Anlässlich des Jubiläumsjahres 2017 blickte dotdotdot gemeinsam Wegbegleiter*innen und Filmschaffenden zurück auf die vergangenen acht Jahre des österreichischen Films – acht Jahre, in denen das Filmfestival im 8. Bezirk kurze Filme in den Fokus gerückt hat, die inhaltliche, formale und ästhetische Wagnisse eingehen, eingeschriebene Codes hinterfragen und den Möglichkeitsraum Film ausloten. Wie ist es um Vielfalt im österreichischen Film bestellt? Wessen Geschichten werden erzählt? Wer sind die Produzent*innen? Und wer ist am Prozess des Filmemachens beteiligt?

»Some exercise in complex seeing is needed«, wenn es darum geht einen differenzierten Blick zu entwickeln, wie Carola Dertnig festhält. Dazu braucht es den Dialog. Und wenn die vergangenen Festivaljahre eines gezeigt haben, dann dass sich in lauen Sommernächten ganz vorzüglich Gespräche führen lassen. Gemeinsam mit zahlreichen Festivalgästen und den Festivalteilnehmer*innen wurde ein Zwischenstand der Diversität im österreichischen Film abgerufen und Fragen für die Zukunft des Kinos diskutiert. Am Ende standen – wie könnte es anders sein – drei Punkte. Und vielleicht der optimistische Ausruf: Ich sehe keine Krise! Zumindest im Kino.

Das Fahrrad, wie wir es heute kennen, mit Pedalen, Kette und Gangschaltung, war eine mehrstufige Erfindung. Sein Geburtstag: der 12. Juni 1817. An diesem Tag unternahm der deutsche Ingenieur Karl Drais mit seinem eben erfundenen Laufrad – er nannte es die Draisine – die erste »Ausfahrt« von Mannheim bis ins kleine Örtchen Schwetzingen. 200 Jahre später ist das Fahrrad aus keinem Lebensbereich wegzudenken und weit mehr als nur ein smartes Nahverkehrsmittel, je nach Vorliebe Fetischobjekt, Extremsportgerät, Repräsentanz einer politisch-ökonomischen Haltung und Erkennungszeichen einer Community, die denkbar bunt zusammengewürfelt ist.

Fahrradfahren macht nicht nur fit sondern frei. »Das Bicycle hat zur Emanzipation der Frauen aus den höheren Gesellschaftsschichten mehr beigetragen als alle Bestrebungen der Frauenbewegung zusammengenommen«, so die österreichische Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und Künstlerin Rosa Mayreder, Zeitzeugin der Fahrradbewegung Ende des 19. Jahrhunderts. Auch die Relativitätstheorie ist Albert Einstein angeblich beim Fahrradfahren eingefallen. dotdotdot gratuliert zum runden Geburtstag und radelt mit zwei cineastischen Fahrradtouren, die den 8. Bezirk mit Live-Animationen und einem fahrradtauglichen Filmprogramm auch über die Leinwand hinaus zum Leuchten bringen, in die Zielgerade des Festivals.

dotdotdot ist ein neugieriges Filmfestival. Neugierig, was passiert, wenn man den Kurzfilm mit anderen Kunstgattungen herausfordert, die ebenfalls Kurzformen hervorbringen. Im Gedicht steckt das Wort „dicht“. Und in seiner Dichte wiederum entfaltet sich die besondere Kraft des Kurzfilms. Beides – die Dichtung und die Dichte – spielt im Poesie- oder Textfilm zusammen, der Klangwelten der Wortkunst mit der visuellen Kraft des Kinos verbindet. BEYOND WORDS ist ein achtwöchiges Festival im Festival für Poesie, Text und Stadt-/Film-/Bild. Diesen Sommer werden wir bedichten, erdichten und verdichten. Die Stadt werden wir bebildern, erschreiben und erobern.

Gemeinsam mit Akteur*innen der lokalen Szene entwerfen wir einen Experimentierraum für poetische Streifzüge auf der Leinwand und durch die Stadt und probieren uns durch eine Vielfalt von Kurz- und Kürzestformaten – von der Instant-Stadtuntertitelung bis zum Video-Haiku. Bei dotdotdot 4plus werden die Poesiealben der aktuellen Sonderausstellung des Volkskundemuseums in Trickfilme verwandelt. Auch der „Schlager“ der Kurzlyrik hat seinen Platz bei BEYOND WORDS.

