METUBE: AUGUST SINGS CARMEN »HABANERA«

Was als vermeintliches Homevideo seinen Ausgang nimmt, entpuppt sich rasch als gut geölte Fetischmaschine: Während die Opernarie »Habanera« in August Schrams grandiosem Techno-Remix dröhnt, kollidieren und überlappen Geschlechter wie Realitäten. Ein Musikvideo als Hommage und Liebeserklärung an das Web und dessen User*innen im Taumel der (Selbst-)Darstellung. Ein minutiös choreografierter Trip ins Unterbewusste. (Diagonale)

HYPNODROM

Eine Fahrt durch die Dämmerung, eine einsame Landstraße entlang. Noch ist die Perspektive des Films an jene des Autos gekoppelt. Kaum hat man jedoch den Blick justiert und sich auf die Bewegung eingestellt, beginnt das Bild, langsam zunächst, in der horizontalen Achse zu rotieren und wie ein Propeller Geschwindigkeit aufzunehmen.

HYPNODROM ist bewegungsinduziertes Delirium, das die Grenzen zwischen Erde und Himmel, zwischen abgebildeter Realität und Imagination, zwischen Wachsein und Traum aufweicht: »Ein kinematografischer Blick durch die ‚egozentrische Kamera‘ als Hommage auf das Kino als Ort der Kontemplation und der Trance« (Richard Wilhelmer).

IT LOOKS LIKE A JAPANESE FILM

In alltäglicher Routine spazieren Schulmädchen und Passant*innen durch den Regen. Zu den Handkameraaufnahmen aus einem anonymen Zimmer mit Blick auf eine Seitenstraße in Tokyo rekonstruiert Sasha Pirker den Tag: das Treffen mit einer japanischen Produktionsfirma, die lange mit Kurosawa gearbeitet hat, den Vergleich mit japanischen Filmen, der die gemeinschaftliche Stimmung gehoben hat, Normalität. »The rest of the day became history«, fährt sie fort. Es ist der 11. März 2011 – der Tag des großen Bebens.

MUTTER(GLÜCK)

Ausgelöst durch ein einschneidendes Ereignis in ihrem Leben (das auch die Klammer des Films ist), stellt Claudia Dermutz Gedanken zu Sorgen, Ängsten, Anforderungen, Wünschen und Vorstellungen vom Leben als Künstlerin/Frau/Mutter in den Raum und zieht – wie auch schon in ihren früheren Arbeiten – immer wieder Parallelen zur Darstellung des Frauen- bzw. Mutterbildes in Literatur und Bildender Kunst.

WALD DER ECHOS

Auf der Suche nach ihren im Wald abhandengekommenen Begleiter*innen entdeckt eine Jugendliche die Leichen dreier ertrunkener Mädchen am Ufer eines Sees. Einem Wunder gleich erwachen sie wieder zum Leben. Drei Mädchen stoßen auf die im Waldsee treibende Leiche einer Teenagerin. Als sie diese begraben wollen, öffnet sie plötzlich die Augen. Figuren verschwinden und tauchen wieder auf – das Kuriosum ewiger Wiederkehr. In kontemplativen Szenen und tableaux vivants inszeniert Maria Luz Olivares Capelle einen mythopoetischen Streifzug durch den seit der Antike überlieferten Bild- und Textfundus, der Weiblichkeit, Tod und Schönheit miteinander verbindet. Ein traumhafter, unheimlicher Kurzfilm, der Natur als mysteriös-magischen Ort und zugleich als Echoraum unseres kulturellen Gedächtnisses heraufbeschwört. (Diagonale)

WALD DER ECHOS wurde auf der Diagonale 2016 mit dem Preis für den Besten Kurzspielfilm und bei VIS Vienna Independent Shorts 2016 mit dem Preis für den besten österreichischen Film ausgezeichnet.

KROCHACARRALDO

Ein Film über einen Filmdreh, über Wahnsinn und Scheitern. Für einen Vorfilmwettbewerb ersinnt Regisseur Christoph Schwarz eine groteske White-Trash-Adaption von Werner Herzogs Klassiker FITZCARRALDO. Auf einem Floß aus Plastikmüll soll ein waschechter Wiener »Krocha« die Donau hinabfahren. Doch alles läuft aus dem Ruder. Wahndreist samt Neon Cap – Kinski meets Jumpstyle. (Diagonale)

FAMILIENURLAUB

Bilder einer Reise in den Irak: Der Vater singt am Straßenrand. Schnitt. Schwester Tanya auf dem Laufband. Schnitt. In 17 Szenen lässt uns Kurdwin Ayub am titelgebenden Familienurlaub teilhaben. Wenn die Mutter bei der Erinnerung an Bagdad in Tränen ausbricht oder der Vater – ungeachtet anderer Meinungen – vom unbedingten Aufschwung Kurdistans schwärmt, vermischt sich Persönliches mit politischer Aktualität. Dazwischen: Alltag, Fadesse und inszenierte Spielszenen mit den Geschwistern – Miniaturfilme im Film. Ein wunderbar bunt irisierendes Kaleidoskop der Normalität. (Diagonale)

ZWEITE BEGEGNUNG DREIER PROTAGONISTEN. DIE SUCHE EINER VERLOREN GEGLAUBTEN SEHNSUCHT

marshmallow kakao
verkühlt rumpelnde batterien
die ruhe der berge bewahrend

watte am strauche
rinnen bildendes wasser in den parks
die entwicklung hin zum flur zurück

enge steile punklose gassen
zart schmelzende schokolade
eine himeros fahrt nach weerberg

(Guillermo Tellechea)

ART EDUCATION

Express-Lektion in Kunstgeschichte à la Maria Lassnig: ART EDUCATION ist ein frecher Trip durch die Jahrhunderte, in dem die »Superstars« unter den Kunstwerken, wie Michaelangelos »Erschaffung Adams«, in szenischen Miniaturen re-kodiert und Lassnigs feministischer Deutung unterzogen werden.

HASENLEITEN

Handstand auf der Tischtennisplatte, Selfies beim Skaten: Die Jugendlichen von Hasenleiten nutzen den Park der Gemeindebausiedlung rund um die Uhr. Und auch fürs Filmemachen taugt er. Lotte Schreiber begleitet die Heranwachsenden durch den Alltag und erzählt nebenher die bewegte Geschichte der Siedlung im Südosten Wiens. 1915, während der österreichisch-ungarischen Monarchie, als Spital erbaut, diente die Anlage während des Zweiten Weltkriegs der Unterbringung von Jüdinnen und Juden aus Wien, bevor diese in das Konzentrationslager Dachau deportiert wurden. Heute leben in den 28 Häusern mit 1.214 Wohnungen die Jugendlichen, die im Park sitzen und überlegen, ob es diesen auch in Zukunft noch geben wird. (Eva Königshofen, Diagonale’23)