LA BELLE EST LA BÊTE

Ein Traum, eine Frau, eine Zunge aus Pelz: Bady Mincks LA BELLE EST LA BÊTE operiert an der Schnittstelle von Zivilisation und Wildnis, von Natur und Kultur, von Mensch und Tier. Ein Film, der die Frage nach dem Für und Wider unserer Kultivierung aufwirft. Im Spannungsfeld zwischen dem animalischen Innen und dem zivilisatorischen Außen wird »la Belle« selbst zu »la Bête«.

VIEL LAUTER KANN ICH NICHT SCHREIEN

TV- und Internetbilder aus aller Welt durch- und überfluten unseren Alltag. Die Kontextualisierung erfolgt wie nebenbei – oder gar nicht. Wie stehen beispielsweise die Proteste im arabischen Raum mit der eigenen Realität in Beziehung? Wie mit der eigenen Person, dem eigenen Sehen, Hören, Verstehen? Robert Cambrinus’ Schrei ist ein stummer: Via Inserts sinniert er über das (Un-)Vermögen der eigenen Wahrnehmung. Privates vermischt sich dabei mit Öffentlichem. Dahinter ein visueller Medienwulst: unsortierte Protestbilder, Katastrophen-Images. Bild und Schrift kommentieren einander nur indirekt. Die Assoziationen sind notgedrungen individuell. (Diagonale)

SCHATTENBOXER

Um eine Haftstrafe wegen Körperverletzung abzuwenden, muss Ahmed ein Antigewalttraining absolvieren. Offen über seine Gefühle zu sprechen fällt ihm schwerer als so mancher Kickboxkampf. Hier wie dort zählt aber letztlich die Disziplin, meint sein Trainer einmal – denn kämpft man aktiv gegen den eigenen Schatten, gibt es nur selten Sieger. (Diagonale)

Unter Schattenboxen versteht man ein Element des Trainings, bei dem der Boxer mit seinem Spiegelbild trainiert. Ein Schattenboxer ist also einer, der mit sich selbst kämpft. Schattenboxer nennt Jannis Lenz die Titelfigur seines Kurzporträts, in dem der 23-jähriger Ahmet Simsek an einem Wendepunkt steht (…) – und basiert seinen Kurzfilm teilweise auf dessen Lebensrealität. Er begleitet ihn zu seinen (realen) Boxstunden und zum (fingierten) Antigewalttraining und lässt dadurch den Eindruck einer Grenzverwischung zwischen Dokumentation und Fiktionalität entstehen. Gleichzeitig verzichtet er auf Psychologisierung seiner Figur und beobachtet vielmehr dessen Reaktionen auf seine Umwelt. (Alexandra Seibel)

SEQUENCE OF TENSES

Basierend auf einem Sanskrit-Gedicht des im 5. Jahrhundert lebenden nordindischen Lyrikers Bhartṛhari visualisieren die Animationskünstlerin Adelee Raczkövi und der Schriftsteller Vikram Chandra ihre Vorstellungen von einer Welt nach der COVID-19-Pandemie. Der Film entstand im Rahmen des Projekts No-Place Like the Future, für das Künstler*innen aus Österreich in den USA zusammenarbeiteten.

NACKTE MÄNNER IM WALD

Momentaufnahme einer Ehe am Wendepunkt. Sie hat eine Krebsdiagnose erhalten, er lebt seine Homosexualität im Verborgenen aus. Aus Angst vor der Reaktion der*des jeweils anderen verheimlichen sie es voreinander. Routiniert gespieltes Ensemblestück.

IM TRAUM SIND ALLE QUALLEN FEUCHT

Österreich-Premiere

Orlando versucht einen unauffälligen Besuch in der Sauna zu meistern kennt aber die Regeln nicht. Paula traut sich nicht, sich vor den anderen auszuziehen. Manu will einfach nur Kontakte knüpfen. Lauras schöner Cousin will nicht zugeben, dass er nicht schwimmen kann. Die schöne Lea schämt sich für nichts und Thea versucht, von Lauras schönem Cousin, den sie begehrt, nicht gesehen zu werden. Das jüngste Kapitel im filmischen Œuvre von Marie Luise Lehner ist ein glühendes Manifest für das Brechen von gesellschaftlichen Normen und Schamzuschreibungen und eine liebevolle Hommage an queere Körper, queere Identitäten und ein äußerst spielfreudiges Künstler*innen-Ensemble.

GARDEN CRESS GROWING

In dieser Zeitrafferaufnahme von 6,3 Tagen wird Gartenkresse von einem winzigen Roboterarm gesäht und pflegt. Wassertropfen und Samen werden dafür in einem 6×6-Raster im Abstand von einer Stunde platziert.

UNERHÖRT

Dirigent Peter bezieht eine neue Wohnung, doch hier prallen zwei musikalische Welten aufeinander: Aus der Nachbarwohnung dröhnen satte Bässe. Die Nachbarin scheint nicht auf seine Interventionen zu reagieren – bis er versteht, dass Lina eine gehörlose Tänzerin ist. Missverständnisse heizen den Konflikt an. Werden sie eine gemeinsame Sprache finden?

EIN EINFACHES EREIGNIS

Inmitten eines belebten Parks, doch scheinbar unbemerkt von den Passant*innen, praktiziert ein Moslem sein Gebet. Das einfache Ereignis wird in dieser Dokumentarfilm-Miniatur durch die Veränderung des Blicks zu einem ironischen Spiel mit der Wahrnehmung.

ATTWENGER: OIDA

Dass in Jessica Hausners Filmen gerne getanzt wird, weiß man nicht erst seit LOURDES oder AMOUR FOU. Auch in ihrem Musikvideo zur Attwenger-Single OIDA aus dem Album SPOT lässt sie dieser Vorliebe freien Lauf. Eine höchst vergnügliche, dreiminütige Miniatur, in der sich vor tristem Hintergrund ein Feuerwerk ausgelassener Körperbewegung entzündet. Anschauen, Oida!