Dance like nobody‘s watching! Der diesjährige Programmschwerpunkt schickt sich an, die Gesetze der Schwerkraft auszuhebeln und Leinwand und Körper bis in die letzte Zelle in Vibrationen zu versetzen. Tanz und Film – eine Sommerliebe. Kein Pas de deux, sondern eine Bewegung, die sich scheinbar keiner Norm und Normalität unterwirft, irgendwo zwischen Contemporary und Disco, jedenfalls am Puls des Jetzt und Impulsgeberin über die Leinwand hinaus, den eigenen Körper in Brand setzend. Vor 120 Jahren bannte Thomas Edison den ersten Pas de deux zwischen TänzerIn und Kamera auf Zellulouid. Seitdem waren Tanz und Bewegung kontinuierliche Inspiration für FilmemacherInnen, während die Kamera zur kreativen Kollaborateurin für ChoreografInnen avancierte. Im digitalen Zeitalter boomt das Genre Screendance bzw. Videodance weltweit. In Österreich ist dotdotdance so etwas wie das erste temporäre Filmfestival für kontemporären Tanz.

Zum Auftakt der Filmreihe stehen zwei hochkarätige Tributes – beide Österreich-Premieren – an Wim Vandekeybus (in Anwesenheit von Mitgliedern der Compagnie Ultima Vez) und Victoria Marks und Margaret Williams (in Anwesenheit der Künstlerinnen) auf dem Programm, gefolgt von der dreiteiligen Serie RELATIONS #1-3, die sich durch die Verschränkung von Kurzfilmprogrammen und international besetzten Podiumsdiskussionen Fragen zu politischen, räumlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen widmet. Schließlich werden mit einem furiosen Finale im Ballroom und auf dem Dancefloor alle Hemmungen abgelegt. Und weil dotdotdot leidenschaftlich gerne Punkte miteinander verbindet und Menschen zusammenbringt, wird das Festival mit seinen zahlreichen Möglichkeiten, an Gesprächen, Workshops und Performances anzudocken, zum pulsierenden Begegnungsraum.

Intensiven Dialog pflegt dotdotdot seit vielen Jahren mit der ethnocineca. Die 14. Ausgabe des internationalen Dokumentarfilmfestivals fand während des kulturellen Lockdowns Anfang Mai 2020 online statt, nun werden im Rahmen einer Kooperation die für die beiden Kurzfilmpreise ethnocineca Students Shorts Award (ESSA) und International Shorts Award (ISA) nominierten 12 Filme auf der Leinwand zu sehen sein. Sie geben Einblick in unbekannte Lebenswelten, das Zusammenspiel von Mensch und Natur, den Kampf um persönliche Freiheit und für eine bessere Zukunft. Sie hinterfragen die Rollen von Institutionen in Zeiten politischen Wandels und legen eine Fülle an Mikrogeschichten frei, die an der ungewöhnlichen Alltäglichkeit teils schwer zugänglicher Orte teilhaben lassen.

Von den schwindenden Gletschern Kirgisistans und Kasachstans bis in die Verzweigungen des U-Bahn-Netzes in Mexiko-Stadt führen die cineastischen Reisen über vier Kontinente, frei nach dem Festivalcredo: »We need to see the world from as many perspectives as possible!« Der Blick ist dabei klar auf jene Menschen gerichtet, die in populären Diskursen kaum gesehen und gehört werden. Als Protagonist*innen nehmen sie ihr Recht in Anspruch, darüber bestimmen zu können, wie sie sich in den Filmen repräsentiert sehen möchten, und werden dadurch zu Mitgestalter*innen eines ethnografischen Kinos, das Impulsgeber für die Zukunft ist.

www.ethnocineca.at

dotdotdot ist ein ausgesprochen neugieriges Filmfestival, das leidenschaftlich gerne Kurzfilm und andere Kunstgattungen zueinander in Beziehung setzt, die kurze Formate hervorbringen. Nach der Auseinandersetzung mit Lyrik (beyond words, 2015) und Tanz (dotdotdance, 2016) werden die interdisziplinären Untersuchungen heuer in Kollaboration mit dem Animafest Zagreb und ASIFA AUSTRIA an den Schnittstellen von Comic und Kurzfilm fortgesetzt. Superheld*innen, Antiheld*innen und Alltagsheld*innen tummeln sich in den Adaptionen erfolgreicher Graphic Novels wie noch zu entdeckender Geheimtipps. Die Affinität zum Animationsfilm ist evident. Die Tonart changiert zwischen brachialem Humor und lakonischem Kommentar auf die Absurditäten des Alltags, die Bildsprache zwischen abstrahierendem Schwarzweiß und optischer Überladenheit, das Verlangen zwischen einem Bedürfnis nach Verinnerlichung und einem Hang zum Eskapismus. Stellt sich noch die Frage: Wer rettet hier wen? Und: Ist die Welt überhaupt noch zu retten?

