DAS SEIN UND DAS NICHTS

Sie sehen was Sie hören in Bady Mincks visueller Umsetzung einer Original-Komposition von Beat Furrer für das Klangforum Wien: DAS SEIN UND DAS NICHTS visualisiert eine phantastische Reise in das Innere der Partitur. Die Musiker*innen erscheinen und verschwinden wie Noten und Klänge. Bady Minck gibt der Musik einen virtuellen Raum – vielleicht spielt die zentrale Szene des Films im Kopf des Dirigenten und Komponisten, der wie ein Zauberer mittels Handzeichen die MusikerInnen exterminiert … (Martin Pieper)

Teil der Serie FREE RADICALS, einem Crossover-Projekt zwischen Musik und Film von Klangforum Wien und dem Film-Laboratorium der AMOUR FOU Filmproduktion. Bady Mincks Filme für die bei der Biennale di Venezia 2007 uraufgeführte Serie erforschen die Wahrnehmungsebenen von Hören und Sehen. Siehe auch SCHEIN SEIN.

SCHWITZEN

Pumpender Sound, menschenleere Weinviertler Weite: Sommerferien, Provinz, Langeweile. Zwei Mädchen im Teenager-Alter sinnieren über ihre Zukunft und schlagen die Zeit tot. Genervt von der Wiederkehr des Immergleichen, kanalisieren sie ihre adoleszenten Unsicherheiten in spontanen Aggressionsausbrüchen. Im YouTube-Stream laufen dazu gefilmte Grauslichkeiten der Lebendtierfütterung: Hier wie dort regiert das Gesetz des Stärkeren. Im wunderschön fotografierten Vakuum eines klar abgesteckten Dorfkosmos konfrontiert Iris Blauensteiner ihre Protagonistinnen mit den unvermeidbaren Weichenstellungen des Erwachsenwerdens – und damit auch mit der erstmals im Raum stehenden längeren Trennung der Freundinnen. Coming-of-Age zwischen Möchtegerngangster-Attitüde, Disco und behutsamer Suche nach Identität. (Diagonale)

PANDA PANDA

Ein kleiner Panda soll von seiner Heimat weg in einen Zoo gebracht werden. Doch das Schicksal nimmt seinen Lauf und nicht alles kommt, wie man denkt …

DIE UND DER VON DA UND DORT

Momentaufnahmen von Wien-Tourist*innen aus aller Welt. Sie kommen aus Holland, Deutschland, Südkorea oder auch Vietnam. Sie möchten in die Oper, finden das Bermudadreieck gut oder wünschen sich eigentlich besseres Wetter. Vor den Sehenswürdigkeiten werfen sie sich in Pose, alleine oder zu zweit oder auch in Gruppen. Üblicherweise bleiben Erinnerungsfotos stumm. Lisa Weber erzählt, was sie in der kurzen Zeit über die Menschen erfahren hat, und verleiht den Bildern filmische Dimension.

TAGTRÄUMEN

Bei langen U-Bahn-Fahrten schweifen die Gedanken schon mal ab und die verrücktesten Tagträume machen sich selbstständig …

DER MEISENMANN

Als kleines, aber feines Musikvideo zu Helge Schneiders MEISENMANN entpuppt sich die gleichnamige Animation von Ulrich Braun: »Sei nicht traurig kleiner Meisenmann … Ich komme vom Finanzamt.«

ESPRESSO

Herr Ober! Bitte noch einen Espresso. Niemand kommt. Manche warten auf Antworten, andere auf Kaffee.

HARDLY WORKING

Erneut nimmt die selbsternannte »pseudo-marxistische Medienguerilla« Total Refusal ein Computergame (»Red Dead Redemption 2«) als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen zu Funktion und Störung kapitalistischer Systeme. Dabei richtet sie ihre Blicke auf jene Figuren, die als Statist*innen die Bildwelten des Games beleben. Ein komplexer Essay über Arbeit und Verweigerung. (Eva Königshofen, Diagonale’23)

THOSE NEXT TO US

Wir sehen Straßen, Kurven, Brücken, einen endlosen Strom von LKWs und Autos, einen Fluss, einen Trailer, einen Parkplatz – Stationen einer Flucht in langen statischen Einstellungen. Aus dem Off hören wir die Stimme von German López Rosales, einem jungen Mann aus Mexiko. German versucht mithilfe von Schleppern in die USA einzureisen. Wir erfahren, wie er ins Boot steigt, den Grenzfluss passiert, sich in einem Wohnwagen verstecken muss und schließlich in einen kochend heißen LKW gezwungen wird. Am Ende sind viele Menschen tot, darunter sein Freund und eine fünfköpfige Familie mit Baby. (…) Klug verbindet der Film seine äußere und innere Perspektive. Eindrücklich und sensibel gelingt ihm so eine schonungslose Darstellung der Entmenschlichung, die Menschen auf der Flucht weltweit erleben – auch »next to us«.

(Jurybegründung für die Auszeichnung mit dem Diagonale-Preis für den Besten Kurzdokumentarfilm 2024)

SATURN RETURN: DER HAUSARZT / EINE AUFREGENDE LEKTÜRE / LEBENDER MARMOR

Die Literaturstunde kredenzt drei ausgewählte Episoden aus Daniela Zahlners originellem zeitgenössischen Kommentar zu einem Abschnitt der österreichischen Filmgeschichte: Queere Reinterpretationen erotischer Stummfilmfantasien, die von 1906 bis 1911 von der Wiener Filmgesellschaft Saturn produziert wurden. »Saturn kehrt zurück, komisch, fantasievoll, mit Jux und Tollerei: jenseits des Patriarchats, diesseits des Lustprinzips.« (Philipp Stadelmaier, Diagonale)