FIJUKA: CA CA CARAVAN

Star Trek meets Barbarella: Im Musikvideo zu Fijukas Synthie-Dream-Pop-Song »Ca Ca Caravan« schicken Marie-Thérèse Zumtobel und Anselm Hartmann das deutsch-österreichische Musikerinnenduo als furchtlose Heldinnen in die Weiten des Weltalls. Als weibliche Inkarnationen von Ziggy Stardust, in körperbetonten Retrokostümen, bewaffnet mit phallischen Laserkanonen kämpfen Judy Jupiter und Caty Cosmos in ausgestellt künstlichen Kulissen gegen absurde Kreaturen und Aggressoren für den galaktischen Frieden. Die ironisch-verspielte Hommage auf B-Movies und Science-Fiction-Serien der 1960er-Jahre zelebriert den Camp: das Artifizielle, die theatralische Übertreibung, den Triumph von Stil über Inhalt, die »Entthronung des Ernstes« (Susan Sontag). (Michelle Koch, Diagonale)

FICTION

Ist ein Leben nur dann erzählenswert, wenn man Erfolge zu verbuchen hat? Als Teil einer Reihe mit dem Titel »wertlose Filme«, die der Regisseur des Films und sein Kollege Jan Soldat ins Leben riefen, um sich in einer freundschaftlichen Challenge gegenseitig zur regelmäßigen Filmarbeit zu motivieren, entstand während einer nächtlichen Fahrt durch Wien das Porträt eines ihm fremden Taxifahrers: minimalistisch, entwaffnend offen und das Gegenteil von wertlos. (Cinema Next)

EINIGE TURNÜBUNGEN

Turnen, Akrobatik, römische Arena, Kostüm und Spiele, queerer Circus Maximus. Zwei in der Körpermitte zusammengeschweißt, balancieren und schweben. Gladiatorinnen der Lust. (Andrea B. Braidt)

OGRIS DEBRIS: SEE THE WORLD

Das Video zum Track »See the World« von Ogris Debris folgt einer fortwährenden Bewegung durch eine Welt voller Metaphern, irgendwo zwischen Gaming und Surfen im Internet. Dabei wird die scheinbar objektive Wahrnehmung unserer Welt in Frage gestellt, die letztlich eine mediale Realität ist.

MUSEUMSWÄRTER

Was machen Museumswärter*innen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen? In dieser stimm(ungs)vollen Animationsfilm-Miniatur geht Alexander Gratzer dem Geheimnis auf den Grund.

DIE NACHT DER 1000 STUNDEN

Eine Familie, eine Nacht, ein Mord und eine verbotene Leidenschaft: Philip (Laurence Rupp), der von seinem Vater die Geschäfte der Familienfirma übernimmt, wird mit dem seltsamen Erscheinen seiner verstorbenen Vorfahren konfrontiert. In einer langen Nacht, in der sich die Ereignisse im Stadtpalais der Familie überschlagen, deckt er ein streng gehütetes Familiengeheimnis rund um seine Großtante (Amira Casar) auf.

Virgil Widrich verdichtet sein in melodramatischen Farbtönen gehaltenes Kammerspiel zum kritischen Generationenporträt. Das Unternehmerhaus wird zum geisterhaften Geschichtsmodell, in dem Gegenwart und Vergangenheit eine unheilige Allianz eingehen. Eine der Hauptrollen spielt das Haus selbst, welches mit Hilfe von digitalen Rückprojektionen am Set zum Leben erweckt wurde. Digitale VR-Techniken und Game Engines treffen auf das Kino.

BATTLEFIELD

Sommer auf einer österreichischen Militärbasis. Brummende Rasenmäher, Vogelzwitschern, Wasser spritzt aus einem Gartenschlauch. Ein Idyll samt »Blumenwalzer« von Tschaikowsky. »Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner«, soll Oskar Kokoschka einmal gesagt haben. In BATTLEFIELD von Jannis Lenz gerät der Konflikt zur akribischen Begegnung. (Diagonale)

#1: (COMMON PLACES)

Fiona Rukschcio vereint in ihrem Video #1: (COMMON PLACES) die Erzählungen von 27 Frauen über den ganz »normalen« Belästigungsalltag, dem jede Frau in jeder Situation ausgesetzt sein kann. Sie lässt Frauen die verschiedenen Belästigungssituationen an den entsprechenden Orten beschreiben, das Unbehagen der Betrachter*innen wächst. Und es gibt am Ende nicht mehr die Möglichkeit, zu sagen, »das geht mich nichts an, mir könnte so was nie passieren«. Im Gegenteil, #1: (COMMON PLACES) erzeugt eine Reflexion der eigenen Geschichte auf der Suche nach genau diesen, teilweise fast unsichtbaren, alltäglichen Belästigungen im weitesten Sinn.

Das Bild vom »bösen Unbekannten«, der an dunklen Straßenecken auf seine Opfer lauert, wird sukzessive demontiert. Wohl wird dieser Typus als eine Variante nicht verleugnet, doch schlussendlich sind es auch die Freund*innen, Bekannten, Arbeitskolleg*innen, Kund*innen, Studienkolleg*innen, Verwandten, die die physischen und psychischen Grenzen der Frauen missachten, die sie begrapschen, bedrohen, beglotzen, bequatschen und Abhängigkeitsverhältnisse zum eigenen Vorteil ausnützen wollen. (Harriet Leischko)

Zusammen mit #2: (SCHOLARIC STRATO/SPHERE) und #3: (SELF-DEFENCE EAR-FLAPS) bildet #1: (COMMON PLACES) eine Video-Trilogie, die weibliche Selbstverteidigung im weitesten Sinn thematisiert. #1: (COMMON PLACES) wurde auf der Diagonale 2000 mit dem Preis für Innovatives Kino ausgezeichnet.

LIST DO POLSKI

Ausgelöst durch die hohe Anzahl polnischer Migrant*innen in Brüssel, hinterfrage ich in diesem Kurzfilm meine Identität und schreibe einen Brief an mein polnisches Alter Ego. LIST DO POLSKI ist eine Reise zurück in die Kindheit, nach Polen, und die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Was wäre, wenn wir nie ausgewandert wären? (Jola Wieczorek)

DAS ERSTE UND DAS LETZTE MAL

Mehrere Wochen begleitet Rafael Haider vierzig Lehrlinge einer Supermarktkette, die in einem Ausbildungsprojekt das Theaterstück »Romeo und Julia« erarbeiten. Der Film folgt den Wendungen zwischenmenschlicher Dynamiken im Rahmen der Proben und zeichnet ein aktuelles und ungewohnt offenherziges Bild junger Lebensrealitäten. (Diagonale)