NABELFABEL

In NABELFABEL verpasst sich Mara Mattuschka durch etliche Strumpfhosen hindurch eine zweite Geburt. Ihr Körper kriecht derart deformiert und angestrengt aus den Nylonschichten, daß der schiere Überlebenskampf sichtbar wird. (Peter Tscherkassky)

MUTTER VON MUTTER

»Familiäre Wärme, wie sehnte ich mich eigentlich danach.« Großmutter, Mutter, Tochter – verkörpert von einer Person, der Mutter der Filmemacherin, die in einem beschwerlichen und schmerzlichen Prozess Familienarchäologie betreibt. Lückenhafte Erinnerungen und selbstreflexive Gedanken, ein Brief der verstorbenen Großmutter, vorgelesen aus dem Off: All dies ergibt ein schemenhaftes Bild dreier Generationen von Frauen, die sich nicht wirklich kennen, deren Verhältnis von Berührungsängsten, Trennung und Abwesenheit bestimmt ist. Ein Gefühl, dem auch bildlich Ausdruck verliehen wird: Sachlich und doch intim kadrierte Rückenfiguren, gegenständliche Details, Hände und Gewebe, die metaphorisch zerschnitten und zusammengenäht werden, wie es die Filmemacherin mit den Fäden ihrer Vergangenheit unternimmt. (Diagonale)

ES L(I)EBE DER TOD

Der Tod verliebt sich Hals über Kopf in das Leben, das ihn anfangs jedoch – eitel, wie es ist – abweist. Der Tod gibt sich jedoch nicht so leicht geschlagen.

TRASHY RAUSGEPUSTET

Die Frage einer Redakteurin an den Animationsfilmer, wie er seinen Film am Computer gemacht hat, wird von ihm ausgiebig und lehrreich beantwortet – kongenial getextet und interpretiert vom deutschen Maler und Filmemacher Jochen Kuhn, während Hubert Sielecki in die Haut des Befragten schlüpft. Laut Wittgenstein liegt ein Sprachspiel dann vor, wenn ein Sprecher seine Sprache zur Privatsache macht. Externe oder andere sollen gar nicht verstehen, was gemeint ist. Selten ist die »elaborierte Sprache von vermeintlich hippen Insidern« so gekonnt persifliert worden wie in TRASHY RAUSGEPUSTET. Aus der fünfteiligen Serie GLAUBWÜRDIGE TEXTE.

12 THINGS OF COVID (ÖGS)

Fünf! Verschiedene!! Masken!!! Zu Weihnachten 2020 veröffentlichte der US-amerikanische Schauspieler und Social-Media-Star Kurz Tocci das traditionelle Weihnachtslied »The Twelve Days of Christmas« von 1780 in seiner persönlichen COVID-19-Version – und reflektierte damit was uns in den Tagen der Lockdowns wohl alle am meisten beschäftigt hat. Das Video wurde sofort zum YouTube-Hit mit mittlerweile mehr als 1,4 Mio. Klicks. Der in Wien lebende gehörlose Filmemacher Christoph Kopal performt hier höchstpersönlich seine Interpretation in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS).

DIE BEWEGUNG DER STERNE

Eine hereinbrechende Gewalttat stattet harmlos klingende Kinderbuchverse mit einer Doppelbödigkeit aus, die unter dem Eindruck einer Sonnenfinsternis sogar massenmediale Schreckensmeldungen in den Schatten stellt. Bis es so weit ist, begleitet die Kamera die achtjährige Lena und ihren Vater auf Schritt und Tritt durch einen Alltag, dessen emotionale und technische Störmomente ein Zwiegespräch über Mensch und Kosmos – und damit auch deren Beziehung zueinander – begünstigen. (Diagonale)

UPWARDS TIDE

Magische Mondträumereien, über vier Jahre jeweils zu Vollmond gefilmt. Dieses schimmernde Bewegtbildpoem kombiniert in flüssigen Übergängen Bilder vom Salzwassersee Loch Carron in den schottischen Highlands mit üppigen Wiener Wäldern. Die beiden Orte vermischen sich, verschwimmen ineinander, ebenso wie der Film (auf prächtig veralteten Analogfilm gebannt) frei zwischen menschlichen Körpern und Wassermassen hin und her pendelt. Metaphysisch, im Wandel, transformativ. (Neil Young, Vienna Shorts)

TAKO TSUBO

Das Herz sei nur noch eine Last, erklärt ein leidender Mann dem Arzt. Dieser bietet ihm zuversichtlich einen Eingriff an. Denn wer einem Leiden oder Laster verfallen ist, kann sich inzwischen das dazugehörige Organ entfernen lassen. Doch das Loch, das zurückbleibt wird, blutet weiter. Das Takotsubo-Syndrom beschreibt in der Medizin eine Form der Herzinsuffizienz. Doch bei Fanny Sorgo und Eva Pedroza wird dieses Broken-Heart-Syndrom zu einer Meditation über emotionale Insuffizienz. (Susanne Gottlieb, Diagonale)

PLATONISCHE PASSANTEN

Inspiriert von asiatischem Schattentheater, Platons Höhlengleichnis und in Reflexion über die scheinbare oder wirkliche Vergänglichkeit unseres Daseins entstand dieses filmische Gedicht.

IM ANFANG WAR DER BLICK

Man stelle sich ein Österreich-Portrait vor, gedreht von Jan Svankmajer und David Lynch. Dann bekommt man einen ersten Eindruck von Bady Mincks phantastischem Kinostück IM ANFANG WAR DER BLICK, in dem ein Schriftsteller Österreich in seinen Postkarten erforscht. Der Erzberg und Salzburg werden Landschaften zwischen Traum und Alptraum. Und die Texte, auf den Rückseiten der Karten verborgen, kommen als ein Flüstern ins Bild geschlichen: schreckliche, schmerzliche Texte, von wem auch immer geschrieben im Laufe der Zeit. Eine Spannung zwischen Bild und Text, Suspense zwischen Kultur und Landschaft. (Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung)