Um eine Haftstrafe wegen Körperverletzung abzuwenden, muss Ahmed ein Antigewalttraining absolvieren. Offen über seine Gefühle zu sprechen fällt ihm schwerer als so mancher Kickboxkampf. Hier wie dort zählt aber letztlich die Disziplin, meint sein Trainer einmal – denn kämpft man aktiv gegen den eigenen Schatten, gibt es nur selten Sieger. (Diagonale)
Unter Schattenboxen versteht man ein Element des Trainings, bei dem der Boxer mit seinem Spiegelbild trainiert. Ein Schattenboxer ist also einer, der mit sich selbst kämpft. Schattenboxer nennt Jannis Lenz die Titelfigur seines Kurzporträts, in dem der 23-jähriger Ahmet Simsek an einem Wendepunkt steht (…) – und basiert seinen Kurzfilm teilweise auf dessen Lebensrealität. Er begleitet ihn zu seinen (realen) Boxstunden und zum (fingierten) Antigewalttraining und lässt dadurch den Eindruck einer Grenzverwischung zwischen Dokumentation und Fiktionalität entstehen. Gleichzeitig verzichtet er auf Psychologisierung seiner Figur und beobachtet vielmehr dessen Reaktionen auf seine Umwelt. (Alexandra Seibel)