TINTENKILLER

»Hier ist ein Toter. Steinweg 7. Vermutlich Gewalt.« Ein Mord und dessen Aufklärung durch die Kriminalermittler*innen. Wäre es doch bloß so einfach. – 2010 feierte die Fernsehserie »Tatort« ihren 40. Geburtstag: Keine andere Produktion hat ein Genre so geprägt und ist über einen so langen Zeitraum Inbegriff deutscher Populärkultur gewesen. Veronika Schuberts Found-Footage-Animation TINTENKILLER schöpft aus diesem reichen Reservoir. Phrasen werden aus dem Zusammenhang gerissen, wiederholt und entstellt. Die konsequente Reduktion der Kommunikation erfährt durch die mit Tinte und Löschstift verfremdete Bildebene ihr visuelles Äquivalent.

IN TRANSIT

In der Hochsaison kann die Wartezeit vor dem Eingang der Uffizien in Florenz bis zu vier Stunden betragen. Nur sechs Sekunden jedoch verharrt der/die durchschnittliche Museumsbesucher*in vor einem Bild – so die Ausgangshypothese von Reinhold Bidners Studie über das Verhalten von Menschen im Museum des 21. Jahrhunderts. Ihr Publikum fordert sie zu einem intensiveren, konzentrierteren Blick auf die Kunst heraus.

ICH KANN ES MIR SEHR GUT VORSTELLEN

Diese Kinderzeichnungen nachempfundene Schwarz-Weiß-Animation (Kaffeepulver auf Glas), ist eine berührende Reflexion über den Verlust eines geliebten Menschen.

BRICKS DON’T MOVE IN THE WIND

Annabelles Leben wirkt perfekt – zumindest auf Instagram. Im Social-Media-Universum punktet sie mit coolen Klamotten, stylischem Wohndekor und der besten Freundin Olivia, mit der sie sich gekonnt in Szene setzt. Mit minimalistischen Filzstiftzeichnungen und Voice-over reflektiert Dina Bukva über die Sehnsucht nach echten Gefühlen zwischen inszenierten Bildern.

SCHNEEMANN

Es ist Sommer, es ist heiß, und eigentlich hat Antonia nichts zu tun, außer Tschick rauchend im Bett rumzuhängen und das Zimmer der Mitbewohnerin zu durchstöbern. Vom Vater kehrt sie mit einer geschnitzten Doppelgängerin zurück, einsam bleibt sie trotzdem, die ersehnte Geborgenheit vom Liebhaber erweist sich als enttäuschte Illusion. Nichts ist beständig, alles flüchtig, und manchmal will man einfach nur zurück in Mamas Bauch. (Cinema Next)

NABELFABEL

In NABELFABEL verpasst sich Mara Mattuschka durch etliche Strumpfhosen hindurch eine zweite Geburt. Ihr Körper kriecht derart deformiert und angestrengt aus den Nylonschichten, daß der schiere Überlebenskampf sichtbar wird. (Peter Tscherkassky)

MUTTER VON MUTTER

»Familiäre Wärme, wie sehnte ich mich eigentlich danach.« Großmutter, Mutter, Tochter – verkörpert von einer Person, der Mutter der Filmemacherin, die in einem beschwerlichen und schmerzlichen Prozess Familienarchäologie betreibt. Lückenhafte Erinnerungen und selbstreflexive Gedanken, ein Brief der verstorbenen Großmutter, vorgelesen aus dem Off: All dies ergibt ein schemenhaftes Bild dreier Generationen von Frauen, die sich nicht wirklich kennen, deren Verhältnis von Berührungsängsten, Trennung und Abwesenheit bestimmt ist. Ein Gefühl, dem auch bildlich Ausdruck verliehen wird: Sachlich und doch intim kadrierte Rückenfiguren, gegenständliche Details, Hände und Gewebe, die metaphorisch zerschnitten und zusammengenäht werden, wie es die Filmemacherin mit den Fäden ihrer Vergangenheit unternimmt. (Diagonale)

ES L(I)EBE DER TOD

Der Tod verliebt sich Hals über Kopf in das Leben, das ihn anfangs jedoch – eitel, wie es ist – abweist. Der Tod gibt sich jedoch nicht so leicht geschlagen.

TRASHY RAUSGEPUSTET

Die Frage einer Redakteurin an den Animationsfilmer, wie er seinen Film am Computer gemacht hat, wird von ihm ausgiebig und lehrreich beantwortet – kongenial getextet und interpretiert vom deutschen Maler und Filmemacher Jochen Kuhn, während Hubert Sielecki in die Haut des Befragten schlüpft. Laut Wittgenstein liegt ein Sprachspiel dann vor, wenn ein Sprecher seine Sprache zur Privatsache macht. Externe oder andere sollen gar nicht verstehen, was gemeint ist. Selten ist die »elaborierte Sprache von vermeintlich hippen Insidern« so gekonnt persifliert worden wie in TRASHY RAUSGEPUSTET. Aus der fünfteiligen Serie GLAUBWÜRDIGE TEXTE.

12 THINGS OF COVID (ÖGS)

Fünf! Verschiedene!! Masken!!! Zu Weihnachten 2020 veröffentlichte der US-amerikanische Schauspieler und Social-Media-Star Kurz Tocci das traditionelle Weihnachtslied »The Twelve Days of Christmas« von 1780 in seiner persönlichen COVID-19-Version – und reflektierte damit was uns in den Tagen der Lockdowns wohl alle am meisten beschäftigt hat. Das Video wurde sofort zum YouTube-Hit mit mittlerweile mehr als 1,4 Mio. Klicks. Der in Wien lebende gehörlose Filmemacher Christoph Kopal performt hier höchstpersönlich seine Interpretation in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS).