ES HAT MICH SEHR GEFREUT

Und der alte Kaiser sagte: »Danke, es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!« (Mara Mattuschka)

In ES HAT MICH SEHR GEFREUT wird die berühmte kaiserliche Zitatphrase mit einem ironisch angelegten Masturbationssetting verkoppelt.

WANNABE

Coco ist 17, hübsch und fest entschlossen, irgendwann groß rauszukommen. Noch lebt sie in einem Wiener Gemeindebau, aber mit ihrem eigenen YouTube-Kanal »Coco Channel« ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie reich und berühmt ist. Denkt zumindest sie selbst. (Diagonale)

Im Stil einer fiktionalen Dokumentation begleitet Jannis Lenz die Geschichte der jungen YouTuberin, die sich selbst eine fiktive Welt im Internet aufbaut, als Crossmedia-Projekt zwischen Kino und Internet. Die während der Dreharbeiten im Internet veröffentlichten Clips ergeben eine eigene Geschichte und ermöglichen es, die Handlung von WANNABE aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: youtube.com/CocoChannel99

BACK TRACK

Ein audiovisuelles Spiegelkabinett in rasend schönem Schwarzweiß. Virgil Widrich kompiliert Filmausschnitte aus den 1950er- und 60er-Jahren zu einem Bilder-Remix, der sich durch Mehrfachprojektionen auf präzis platzierte Spiegel und Leinwandkonstruktionen in die (von Hand gebaute) Dreidimensionalität übersetzt: Direkt in der Studiokulisse und mit ihr interagierend legen sich die Bildebenen im wortwörtlichen Sinn vor-, über- und hintereinander, einmal zerbersten sie gar im Beschuss von Pistolenkugeln. Wie sich auch Traum, Wahn und Wirklichkeit in Korrespondenz mit dem Metanarrativ verschränken und auflösen, bis nur eine einzige Wahrheit Bestand hat: »Looking at something changes it.« (Diagonale)

THAT HAS BEEN BOTHERING ME THE WHOLE TIME

Ausschnitte eines verhüllten, tanzenden Körpers vor kontrastreich fotografiertem Hintergrund – lebendig, elegant, sinnlich. Alsbald gewährt die Kamera Draufsicht, und der edle Stoff erweist sich als Burka. Religiöse und politische Assoziationen sind nicht länger vermeidbar. Im Spiel mit Repräsentationen artikuliert Arash T. Riahi die Ambivalenz eines Diskurses, der den Rahmen einer bloßen Tanzperformance bei Weitem sprengt. (Diagonale)

THAT HAS BEEN BOTHERING ME THE WHOLE TIME entstand im Rahmen des Performancestücks VERSUCHSPERSON SILKE GRABINGER 2.0, das 2013 bei ImPulsTanz uraufgeführt wurde. Silke Grabinger lud abermals Choreograf*innen und Künstler*innen ein – diesmal Benoit Lachambre, Trajal Harrell, Astrid Endruweit/Michael Laub, Dave St. Pierre und Arash T. Riahi –, ihr je ein 10-minütiges Stück auf den Leib zu choreografieren.

AURORE

Aurore ist eine Stimme, die Menschen glücklich machen soll. Etwa in einem Senior*innenheim. Sie hat keinen Körper, kennt weder Schmerz noch Einsamkeit. Marlies Pöschls kollaborativ entstandener Dreiakter reflektiert über automatisierte Pflege, Programmierbarkeit von Affekten und das Selbstbewusstsein künstlicher Intelligenz. (Diagonale)

Entstanden im Rahmen des Programms »Pixel, Bytes and Film«, basiert AURORE auf den Ergebnissen eines Workshops, den Marlies Pöschl gemeinsam mit Grundschüler*innen, Maturierenden und Senior*innen 2017 am CAC Brétigny veranstaltete. Es galt, praktische Antworten auf die Fragen zu finden: Sind Empathie, Fürsorglichkeit, Anteilnahme und Pflegekompetenz programmierbar? Dabei entstanden u.a. Haushalts- und Pflegeroboter, Glücks-Umverteilungs-Maschinen zur Regulation ungleicher Zufriedenheitsniveaus, vollautomatisierte Personal Assistents, und eben: Aurore.

FLOWERS POWER – THE NEW SPRAY BY SUSIE FLOWERS

Achtung, eine wichtige Kund*inneninformation: Das Accessoire für die besondere Prise Glamour im Leben – samt Leberkäsesemmel – hat Susie Flowers, queere Künstlerin, DJ und Drag-Performerin, Model und Veranstalterin (u.a. »Henny Happening«).

TESTUDO HERMANNI

Die Kühlschranktemperatur beträgt 5 Grad, ideale Bedingungen für Frischkäse, Milch – und Tony. Seit über 20 Jahren lebt die griechische Landschildkröte bei der Familie des Regisseurs. Im Gegensatz zur weißen Winterlandschaft im Wandkalender ist der Salzburger Untersberg jedoch kaum mit Schnee bedeckt. Da die Winter auch hier milder geworden sind, ist Tony zum Überwintern ins Gemüsefach umgezogen, um die notwendigen Bedingungen für eine mehrmonatige Winterstarre vorzufinden. »Eine Beziehungsgeschichte, die im Angesicht der Unvorhersehbarkeiten eines sich verändernden Klimas, der Zunahme extremer Wetterereignisse und starker Temperaturschwankungen eine Resilienz entwickelt, in der nicht nur Vor- sondern vor allem auch Fürsorge eine wesentliche Rolle spielt.« (Martina Genetti)

WANKOSTÄTTN

In hellem Anzug mit elegantem Hut und Krawatte steht Karl Stojka auf der Quellenstraße in Favoriten, einem ehemaligen Arbeiter*innenbezirk in Wien. Wir folgen dem Sog seiner Erinnerungen, wie er bewegend vom Leben der Rom*nja im nationalsozialistischen Wien und in der Lovara-Siedlung Wankostättn berichtet. Der gleichnamige kurze Dokumentarfilm basiert auf Interviews, die Karin Berger 1997 mit Karl Stojka geführt hat. Als zwölfjähriges Kind wurde er 1943 mit seinen fünf Geschwistern in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Er hat überlebt, so wie seine jüngere Schwester Ceija Stojka, die Karin Berger schon früher in zwei berührenden Filmen porträtiert hat. Der aktuelle Film ist das Ergebnis einer langen, freundschaftlichen Verbundenheit der Filmemacherin mit Ceija und Karl Stojka und ein einzigartiger Film über einen verschwundenen Erinnerungsort. In einer Gegenwart, in der die letzten Zeitzeug*innen sterben, stemmt sich die Dokumentarfilmemacherin Karin Berger gegen das drohende Schweigen und zeigt eine essenzielle Funktion des Kinos auf.

MUSICLESS MUSICVIDEO: DIRTY DANCING – TIME OF MY LIFE

In seinem Metier sollte man sich im Ton wirklich nicht vergreifen. Nachdem er sie um den Faktor Musik bereinigt hat, fettet der oberösterreichische Sounddesigner Mario Wienerroither Musikvideos und Serienintros mit realitätsgetreuen Szenengeräuschen wieder auf. Spaghetti, Erdnüssen und Zimmerpflanzen sei Dank. (Martin Macho)

WURSCHT

Wie Fleischeslust Träume, Schmerz und Liebe inszeniert, täuscht Wurst über ihre Herkunft hinweg. Aus einem Schwein wird nicht das Endprodukt Wurst, sondern dieser Film.