HOLLYWOOD

Ihrer Berufung folgt Anna wie ein Profi: Mit Sonnenbrille und Coffee-to-go sitzt sie in der Besprechung, um kurz darauf für die Übung der örtlichen Feuerwehr voller Hingabe das Unfallopfer zu mimen und unter markerschütternden Hilfeschreien das mit Kunstblut entstaltete Gesicht schmerzerfüllt zu verziehen. Woche für Woche hingebungsvolle Performances, die Annas erhoffte Schauspielkarriere allerdings nicht vorantreiben. Fame riecht anders als Würstchen mit Sauerkraut. Wieso also überhaupt nach den Sternen greifen, wenn das deprimierende Leben so nahe liegt? Papa hat den Masterplan, aber Anna hat einen Herzenswunsch. (Cinema Next)

C-TV (WENN ICH DIR SAGE, ICH HABE DICH GERN …)

Die Erde wurde erschüttert, das Fernsehstudio ist zerstört, C-TV geht auf Sendung: Hamster Hedi, der plüschige Talkshow-Host, empfängt Menschen mit Behinderung, die Einblick in ihren Alltag und ihre künstlerische wie politische Arbeit geben. Ein (leider!) fiktiver TV-Sender wider die Tyrannei einer heteronormativen und ableistischen Gesellschaft: radikal, repräsentationskritisch, humoristisch und barrierefrei. (Michelle Koch, Diagonale’23)

Gedichte von Ianina Ilitcheva, interpretiert in Österreichischer Gebärdensprache durch Barbara Schuster, schaffen den Rahmen für ein Stück – fiktionaler – Fernsehgeschichte, das die Power hat, die Welt zu verändern. Aus der Jurybegründung für den Diagonale-Preis Innovatives Kino, der 2023 an C-TV verliehen wurde: »We spent our time discussing how the films in our selection made us imagine better futures, new cinemas, new ways of working, and being in the world. (…) In this film, we found space and joy imagining a world where we and the world might be changed through a critical engagement with issues of disability justice through film.«

EIN SCHLAG ZUVIEL

LINZ / STADTPFARRKIRCHE

Edith Stauber beschreibt die Wahrnehmung eines sakralen Gebäudes im profanen, alltäglichen Umfeld. Im rhythmischen Wechsel zwischen Innen- und Außenraum der Kirche werden verschiedene Begebenheiten im Laufe des Tages beobachtet: Ein Bummelzug, der regelmäßig vorbeifährt, die Aktivitäten des Baustellenkrans davor, eine Organistin bei der Probe, eine Schülerklasse die Heiligenfiguren zeichnet, Menschen beim Gebet. Und letztendlich muss auch eine Kirche gewartet und geputzt, der Altar abgestaubt und die Teppiche gesaugt werden. Der Alltagssrhythmus des Profanen dringt ins Innere der Kirche. Das Sakrale stülpt sich nach außen. Die Zwischenräume werden sichtbar.

DOPPELGÄNGER

Es ist Freitag der 13. und Vollmond, als Erich Taschek in seinem Badezimmer einen Herzstillstand erleidet und verstirbt. Doch ist dies wirklich der Zeitpunkt, an dem der Vater aus dem Leben der Filmemacherin verschwindet? Michaela Taschek begibt sich mithilfe der Aufnahmen aus dem Familienarchiv auf eine essayistische Spurensuche. Ihre These: Der Vater ist bereits 24 Jahre zuvor gegangen und wurde durch einen »Doppelgänger« ersetzt.

DIE BADEWANNE

Georg, Alexander und Niklas wollen ihrer Mutter zum 60. Geburtstag ein originelles Geschenk machen. Doch die Idee, einen Badewannen-Schnappschuss aus der Kindheit fotografisch nachzustellen, gefällt dem Ältesten, der mittlerweile in der Politik Fuß gefasst hat, gar nicht. Die Hüllen fallen und drei Brüder bleiben zurück, die in der Zwischenzeit Fremde geworden sind. Ein feuchtfröhliches Kammerspiel.

DIE BADEWANNE wurde 2016 auf dem internationalen Kurzfilmfestival von Clermont-Ferrand mit dem Prix Spécial du Jury ausgezeichnet.

PRINCESS DISASTER MOVIE

Es war einmal eine Prinzessin, die auf eine Qualle trat, einen grünen Stein im Wasser fand und dann von einem Hai gefressen wurde. Dieses Ereignis verursacht einen Atomkrieg, ein Artenaussterben, eine Genmutation und – in Folge einer Atomexplosion – einen Turmsturz. PRINCESS DISASTER MOVIE ist ein gezeichneter Katastrophenfilm und ein Musikvideo zu einem Lied von Xenia Ostrovskaya`s Band Princesse Angine. Das Älterwerden im Lied und die Ereignisse im Film entwickeln sich parallel und stellen einen Teufelskreis dar, der dem Lebenskreislauf gleicht.

HANDABDRUCK

»Ihr wollt ein Symbol? Hier kommt mein Handabruck mit Dreck!« (Betty’s Apartment) – Musikvideo-Spin-off von Christoph Schwarz‘ CSL, das eine ungewöhnliche Perspektive auf die Entstehung des Films enthüllt.

OF STAINS, SCRAP AND TIRES

Motoren, Achsen, Zylinder – die Bauteile des Glücks. Was sich nicht in Europa weiterverkaufen lässt, schiffen die Scrapmaster vom Erzberg nach Afrika. Glück ist das (selten) leicht verdiente Geld, die (rare) Schönheit einer menschgemachten Maschine, die reale und imaginierte Freiheit auf Rädern. Zur Bild- und Tonpoetik von Autowerkstatt, Schrott und Paintballfeld liest ein anderer Wagenmeister, Bobby Sommer, ein Gedicht von Bertolt Brecht. Die singenden Steyr-Wägen, sie versprechen lautlose Leichtigkeit – ohne ihre Verwandtschaft zur Rüstungsindustrie zu verschweigen. Happiness is made of steel. (Viennale)

37 GRAD

Bei einer scheinbar ziellosen Taxifahrt durch das nächtliche Linz entspinnt sich in Echtzeit ein spannendes Kammerspiel auf engem Raum: Der Lenker und sein Fahrgast, die Fragmente zweier Leben. Ein Gespräch beginnt, vorerst um die Stille zu brechen und dann, um zu spüren wer da eigentlich ist, am anderen Ende des Wagens. Schleichend und unberechenbar spitzt sich die Situation zu.