthony Exum. Ihr Sommerhit 2017 trifft einen Nerv: Er bricht mit den im Rap üblichen (Sprach-)Bildern von Frauen und knüpft damit an die Körper-Debatten an, die mittlerweile in der Werbung angekommen sind. Mit Selbstverständlichkeit nehmen sich die Rapperin und ihre wunderschönen Frauen die Straßen: »Thick thighs, sundress, I’m looking good!« Für Shanthony Exum ist es nicht das erste Projekt, bei dem sie sich für mehr Sichtbarkeit unterschiedlicher Körpertypen einsetzt. Sehr empfehlenswert ist auch ein Besuch auf ihrer Instagram-Seite The Every Body Project.

[CLOSER CAPTIONS]

Die in Berlin lebende gehörlose Künstlerin Christine Sun Kim macht sich viele Gedanken über Untertitel. Und stellt die Hörenden vor eine schonungslose Tatsache: Aus Perspektive einer Gehörlosen sind die meisten Untertitel … ziemlich bescheiden. Wie könnte das Problem gelöst werden? Christine Sun Kim schlägt in ihrer humorvollen Videoarbeit für das Pop-Up Magazine eine literarische Alternative vor. Keine Angst vor atmosphärischen Umschreibungen!