SPOT: STOPTRIK FESTIVAL

MUSICLESS MUSICVIDEO: SIA – CHANDELIER

In seinem Metier sollte man sich im Ton wirklich nicht vergreifen. Nachdem er sie um den Faktor Musik bereinigt hat, fettet der oberösterreichische Sounddesigner Mario Wienerroither Musikvideos und Serienintros mit realitätsgetreuen Szenengeräuschen wieder auf. Spaghetti, Erdnüssen und Zimmerpflanzen sei Dank. (Martin Macho)

FREUDE

Zersetzen, verfaulen, verwesen: Thomas Draschans FREUDE ist ein visuelles Vergnügen, ein populärkultureller Bildersturm, ein auf der Leinwand explodierendes Feuerwerk. FREUDE ist Film pur – in Form, Rhythmus und Montage.

LIEBE TV

»Wir zwei sind füreinander geschaffen.« Eine Folge der TV-Serie REICH UND SCHÖN gerät Hubert Sielecki in die Finger. Dem schwülstigen Dialog der beiden Liebenden widerfährt in Sieleckis erster Computeranimation (mit dem Perception Video Recorder – PVR) gnadenlose Entlarvung und Entzauberung durch die digitale Nachbearbeitung der Einzelbilder.

SUPERCARGO

»Ideen hatte man nicht mehr selbst, Ideen fand man im Internet. Gleichgültig, welcher Geistesblitz einen traf, nach kurzer Google-Recherche war klar, es hatte längst schon jemand gemacht. Die Idee war tot, umsonst, das Original von vorgestern.«

Wie generiert man als junger Künstler Aufmerksamkeit? Peter Moosgaard, der neuen Medien überdrüssig, lässt sich durch eine Trivial-Pursuit-Frage inspirieren. Gleich melanesischen Eingeborenen, die westliche Technologien (Flugzeuge!) aus Holz nachbauten, bastelt er primitive Artefakte, sogenannte Cargos, um hiesige Fixierungen auf Objekte aufzuzeigen. Zum Beispiel einen Computer aus Astwerk. Damit aus der Idee ein Hype wird, benötigt es jedoch noch etwas mehr. SUPERCARGO, eine smarte Mockumentary, liefert das Making-of der Erfolgsgeschichte Moosgaards (die Ko-Regie übernahm Christoph Schwarz), eine ironische Analyse des Kunstbetriebs in Zeiten von Ich-AGs und Effizienzsteigerung. In Tagebuchform (Stimme: Fritz Ostermayer) gibt er preis, dass Planung nicht alles ist: Auch »b’soffene Gschichten« vermögen Eigendynamik zu entfalten. (Dominik Kamalzadeh, Der Standard)

WIEN SURREAL

Wien ist der Spalt zwischen Himmel und Hölle. Die Rolltreppe aquarelliert in U-Bahn-Farben von Prater bis Karlsplatz und von Rathaus bis Westbahnhof. U-Bahn-Sound versetzt eine urbane Seele in eine unterirdische Trance. Alle Hinweise, die uns die Stadt sendet, werden als Aquarellbilder ins Unterbewusstsein transferiert. Höllisch-himmlisches Wien – Endstation für jede urbane Seele, die sich hier wohlfühlt …

Oleksandra Stehlik (*1975 in der Ukraine) studierte Kunst- und Illustration in der Ukraine, bevor sie vor 10 Jahren nach Österreich kam. Ausbildung in Wien im Fachgebiet Mediengestaltung. Lebt seitdem als Filmemacherin und Illustratorin in Wien.

LA BELLE EST LA BÊTE

Ein Traum, eine Frau, eine Zunge aus Pelz: Bady Mincks LA BELLE EST LA BÊTE operiert an der Schnittstelle von Zivilisation und Wildnis, von Natur und Kultur, von Mensch und Tier. Ein Film, der die Frage nach dem Für und Wider unserer Kultivierung aufwirft. Im Spannungsfeld zwischen dem animalischen Innen und dem zivilisatorischen Außen wird »la Belle« selbst zu »la Bête«.

VIEL LAUTER KANN ICH NICHT SCHREIEN

TV- und Internetbilder aus aller Welt durch- und überfluten unseren Alltag. Die Kontextualisierung erfolgt wie nebenbei – oder gar nicht. Wie stehen beispielsweise die Proteste im arabischen Raum mit der eigenen Realität in Beziehung? Wie mit der eigenen Person, dem eigenen Sehen, Hören, Verstehen? Robert Cambrinus’ Schrei ist ein stummer: Via Inserts sinniert er über das (Un-)Vermögen der eigenen Wahrnehmung. Privates vermischt sich dabei mit Öffentlichem. Dahinter ein visueller Medienwulst: unsortierte Protestbilder, Katastrophen-Images. Bild und Schrift kommentieren einander nur indirekt. Die Assoziationen sind notgedrungen individuell. (Diagonale)

SCHATTENBOXER

Um eine Haftstrafe wegen Körperverletzung abzuwenden, muss Ahmed ein Antigewalttraining absolvieren. Offen über seine Gefühle zu sprechen fällt ihm schwerer als so mancher Kickboxkampf. Hier wie dort zählt aber letztlich die Disziplin, meint sein Trainer einmal – denn kämpft man aktiv gegen den eigenen Schatten, gibt es nur selten Sieger. (Diagonale)

Unter Schattenboxen versteht man ein Element des Trainings, bei dem der Boxer mit seinem Spiegelbild trainiert. Ein Schattenboxer ist also einer, der mit sich selbst kämpft. Schattenboxer nennt Jannis Lenz die Titelfigur seines Kurzporträts, in dem der 23-jähriger Ahmet Simsek an einem Wendepunkt steht (…) – und basiert seinen Kurzfilm teilweise auf dessen Lebensrealität. Er begleitet ihn zu seinen (realen) Boxstunden und zum (fingierten) Antigewalttraining und lässt dadurch den Eindruck einer Grenzverwischung zwischen Dokumentation und Fiktionalität entstehen. Gleichzeitig verzichtet er auf Psychologisierung seiner Figur und beobachtet vielmehr dessen Reaktionen auf seine Umwelt. (Alexandra Seibel)

SEQUENCE OF TENSES

Basierend auf einem Sanskrit-Gedicht des im 5. Jahrhundert lebenden nordindischen Lyrikers Bhartṛhari visualisieren die Animationskünstlerin Adelee Raczkövi und der Schriftsteller Vikram Chandra ihre Vorstellungen von einer Welt nach der COVID-19-Pandemie. Der Film entstand im Rahmen des Projekts No-Place Like the Future, für das Künstler*innen aus Österreich in den USA zusammenarbeiteten.