TELE-DIALOG

Zwei Kulturpraktiken, die mit Gender-Zuschreibungen verknüpft werden, kombiniert: bienenfleißige Handarbeit und die Vorliebe für nachmittags ausgestrahlte Beziehungsdramen. Zu »einfach gestrickten« Originaldialogen aus dem Fernsehen hat Veronika Schubert ihren entlarvenden Film TELE-DIALOG, mit dem sie ihr Studium an der Kunstuniversität Linz abschloss, aus 800 gestrickten Einzelbildern hergestellt.

A PERFECT ME, A PERFECT YOU

»I am going to tell you a story about a perfect me and a perfect you.« – Mit minimalistischen Filzstiftzeichnungen und Voice-over reflektiert Dina Bukva über Körper-Bilder, Schönheitsideale, Selbstinszenierung und den Kampf um soziale Inklusion durch virtuelle Likes in Zeiten von Instagram und Facebook.

FAHREN

Veronika Barnaš begleitet in ihrem Film FAHREN zwei Familien von Schausteller*innen und sieht vor allem: Bewegung. Auf langen Fahrten von Schauplatz zu Schauplatz berichten sie vom unsicheren Geschäft auf den Jahrmärkten Österreichs, von der harten Arbeit am temporären Spektakel, die – ob als Großfamilie oder eingespielter Zwei-Personen-Betrieb – nur eines zum Zweck hat: Den Menschen auf den Fahrgestellen einen kurzen Moment der schwerelosen Leichtigkeit zu ermöglichen.

SUPERCARGO

Christoph Schwarz wird auf ein Artist-In-Residency Programm nach Shanghai, China, eingeladen. Um die kulturelle und subjektive Differenzerfahrung zu maximieren, gestaltet er den Weg dorthin als ästhetisch-existentialistisches Erlebnis und reist auf dem Seeweg an Bord eines Frachtschiffes. Seine persönliche Situation auf dem Schiff, vor allem seine Einsamkeit, beginnt ihn zu beschäftigen. Mit der Zeit entwickelt er ungewöhnliche Verhaltensmuster, baut persönliche Beziehungen zu den geladenen Containern auf. Er gibt ihnen Namen und behandelt sie als Mitreisende, als wären sie Freunde. So ensteht eine Geschichte, die von der sozialen Isolation und dem sukzessiven mentalen Zusammenbruch des Künstlers erzählt. (Bernhard Garnicnig)

MIGRATION STANDARDS

»Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der es selbstverständlich ist, dass alle Menschen die gleichen Rechte teilen«, formulierte die Petition »Ausschluss Basta« als Initiative von Kulturarbeiter*innen, Aktivist*innen und Forscher*innen anlässlich der 2010 kontroversiell geführten »Integrations«-Debatten in Österreich und Deutschland. In ihrer Videoarbeit greift die Künstlerin Borjana Ventzislavova diese und andere migrationspolitische Forderungen auf.

»Sie werden aber nicht von den Akteur*innen selbst vorgebracht, sondern von vier Kindern und Jugendlichen, die nacheinander vor unterschiedlichen Kulissen ihre Statements an die Kamera richten. Auch die Settings sind irritierend: Wohlbekannte Ansichten von Wiener Sehenswürdigkeiten wie Schloss Schönbrunn und Parlament sind als Hintergrundmotive in und vor verschiedene (Un-)Orte wie eine Autobahn, Landschaften mit Bahngleisen oder eine darüber liegende Flugschneise gestellt. Sie lassen sich als transitorische Räume beschreiben, die in erster Linie dem Zweck des Transports und der Mobilität dienen. (…) Potenziell sind ihnen damit auch migratorische Praktiken der Flucht und der illegalisierten Grenzüberschreitung eingeschrieben. (…) In der befremdlichen Verdichtung dieser kontrastierenden Elemente ruft Ventzislavova widerstreitende Bilder, individuelle und kollektive Projektionen zum allgegenwärtigen Thema Migration auf.« (Luisa Ziaja)

G_GIRLS (GINNY/GRACIE)

Ginny und Gracie: zwei Miniaturen über zwei jugendliche Mädchen, miteinander lose verbunden durch ein Telefonat. Die Mädchen treten nicht als Figuren in Erscheinung, sondern werden ausschließlich über Dialoge und animierte Lebensräume skizziert: graue architektonische Bleistiftzeichnungen einer Plattenbausiedlung auf der einen, breitpinselige Rotoskopien einer besseren Wohngegend in gedeckten Braun-Grau-Tönen auf der anderen Seite. Zwei Welten, die sich ähneln, ohne gleich zu sein, und deren äußere Realität mit den Träumen und Bedürfnissen der Mädchen kollidiert. Zwei ästhetisch abstrahierte Milieuzeichnungen, die nicht soziologisch präzise, dafür jedoch poetisch verdichtend zwei ganze Leben aufmachen – und von denen man sich wünscht, sie würden auf eine unbestimmte Anzahl weiterer Menschen, Leben, Gegenden treffen. (Diagonale)

MIRA LU KOVACS: STAY A LITTLE LONGER

Lydia Nsiahs analoge 16mm-Bilder in Schwarzweiß und Farbe betten den Gesang und die intimen Zeilen aus Mira Lu Kovacs Feder in ein Firmament aus kargen Naturszenerien, die eine ohnehin schon weit aufgerissene Kluft emotionaler Selbstreflexion um ein Vielfaches potenzieren. Fahrten durch nebelverschleierte Ebenen, sehnsuchtsvolle Blicke in menschenleere Weiten. Die Welt steht kopf, verliert sich in der Abstraktion, färbt sich ein, bewegt sich unaufhaltsam weiter. Eine audiovisuelle Ode an die wohlwollende und rettende Selbstliebe – minimalistisch, schwermütig, voller brüchiger Schönheit. (Diagonale)

SELFPORTRAIT

SELFPORTRAIT, entstanden 1971 in New York, von dem es heißt, es sei das erste Selbstporträt in Zeichentricktechnik überhaupt, verdankt seine Wirkung einem Clash von Bild und Ton. Maria Lassnig, oder genauer ihr filzstiftgezeichneter Kopf, singt Englisch mit herzzerreißendem österreichischem Akzent. Über das bisherige Leben, ihre Träume, die ewige Suche nach der besseren, männlichen Hälfte: »To look for the better half«. Doch passt mal ein Partner in Form und Farbe, nennt er sie bald schon weak und woman im gleichen Satz. (Maya McKechneay)

JUMPING HOCHHÄUSER

Man liest oft, ein Film habe Sprengkraft. Das trifft auch auf Tomash Schoiswohls Analyse der Sprengung von – gescheiterten oder eher vernichteten – Sozialbauten in Linz, St. Louis und Glasgow zu. Allerdings hat sein Film auch Springkraft – wo die neuen Hochhäuser des Kapitals errichtet werden, springt der Filmemacher unablässig auf und ab. Ein wilder, inspirierender Vorschlag für agitatorisches Kino, das Dissens springend greifbar macht. (Diagonale)

DEAD RECKONING

Eine Meditation über das Unglück: Zwei animierte Manifestationen derselben Figur interagieren, während diese der Maxime folgt: »Iss, trink, lass es dir gut gehen – weil wir morgen sterben werden.«