HUNDESTRAND NORD

Mit viel Empathie entdeckt Benita Buhl am Hundestrand auf der Wiener Donauinsel das Kino als Möglichkeit, mit Menschen (und ihren Hunden) ins Gespräch zu kommen. Sie lauscht den Hundebesitzer*innen und beobachtet die spielenden Vierbeiner. Nebenbei entpuppen sich letztere als Freigeister, die sich weder von Menschen noch von der Kamera einfangen lassen. (Diagonale)

TINTENKILLER

»Hier ist ein Toter. Steinweg 7. Vermutlich Gewalt.« Ein Mord und dessen Aufklärung durch die Kriminalermittler*innen. Wäre es doch bloß so einfach. – 2010 feierte die Fernsehserie »Tatort« ihren 40. Geburtstag: Keine andere Produktion hat ein Genre so geprägt und ist über einen so langen Zeitraum Inbegriff deutscher Populärkultur gewesen. Veronika Schuberts Found-Footage-Animation TINTENKILLER schöpft aus diesem reichen Reservoir. Phrasen werden aus dem Zusammenhang gerissen, wiederholt und entstellt. Die konsequente Reduktion der Kommunikation erfährt durch die mit Tinte und Löschstift verfremdete Bildebene ihr visuelles Äquivalent.

PLATONISCHE PASSANTEN

Inspiriert von asiatischem Schattentheater, Platons Höhlengleichnis und in Reflexion über die scheinbare oder wirkliche Vergänglichkeit unseres Daseins entstand dieses filmische Gedicht.

IM ANFANG WAR DER BLICK

Man stelle sich ein Österreich-Portrait vor, gedreht von Jan Svankmajer und David Lynch. Dann bekommt man einen ersten Eindruck von Bady Mincks phantastischem Kinostück IM ANFANG WAR DER BLICK, in dem ein Schriftsteller Österreich in seinen Postkarten erforscht. Der Erzberg und Salzburg werden Landschaften zwischen Traum und Alptraum. Und die Texte, auf den Rückseiten der Karten verborgen, kommen als ein Flüstern ins Bild geschlichen: schreckliche, schmerzliche Texte, von wem auch immer geschrieben im Laufe der Zeit. Eine Spannung zwischen Bild und Text, Suspense zwischen Kultur und Landschaft. (Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung)

THE BIRTHMARK

Alle zweieinhalb Stunden wird in Mexiko eine Frau ermordet. In immersiven Bildern holen Pia Ilonka Schenk Jensen und Bernhard Hetzenauer die Geschichte zweier Menschen an die Oberfläche, wie sie in den Medien hinter dem Begriff »Femizid« verschwinden. Es ist die Geschichte von Consuelo und ihrer Tochter Victoria, die am 31. August ihren Geburtstag feierte und dann für immer aus Consuelos Leben verschwand.

SCHNEEMANN

Es ist Sommer, es ist heiß, und eigentlich hat Antonia nichts zu tun, außer Tschick rauchend im Bett rumzuhängen und das Zimmer der Mitbewohnerin zu durchstöbern. Vom Vater kehrt sie mit einer geschnitzten Doppelgängerin zurück, einsam bleibt sie trotzdem, die ersehnte Geborgenheit vom Liebhaber erweist sich als enttäuschte Illusion. Nichts ist beständig, alles flüchtig, und manchmal will man einfach nur zurück in Mamas Bauch. (Cinema Next)

NABELFABEL

In NABELFABEL verpasst sich Mara Mattuschka durch etliche Strumpfhosen hindurch eine zweite Geburt. Ihr Körper kriecht derart deformiert und angestrengt aus den Nylonschichten, daß der schiere Überlebenskampf sichtbar wird. (Peter Tscherkassky)

MUTTER VON MUTTER

»Familiäre Wärme, wie sehnte ich mich eigentlich danach.« Großmutter, Mutter, Tochter – verkörpert von einer Person, der Mutter der Filmemacherin, die in einem beschwerlichen und schmerzlichen Prozess Familienarchäologie betreibt. Lückenhafte Erinnerungen und selbstreflexive Gedanken, ein Brief der verstorbenen Großmutter, vorgelesen aus dem Off: All dies ergibt ein schemenhaftes Bild dreier Generationen von Frauen, die sich nicht wirklich kennen, deren Verhältnis von Berührungsängsten, Trennung und Abwesenheit bestimmt ist. Ein Gefühl, dem auch bildlich Ausdruck verliehen wird: Sachlich und doch intim kadrierte Rückenfiguren, gegenständliche Details, Hände und Gewebe, die metaphorisch zerschnitten und zusammengenäht werden, wie es die Filmemacherin mit den Fäden ihrer Vergangenheit unternimmt. (Diagonale)

ES L(I)EBE DER TOD

Der Tod verliebt sich Hals über Kopf in das Leben, das ihn anfangs jedoch – eitel, wie es ist – abweist. Der Tod gibt sich jedoch nicht so leicht geschlagen.

TRASHY RAUSGEPUSTET

Die Frage einer Redakteurin an den Animationsfilmer, wie er seinen Film am Computer gemacht hat, wird von ihm ausgiebig und lehrreich beantwortet – kongenial getextet und interpretiert vom deutschen Maler und Filmemacher Jochen Kuhn, während Hubert Sielecki in die Haut des Befragten schlüpft. Laut Wittgenstein liegt ein Sprachspiel dann vor, wenn ein Sprecher seine Sprache zur Privatsache macht. Externe oder andere sollen gar nicht verstehen, was gemeint ist. Selten ist die »elaborierte Sprache von vermeintlich hippen Insidern« so gekonnt persifliert worden wie in TRASHY RAUSGEPUSTET. Aus der fünfteiligen Serie GLAUBWÜRDIGE TEXTE.