KROCHACARRALDO

Ein Film über einen Filmdreh, über Wahnsinn und Scheitern. Für einen Vorfilmwettbewerb ersinnt Regisseur Christoph Schwarz eine groteske White-Trash-Adaption von Werner Herzogs Klassiker FITZCARRALDO. Auf einem Floß aus Plastikmüll soll ein waschechter Wiener »Krocha« die Donau hinabfahren. Doch alles läuft aus dem Ruder. Wahndreist samt Neon Cap – Kinski meets Jumpstyle. (Diagonale)

FAMILIENURLAUB

Bilder einer Reise in den Irak: Der Vater singt am Straßenrand. Schnitt. Schwester Tanya auf dem Laufband. Schnitt. In 17 Szenen lässt uns Kurdwin Ayub am titelgebenden Familienurlaub teilhaben. Wenn die Mutter bei der Erinnerung an Bagdad in Tränen ausbricht oder der Vater – ungeachtet anderer Meinungen – vom unbedingten Aufschwung Kurdistans schwärmt, vermischt sich Persönliches mit politischer Aktualität. Dazwischen: Alltag, Fadesse und inszenierte Spielszenen mit den Geschwistern – Miniaturfilme im Film. Ein wunderbar bunt irisierendes Kaleidoskop der Normalität. (Diagonale)

ZWEITE BEGEGNUNG DREIER PROTAGONISTEN. DIE SUCHE EINER VERLOREN GEGLAUBTEN SEHNSUCHT

marshmallow kakao
verkühlt rumpelnde batterien
die ruhe der berge bewahrend

watte am strauche
rinnen bildendes wasser in den parks
die entwicklung hin zum flur zurück

enge steile punklose gassen
zart schmelzende schokolade
eine himeros fahrt nach weerberg

(Guillermo Tellechea)

ART EDUCATION

Express-Lektion in Kunstgeschichte à la Maria Lassnig: ART EDUCATION ist ein frecher Trip durch die Jahrhunderte, in dem die »Superstars« unter den Kunstwerken, wie Michaelangelos »Erschaffung Adams«, in szenischen Miniaturen re-kodiert und Lassnigs feministischer Deutung unterzogen werden.

HASENLEITEN

Handstand auf der Tischtennisplatte, Selfies beim Skaten: Die Jugendlichen von Hasenleiten nutzen den Park der Gemeindebausiedlung rund um die Uhr. Und auch fürs Filmemachen taugt er. Lotte Schreiber begleitet die Heranwachsenden durch den Alltag und erzählt nebenher die bewegte Geschichte der Siedlung im Südosten Wiens. 1915, während der österreichisch-ungarischen Monarchie, als Spital erbaut, diente die Anlage während des Zweiten Weltkriegs der Unterbringung von Jüdinnen und Juden aus Wien, bevor diese in das Konzentrationslager Dachau deportiert wurden. Heute leben in den 28 Häusern mit 1.214 Wohnungen die Jugendlichen, die im Park sitzen und überlegen, ob es diesen auch in Zukunft noch geben wird. (Eva Königshofen, Diagonale’23)

IM TRAUM SIND ALLE QUALLEN FEUCHT

Österreich-Premiere

Orlando versucht einen unauffälligen Besuch in der Sauna zu meistern kennt aber die Regeln nicht. Paula traut sich nicht, sich vor den anderen auszuziehen. Manu will einfach nur Kontakte knüpfen. Lauras schöner Cousin will nicht zugeben, dass er nicht schwimmen kann. Die schöne Lea schämt sich für nichts und Thea versucht, von Lauras schönem Cousin, den sie begehrt, nicht gesehen zu werden. Das jüngste Kapitel im filmischen Œuvre von Marie Luise Lehner ist ein glühendes Manifest für das Brechen von gesellschaftlichen Normen und Schamzuschreibungen und eine liebevolle Hommage an queere Körper, queere Identitäten und ein äußerst spielfreudiges Künstler*innen-Ensemble.

GARDEN CRESS GROWING

In dieser Zeitrafferaufnahme von 6,3 Tagen wird Gartenkresse von einem winzigen Roboterarm gesäht und pflegt. Wassertropfen und Samen werden dafür in einem 6×6-Raster im Abstand von einer Stunde platziert.

MUSICLESS MUSICVIDEO: SIA – CHANDELIER

In seinem Metier sollte man sich im Ton wirklich nicht vergreifen. Nachdem er sie um den Faktor Musik bereinigt hat, fettet der oberösterreichische Sounddesigner Mario Wienerroither Musikvideos und Serienintros mit realitätsgetreuen Szenengeräuschen wieder auf. Spaghetti, Erdnüssen und Zimmerpflanzen sei Dank. (Martin Macho)

FREUDE

Zersetzen, verfaulen, verwesen: Thomas Draschans FREUDE ist ein visuelles Vergnügen, ein populärkultureller Bildersturm, ein auf der Leinwand explodierendes Feuerwerk. FREUDE ist Film pur – in Form, Rhythmus und Montage.

LIEBE TV

»Wir zwei sind füreinander geschaffen.« Eine Folge der TV-Serie REICH UND SCHÖN gerät Hubert Sielecki in die Finger. Dem schwülstigen Dialog der beiden Liebenden widerfährt in Sieleckis erster Computeranimation (mit dem Perception Video Recorder – PVR) gnadenlose Entlarvung und Entzauberung durch die digitale Nachbearbeitung der Einzelbilder.