2019 feiern Japan und Österreich 150 Jahre, seitdem diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufgenommen wurden. In Kollaboration mit Japannual, dem japanischen Filmfestival in Wien, zeigt dotdotdot in drei Kapiteln brennendes zeitgenössisches Kino aus Japan, das eine junge Generation japanischer Filmschaffender sichtbar macht, die sich keineswegs vom Erbe der mächtigen Filmnation in ein Korsett pressen lässt. Überbordend, farbenprächtig, eigenwillig und politisch sind die Arbeiten die zu sehen sind. Artikuliert sind die Standpunkte zu gesellschaftspolitischen Themen wie Geschlechtergleichstellung, Generationenfragen, Familien- und Umweltpolitik. In anschließenden Couch-Gesprächen wird diskutiert. Der vierte Abend ist ein Heimspiel im cineastischen Dialog zwischen den beiden Ländern: Wo zeigen sich österreichische Filmschaffende von Japan fasziniert?

»Wir können kommen, wann immer wir wollen«, sagt František, denn er sei ein »Millionär der Zeit«. Man hört oft, Roma seien aus der Zeit gefallen, sie wüssten nicht was Zeit bedeute oder aber sie hätten alle Zeit der Welt. Er weiß von diesem Klischeebild und spielt damit. František ist einer jener Menschen, die die Fotografin Anja Schäfer und die Journalistin Elisabeth Putz in den südwestlichen Stadtteilen von Košice, Luník IX und Šaca, in der Ostslowakei porträtiert haben, in dem Versuch hinter eine Mauer aus Klischees zu blicken, an der lange und von vielen Seiten gearbeitet wurde. Die Wanderausstellung MILLIONAIRES OF TIME. Roma in der Ostslowakei gastiert von 31.5. bis 24.9.2017 im Volkskundemuseum Wien. In Kooperation mit dem Dokumentarfilmfestival ethnocineca spinnen wir den Dialog zwischen Museum und Filmfestival auf der Leinwand fort und lassen Angehörige europäischer Roma Communities ihre Geschichten erzählen.

Barrierefreiheit ist eines der zentralen Arbeitsfelder von dotdotdot. Die engste Barriere, die uns unmittelbar berührt und oft handlungsunfähig macht, ist die eigene Komfortzone. Aber wie schwer oder wie leicht ist es wirklich, sie zu verlassen? NO/MORE COMFORT und durchmisst private und politische Komfortzonen auf der Suche nach kreativen Strategien. Zu den nächtlichen Komfortzonengesprächen mit den Filmschaffenden stoßen Menschen dazu, die in Wien Zeichen und Aktionen setzen.

10 Jahre Filmfestival sind eine lange Reise. Verblieben am selben Ort, auf der Leinwand mehrfach um die Welt gereist – ein Umstand, der im Programmschwerpunkt OPEN ROADS widerhallt. Drei Filmabende und ein Kinokonzert laden zu cineastischen Reisen ein und erzählen Geschichten von unterwegs. Tapetenwechsel verrücken Perspektiven, in Bewegung zu sein öffnet Köpfe, Begegnungen machen neugierig darauf Erfahrungen zu sammeln, die Lebensgeschichten anderer Menschen aufzusaugen und sich selbst anderen Menschen zu öffnen. Doch wer hat überhaupt die Freiheit zu reisen und wem wird sie untersagt? Wer muss/darf gehen? Wer darf/muss bleiben? Wollen wir »alles inklusive« oder riskieren wir es ohne Sicherheitsnetz zu reisen und mit eigenen Augen zu sehen? Erzählungen vom Gehen und Zurückkehren, von Sehnsucht, Freiheit, Widerstand und Utopie.

Dieses 10-teilige Panorama herausragender aktueller Kurzfilme hat sich ganz der Sinnlichkeit des Kinos verschrieben, wie wir sie im kulturellen Lockdown 2020 schmerzlich vermisst haben. 50 starke und kluge Filme, die sich selbstsicher im hybriden Raum zwischen Spiel- und Dokumentarfilm bewegen, erschaffen ein Kino der Wahrhaftigkeit, das unsere Netzhaut durchdringt und sich in uns einschreibt. Der Sommer, der die Leinwand in satten Farben leuchten lässt, ist förmlich auf der Haut zu spüren, auch die Aufbruchsstimmung an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die in dieser Intensität nie mehr wiederkehrt und sich vielleicht nur in der Intensität des Abschiednehmens am Ende eines Lebens spiegelt.

Eines der zentralen Themen ist die Wahrnehmung von Bewegung, Beschleunigung, Entschleunigung, Stillstand – und die Kunst zwischen diesen Aggregatzuständen zu manövrieren. Das Spektakel steht dabei im Zentrum der Beobachtungen: die Lebensrealitäten der Schausteller*innen und Schauspieler*innen, die Repräsentanz des Österreichischen Bundesheeres am Nationalfeiertag, der Tanz zu dem die Choreografen Hofesh Shechter und Yoann Bourgeois die Kamera verführen. Dazwischen haben sich Festivallieblinge eingeschlichen, die es in puncto Entschleunigung zur Meisterschaft gebracht haben: Die Katzen sind zurück.

