AMÉLIA & DUARTE

In einer reizvollen Kombination aus Stop-Motion-Bildern und Collagen erzählen Alice Guimarães und Mónica Santos eine Geschichte aus dem Archiv der »Verlorenen Lieben« im Schnellvorlauf: Amélia und Duarte, wie sie sich verlieben, wie sie sich entlieben, wie sie sich trennen und nun unabhängig voneinander versuchen, mit ihren Gefühlen zurechtzukommen.

TINY LITTLE DELICATE FOREIGN CASTLES

Eine Kamera ist eine gefährliche Waffe und schon alleine ihre Präsenz eine plausible Bedrohung. Auch wenn niemand so genau weiß, was da eigentlich passiert. Das ist die Welt, in der sich der Filmemacher Rob Key bewegt, als er versucht, Botschaftsgebäude in Lissabon zu filmen.

THE ARTIFICIAL HUMORS

Im Amazonasbecken erforscht die Wissenschaftlerin Claude Laroque, wie sich Emotionen an Roboter vermitteln lassen. Ihrem Roboter Coughman bringt sie Erkennungsmuster für die unterschiedlichen Gefühlslagen von Menschen bei. Dabei wird sie von einer indigenen jungen Frau unterstützt. Und so entdeckt Coughman die Liebe – bis er umprogrammiert wird, um auch die Fähigkeit des Humors zu erlangen, und diese als Stand-up-Comedian unter Beweis stellen soll.

In großen Bildern erzählt Gabriel Abrantes (u.a. DIAMANTINO) eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Die großen Fragen des Lebens können nicht ohne Humor diskutiert werden, zitiert er den Philosophen Ludwig Wittgenstein und verbindet in THE ARTIFICIAL HUMORS Gedanken zu Anthropologie, zur Lebensweise indigener Gemeinschaften und zu Eigenarten Künstlicher Intelligenz.

BATRACHIAN’S BALLAD

»Es war einmal in einer Zeit, da es noch keine Menschen gab, da waren alle frei und konnten miteinander sein«, erzählt eine Stimme aus dem Off. »Alle Tiere tanzten gemeinsam und das Glück war über alle Maßen. Nur einer, der war nicht eingeladen zu dem großen Fest – das war der Frosch. In seiner Wut über die Ungerechtigkeit beging er Suizid.«

Roma und Fröschen ist gemein, dass sie nie nicht gesehen werden, nie unbeachtet bleiben. Die junge Regisseurin Leonor Teles verwebt in ihrem Film die Lebensumstände der Roma in Portugal heute mit der Erinnerung an ein Gestern. Sie bleibt keine passive Beobachterin, sondern entscheidet sich für eine eindeutige Teilnahme und Position. Als drittes Standbein etabliert sie eine aktiv angewandte Performance-Kunst, die Eintritt in die filmische Erzählung findet. Aus dem »Es war einmal« wird ein »Es ist«. »Danach ist nichts wie vorher, und die Melodie des Lebens wird sich verändert haben«, sagt die Stimme aus dem Off. (Berlinale)

Leonor Teles wurde auf der Berlinale 2016 als jüngste Preisträgerin aller Zeiten mit dem Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm ausgezeichnet.

AMOR, AVENIDAS NOVAS

Manel ist 20 Jahre alt und hat eine idealisierte Vorstellung von Liebe. Nicolau und dessen Freundin borgt er darum bereitwillig seine Doppelbett-Matratze, im Tausch gegen eine Einzelmatratze. Auf dem Heimweg mit dem sperrigen Gepäck gerät er in Dreharbeiten einer Gruppe von Studentinnen. Was mit einer Foto-Story beginnt, gipfelt in einer kitschigen Musical-Nummer. Ein ungewöhnlicher und charmanter Liebestrip in den Straßen von Lissabon.

RASTOS DE PÓ

Inspiriert von einer realen Episode, zeigt diese Geschichte einen Teil der Jugendkultur, in der Vorurteile und Hierarchien entstehen, aber Einfallsreichtum und Strategien des Überlebens genauso präsent sind.

THE GARBAGE MAN

Die Familie erinnert sich an Onkel Botão, der nach seiner Emigration 30 Jahre lang in Frankreich als Müllmann arbeitete und liebevoll weggeworfene Gegenstände für seine Familie sammelte. Filmemacherin Laura Gonçalves war jung, als ihr Onkel starb, daher hörte sie Geschichten über sein außergewöhnliches Leben, die mit diesen Gegenständen verknüpft sind, nur am Esstisch. Für ihren Film tauchte sie tiefer in die Geschichte ihrer Familie ein und sammelte zahlreiche Gespräche mit ihren Verwandten, die auch dunkle Kapitel in der Geschichte Portugals berühren.

JULIA, ROMANI MATRIARCH

Seit mehr als einem Jahrhundert haben viele Roma Communities ihre traditionelle nomadische Lebensweise aufgegeben und sich in den kleinen Dörfern und Städten in Zentralportugal niedergelassen. Julia führt einen 15-köpfigen Haushalt an und steht als Matriarchin drei Roma Siedlungen in Abrantes vor. In einer fesselnden Montage aus Fotografien und Videoaufnahmen lässt Pedro Branco Julia Stationen ihres Lebens erinnern und reflektieren auf welche Weise Roma Traditionen ihren Platz im modernen Leben haben.

ICE MERCHANTS

An schweren Seilen, fest verankert im Stein des Felses, hängt ein Haus. Hoch oben in den Klippen, weit über der Stadt im Tal. Dort, in der Kälte, lebt ein Vater mit seinem Sohn. Regisseur João Gonzalez kommt in seiner 2D-Animation mit wenigen Farben aus. Umso atmosphärischer wirken seine Zeichnungen, mit den strengen Schatten und den extremen Kameraperspektiven. Ihm gelingt eine metaphorische Erzählung, die sich ohne Dialoge ganz auf ihren Sound und ihre Bilder verlassen kann. (Marie Kloos, DOK Leipzig)

ICE MERCHANTS wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2022 mit dem Jurypreis in der Kategorie Bester Kurzfilm ausgezeichnet und war 2023 für den Oscar in der Kategorie Best Animated Short Film im Rennen.

OUTSIDE THE ORANGES ARE BLOOMING

Hoch oben in den portugiesischen Bergen hält ein Mann als Letzter die Stellung in einem aussterbenden Dorf. Er geht nicht mehr in die Kirche und wandert stattdessen allein durch die nebligen Wälder und zwischen den Mauern seines dunklen Hauses umher, unzufrieden mit seiner Existenz als Mensch und Außenseiter. OUTSIDE THE ORANGES ARE BLOOMING unterstreicht die Einsamkeit eines verschwindenden Dorfes und den (innerlichen) Rückzug seines letzten Bewohners sowohl durch den kargen Dialog zwischen Protagonist und Filmemacherin als auch durch die karge Atmosphäre der Bilder.

Nominiert für den International Shorts Award (ISA) der ethnocineca 2020.