MOSKITOS

Aedes and Anopheles sind Stechmücken, die gefährliche Infektionskrankheiten übertragen können: Chikungunya-Fieber, das Dengue- und das Zika-Virus. (…) Was also könnte geschehen, würden Moskitos sich im Wiener Weltmuseum, im Prater und in der Wirtschaftsuniversität ausbreiten? Susana Ojeda lässt in ihrem Kurzfilm ein geheimnisvolles Treffen einer Gruppe von Frauen stattfinden, die ein solches Szenario im wahrsten Sinne des Wortes heraufbeschwört. Worauf sich, als Ergebnis einer geflügelten Invasion, eine surreale Welt auftut. (Michael Pekler, Diagonale)

BILDER AUS DEM TAGEBUCH EINES WARTENDEN

Schauplatz des Films ist die österreichisch-ungarische Grenze, wo Rekruten des Österreichischen Bundesheeres ihren Dienst absolvieren. Mit Nightvision-Kameras und Handys filmen sie ihre Langeweile, Albernheiten und improvisierten Stunts. Judith Zdesar arrangiert diese Aufnahmen mit ruhigen Landschaftsbildern. Im Zentrum steht die totgeschlagene Zeit des Präsenzdiensts in der Randzone des Schengenraums. Die Soldaten reflektieren in banalen Monologen über ihre Situation und Zukunft. So entsteht ein Kriegsfilm ohne Krieg, in dem Sinnsuche und Absurdität unheimlich nahe rücken.

15 JAHRE UND KEINE ANTWORT

In Gita Ferlins essayistischem Porträt eines jungen Asylwerbers in Österreich bleibt der Protagonist unsichtbar, verbannt aus dem Bild, nur als frei umherschwebende Stimme existent, nicht zu verorten. Die beklemmenden Schilderungen seines der Mündigkeit beraubten Lebens, das nunmehr von Furcht, Armut, Scham und Perspektivlosigkeit bestimmt wird, verdichten sich in kontemplativen Raumtableaus des schäbigen Wohnheims und im Sound: Enge, die keine Entfaltung ermöglicht. Wände, Gitter, verschlossene Türen, die gefangen nehmen. Ein Ausblick auf Bahngleise, der die permanente Angst vor Abschiebung ebenso spürbar macht wie der Verkehrslärm, der unentwegt präsent ist. Eine sensible und eindringliche Annäherung an eine unbehauste Existenz, ein Dasein zwischen Kerker und Transit. (Digonale)

KASPAR

KASPAR nach dem Stück von Peter Handke ist einer Theaterinszenierung ähnlich, in der die Hauptfigur zwischen den verschiedenen Ebenen und Räumen mit existentiellen Situationen konfrontiert wird.

KATZENJAMMER

Schaulust im YouTube-Zeitalter: Lasziv aber unsicher argumentiert Kurdwin Ayub mit Wort und Körper, den Blick immer wieder direkt in die (Computer-)Kamera gerichtet. Wir schauen zurück, stellvertretend für den Adressaten und Millionen Internet-User*innen. Das Private hat den Privatraum längst verlassen. (Diagonale)

In halb flehentlichen Sätzen bemüht sich Kurdwin Ayub darum, den imaginären Adressaten des Videos – offensichtlich der Ex-Boyfriend – noch einmal in den Bann zu ziehen. Eingeklemmt zwischen den archetypischen Bildern »unschuldiges Mädchen« und »verführerische Femme fatale« macht Ayub dabei das Unbehagen, aber auch die Komik, die sich aus den Reibungsflächen zwischen den beiden Vorstellungen von Weiblichkeit ergeben, durch ihr ungelenkes und zögerliches Verhalten deutlich. (Alexandra Seibel)

DER MINISTER

Ein TV-Interview mit einem Minister im Originalton. Es wurden lediglich PolitikerInnen- und Parteinamen sowie Teile der Moderation weggelassen. Das Interview über die Abschaffung der Wehrpflicht wird damit auf das »Wesentliche« reduziert. Aus der fünfteiligen Serie GLAUBWÜRDIGE TEXTE.

EINTRITT ZUM PARADIES UM 3€20

Seit jeher beschäftigt die Menschen der Mythos vom Paradies. In modernen Freizeitanlagen wird versucht, diese illusorischen Orte nachzuempfinden. Im Mittelpunkt der Geschichte: die Besucher*innen des Linzer Parkbads. Sattheit und Zufriedenheit bestimmen die Atmosphäre. Das Freibad entpuppt sich als eine Art demokratisches Paradies, institutionalisiert und – im Gegensatz zur Exklusivität des Garten Edens – um eine geringe Gebühr für jede und jeden zugänglich. (CROSSING EUROPE)

BADMINTON

Jim und Jack spielen gegeneinander Federball. Wer wohl gewinnt?

O! FORTUNA! I-VI

Sechs Miniaturen folgen der Entwicklungsgeschichte von Karin Bergers Tochter in dokumentarischen Bildern und pointierten Bildmetaphern. Ein herrlich selbstironischer, auf die donnernden Klänge der »Carmina Burana« abgestimmter Blick auf Widersprüche und Absurditäten, die das Mutterdasein zwischen Liebe und Selbstverwirklichung mit sich bringt, und nicht zuletzt auf die heikle Frage nach der Weitergabe weiblicher Rollenbilder. (Diagonale)

10 MEGABYTES OF MEMORY

Erinnerungen aus 10 Jahren, übersetzt in 10 MB binäre Information: In seiner exakt 10 MB fassenden Videoarbeit stößt Markus Maicher eine vielschichtige Reflexion über das Verhältnis von menschlichem und digitalem Gedächtnis an. 10 MEGABYTES OF MEMORY wurde mit dem Open-Source-Programm FFmpeg in der Kommandozeile komprimiert und geschnitten, die Kompression begründet ein Plädoyer für eine Ästhetik kompakter Dateiformate und stellt sich gegen immer höhere Auflösung, Bitraten und (Umwelt-)Kosten digitaler Bilder.