SOME EXERCISE IN COMPLEX SEEING IS NEEDED

Ein Bild voller Bewegung, jedoch vermeintlich unbewegt: Carola Dertnig beim unentwegten Anschwimmen gegen einen Wasserstrom. Über ihre Bewegung am Stand vermittelt sich Dauerhaftigkeit, vergleichbar mit der täglichen Arbeit an sich selbst. Aus dem Off rezitiert die Künstlerin dazu ein Poem: alphabetisch sortierte, performancegeschichtliche Begriffe, Floskeln, Zitate. »… Dance, Dada, Document …« – ihr persönliches Referenzsystem zum Leben als steter Probe. (Diagonale)

DAS LABYRINTH UNTER DER SONNE

»Wenn man in einen Wald eintritt, so ist es, als trete man in das Innere einer Seele.« – Paul Claudel

Stumm beobachtend wandelt ein Mädchen durch die natürlichen Irrwege einer Waldlandschaft. Immer tiefer und scheinbar grundlos getrieben, dringt es in die Wunderwelt ein, erkundet Pflanzen, Steine, Tiere, Mikrokulturen. Zwischen Licht und Schatten zeigt sich dieserorts auch die mystische, vielleicht beängstigende Seite des metaphorischen Labyrinths unter der Sonne, das die Kamera einfängt. (Diagonale)

WINTER BIENEN

Film als Mittel der Selbstbefragung. Josephine Ahnelt lebte 13 Monate in Japan, in 13 Kapiteln erzählt sie sehr persönlich vom gebrochenen Herzen und der darauf folgenden Aufarbeitung der Gefühle und von ihrem Leben und ihrer Arbeit in einem anderen Land mit seiner ungewohnten Kultur.

HELD, DER SOLDAT

Krieg – wer ist dabei? Eine kleine hämische Replik von Rüdiger Rohde – Video, Foto, Medien-Installation, Geschichte & Politik, Blogger.

SCHMINKI 1, 2+3

Bilder von Schminkritualen sind nicht erst seit PARIS IS BURNING sehr eng mit der Frage nach herrschenden Geschlechternormen verbunden. Das Auftragen des Lippenstifts scheint direkt mit dem Übereinanderschlagen der Beine bzw. einer Vielfalt von als vermeintlich »weiblich« identifizierbaren Posen einherzugehen. Solchen Bildern ist der performative Charakter eingeschrieben, weil die Konstruktion des Geschlechts ausgestellt wird. In SCHMINKI 1, 2+3 schminkt sich eine Frau. Eine als Frau verkleidete Frau stellt Bilder ihrer eigenen Herstellung aus. Fiona Rukschcio imitiert herrschende Normen, indem sie die Imitationsstrukturen von Geschlechternormen aufdeckt. (Christa Benzer)

LOVESTATEMENTS

Eine Erklärung der Liebe. Nichts Geringeres versucht Maria Weber in ihrer animated documentary LOVESTATEMENTS, wenn sie unterschiedlichste Menschen über den Zustand des Verliebtseins philosophieren lässt. Von einem »wahnsinnig inspirierenden, positiv psychotischen Zustand, in dem das Herz sich so richtig über den Kopf stellt und sich das Recht heraus nimmt mit oder ohne Grund glücklich zu sein«, ist hier die Rede. Aber auch von einer »Irritation, weil man sich außerhalb der Balance des Lebens befindet« und einem »Narzissmus, bei dem man entweder eigentlich sich selbst oder nur die Vorstellung vom Gegenüber liebt« berichten die Interviewten. (Franziska Bruckner)

UNTERGANG DER TITANIA

Titania, ein pubertärer Trampel, in der Wanne, über dem Abflußrohr, das die Eintrittsstelle für eine dunkle Welt voller Dreck, Tiere und Gefahren darstellt und über das man mit sämtlichen Arschlöchern dieser Welt verbunden ist. Diese Welt geistert nun über die Kacheln, während Mimi Minus über die Liebe und ihre Unmöglichkeit sinniert. (Peter Tscherkassky)

QUARANTÄNE

Der Film zum Frühling 2020: Als die Frisörsalons geschlossen bleiben mussten.

HIDING IN THE LIGHTS

Glitterregen über Schwarzbild, tosender Applaus. Als Conferenciers, schmachtende Liebende und autonome Künstlerinnen in Personalunion durchleben zwei Performerinnen »Eröffnungsmomente« vor imaginärem Publikum. Mit Verve, Esprit und queerer Femmeness weisen sie den Repräsentationsraum als ihre dem Blickregime unterworfene, sexualisierte Spielwiese aus. (Diagonale)

ANDI MACHT’S

Andi ist ein Macher. Und ein technophiler Nerd mit Leidenschaft für flotte Autos und smarte Devices. Heute soll ein spannender Produkttest live für die Kamera festgehalten werden: Andi hat das erste Navigationssystem in Gebärdensprache entwickelt! Doch die Technik hat ihre Tücken, wenn sie schon an grundlegenden Dingen wie Internet-Empfang scheitert. Der neueste Film des in Wien lebenden gehörlosen Filmemachers Christoph Kopal ist eine beißende Technik- und Mediensatire, samt Pannen und Werbeblock.