STUNDEN MINUTEN TAGE

Ein Tag im Leben einer Frau. Sie ist nur in Ausschnitten zu sehen. Nicht sie als Beobachterin ist wichtig, sondern das zu Beobachtende: die alltäglichen Bilder und Geräusche. Wie aus Legosteinen zusammengebaut, entsteht eine poetische Dichte, ein rhythmisches Klangbild.

DOUBLE 8

Zwei Handkameras, zwei Rollen Doppel-8-Material, vier Kader: In ihrer filmischen Begegnung nehmen sich Christiana Perschon und Linda Christanell – zwei Künstlerinnen aus unterschiedlichen Generationen des österreichischen Avantgardefilms – gegenseitig in den Blick, agieren zugleich als Filmende und Protagonistinnen miteinander. Zu zweit, mit je einer Kamera, entstehen so vier Bilder, die – im Split Screen auf der Leinwand angeordnet – den visuellen Vergleich nahelegen: Was ähnelt sich und worin? Wo entstehen Brüche? Wie verhalten sich die Gefilmten und die Filmenden zueinander? (Diagonale)

WIR SIND DIE MUTANTEN

Was macht man als reformorientiertes Unternehmen, das einen Haufen unkündbarer Mitarbeiter*innen am Hacken hat? In Österreich wurde im Zuge einer Reform der Post eine Art Paralleluniversum für jene Mitarbeiter*innen gegründet, die noch bis zur Pensionierung im Unternehmen zu verbleiben haben. Ohne sinnvolle Beschäftigung den Arbeitstag verbringend, auf Trab gehalten durch fragwürdige Fortbildungen und untergebracht in abgeschotteten Bürotrakten, entpuppt sich diese sozial verträgliche Maßnahme als perfide Menschenverachtung mit System. (Lina Dinkla)

Konrad Wakolbingers Kurzdokumentarfilm WIR SIND DIE MUTANTEN – der Titel verdankt sich einer Interviewaussage des ehemaligen Post-Vorstandsvorsitzenden Anton Wais – geht der Frage nach, was aus den menschlichen Arbeitskräften wurde, die bei der Privatisierung des Staatsunternehmens auf der Strecke blieben. (…) Er behandelt das, was gerne übersehen wird, wenn auf ein etabliertes System ein effizienzgesteigertes folgt: den Kollateralschaden. (Dominik Kamalzadeh)

CSL

»Ich kann meinen Namen hundertmal hintereinander sagen – und fühle mich jedesmal aufs Neue ertappt. Bin das wirklich ich?«

Unter dem Vorwand, einen Film drehen zu wollen, gründet Christoph Schwarz einen Stammtisch für gleichaltrige Namenskollegen. Daraus entsprießt Großes: eine Christoph-Schwarz-Loge, ein geheimer Männerbund! Doch der Film gerät tatsächlich zum Film und die inszenierte Realität zur dokumentierten Fiktion. Und irgendwann verliert der Medienkünstler in diesem Verwirrspiel scheinbar selbst den Überblick. Ein Strudel aus Dichtung und Wahrheit, erzählt von einer Stimme aus dem Off. Diesmal ist es wirklich Christoph Schwarz. Nur welcher? (Diagonale)

AN EDUCATED WOMAN

Zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdbestimmung: Eine kurze Paint-on-Glass-Animation von Maria Chalela-Puccini über das Dilemma der eigenen Identität. Preisträgerin des Hubert-Sielecki-Preis für einen österreichischen Animationsfilm bei Tricky Women 2015.

MARS

Computeranimierter Kurzfilm über die erste Landung der Menschheit auf dem Mars. Die Mission läuft nicht ganz nach Plan und ein erbitterter Wettlauf um den roten Planeten beginnt.

AUF DEM GRUND DES WÄSCHEKORBS

Adele Razkövis Kurzfilm nähert sich einem Alltagsmythos – dem leeren Wäschekorb. Ausgehend von der dokumentarischen, höchstwahrscheinlich autobiografischen, und auf alle Fälle philosophischen Fragestellung, was sich auf dem Grund des Wäschekorbes verbergen könnte, wenn er denn je einmal erreicht wäre, setzt die Protagonistin zum Sprung an. Animation, Malerei, Musik, Skulptur, Literatur und Tanz – unterschiedlichste Disziplinen fließen ineinander und ergeben eine mehrstimmige Ode an einen gewöhnlichen Gegenstand. (Christina Wintersteiger)

LOVING IN BETWEEN

»Birthing is hard, dying is mean. Get yourself a little loving in between.«
– Langston Hughes

»Gönnt euch zwischendurch mal etwas Liebe!« Mit diesen ermunternden Worten des afroamerikanischen Dichters Langston Hughes eröffnet Jyoti Mistry ihren Kurzfilm, der in Archiven gefundenes Filmmaterial aus dem 20. Jahrhundert zu einer dynamischen Montage verdichtet. Lustvoll enthüllt und erhellt die Künstlerin filmische Spuren queerer Sexualität, die auf der Tonspur von einer eindrucksvollen Spoken-Word-Performance begleitet werden. Swing Time! (Diagonale)

DIE RÄUBERINNEN

Agnes, Gloria und Medusa fahren aufs Land, um sich auf einen Raubüberfall vorzubereiten. Bei dem wollen die drei trans Frauen zur Tarnung als Männer auftreten – so der Plan. Die nächsten Tage verbringen sie mit der Probe des Coups und dem Einstudieren männlich konnotierter Verhaltensweisen. (…) Während ihr Alltag als Freundinnen und Beziehungspersonen nicht einfach aufhört, wechseln sich Heiterkeit und Verzweiflung ab, denn so viel performte Cis-Männlichkeit auf einmal ist anstrengend. In nur 15 Minuten lässt der zärtlich-radikale, dichte und komplexe Kurzfilm Zuschauer*innen und Protagonistinnen ein breites Spektrum von Gefühlszuständen durchleben. (Julia Polzer, Diagonale)

CHICKENSSUIT – ERNI

Hendl Erni ist keineswegs irritiert, dass man es in einen rotweißroten Anzug gesteckt hat. Auch das Eierlegen würde funktionieren in diesem »Chickenssuit«, den ihm Edgar Honetschläger 2005 für eine Kunstaktion in Tokio auf den Leib geschneidert hat. Die mittlerweile global patentierte Kleidung für Hühner ist eine Reflexion über die Befindlichkeit der industrialisierten Welt. Nicht der Anzug mit Tragegriff ist das Ergebnis, sondern unsere Lust auf schräge Bilder und damit zu weckende »Bedürfnisse«, selbst auf absolut Unnötiges.