Die spannendsten Protagonist*innen des zeitgenössischen Puppentrickfilms, die diese traditionsreiche Sparte des Animationsfilms durch raffinierte Techniken und smarte Erzählungen ins 21. Jahrhundert befördert haben, werden mit 44 herausragenden Arbeiten im heurigen Programmschwerpunkt in den Fokus gerückt. Von der klassischen Holzpuppe bis zur Häkel-, Filz- oder Drahtpuppe: Es sind keine Schauspieler*innen, die hier vor der Kamera stehen, aber ihre Leistungen sind durchaus vergleichbar. Vielleicht ist es gerade die Reduktion auf das Wesentliche, die sie so treffend von den Menschen und ihrem »Fremdeln« untereinander erzählen lassen, von ihrer Überforderung in der Auseinandersetzung mit einer Welt im gesellschaftlichen und ökologischen Wandel, aber auch von Widerstand, Emanzipation und Empathie.

In einem rasanten Stakkato durch alle Filmgenres ziehen in sechs thematischen Programmen unter anderem Niki Lindroth von Bahr, Špela Čadež, Anna Mantzaris, Robert Morgan und Vincent Paronnaud alias Winshluss die Fäden – von der Screwball Comedy bis zur Zombie-Apokalypse und nicht ohne den fantastischen Film zu würdigen, hat der um 1910 entstandene Puppentrickfilm doch auch starke Wurzeln in der Tradition des Märchenerzählens. Aber – oh! – diese Puppen sind längst erwachsen geworden.

Hass im Netz, Shitstorms, Cybermobbing, Body Shaming, Rachepornos usw. sind heute Massenphänomene des Internets und richten sich dort insbesondere gegen Frauen*. Gesellschaftspolitische Debatten werden über die Köpfe der Menschen hinweg geführt, die sie betreffen, werden ausgrenzend, bagatellisierend, skandalisierend geführt, wie die Debatte, die im Herbst 2017 um die #MeToo-Bewegung entbrannt ist. Das Gesprächsklima ist von extremen Positionen geprägt. Befinden wir uns längst im kommunikativen Ausnahmezustand? Wie wäre es, wenn wir diesen einen Sommer lang außer Kraft setzen und stattdessen einen Ausnahmezustand ausrufen, der von einer Kultur des Zuhörens, der Achtsamkeit und des (Selbst-)Verständnis geprägt ist, der eine glühende Einladung ist, aufeinander zuzugehen und mehr zu lieben, großzügiger und leidenschaftlicher? Lasst uns die Utopie leben! We’re in this together now!

Wir freuen uns auf vielfältige Begegnungen und aufs gemeinsame Brainstormen von Strategien für gegenseitiges Empowerment. Weil es uns besonders unter den Nägeln brennt, darauf hinzuweisen, wie notwendig es ist, in frauen*politische Debatten Menschen aller Geschlechter und Gender einzubeziehen, laden wir ein, mit uns auch in diesem Sinne zu schauen, zu workshoppen, zu diskutieren, zu lieben, zu streiten, zu intervenieren, zu tanzen, zu feiern. Haltet in unserem Programm Ausschau nach dem Hashtag #ITSYOUTOO.

Als die Medienwelt im Herbst 2017 durch die von der US-amerikanischen Schauspielerin Alyssa Milano reaktivierte Hashtag-Bewegung #MeToo aufgerüttelt wurde – der Hashtag geht auf die Aktivistin Tarana Burke zurück –, tat sich die historische Chance auf, das Ausmaß sexueller Belästigung, Übergriffe und Gewalt gegenüber Frauen* öffentlichkeitswirksam aufzuzeigen und im Mainstream diskutieren zu können. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – von Hollywood bis zur Musikindustrie – stärken seither der Bewegung den Rücken.

Die öffentliche Debatte, die um die Bewegung entbrannte, entgleiste schon in ihrem Entstehen. Quer durch alle Medien und sozialen Netzwerke wurde undifferenziert, bagatellisierend und skandalsierend Stimmung gemacht, extreme Positionen wurden bezogen, Irritation geheuchelt und das Verständnis verweigert, dass es hier um Fragen von Zustimmung, Macht und Machtmissbrauch geht. Wir dürfen 2018 in Österreich 100 Jahre Frauen*wahlrecht, 20 Jahre Frauen*volksbegehren und das Frauen*volksbegehren 2.0 feiern. Zugleich drängt sich angesichts der Diskussionen um #MeToo, eine der wichtigsten emanzipatorischen Bewegungen der jüngeren Geschichte, die Frage auf, ob wir gerade einen antifeministischen Backlash erleben.

Gemeinsam mit den an.schlägen und weiteren ProgrammpartnerInnen laden wir ein hier genauer hinzuschauen und hinzuhören. Unter dem Hashtag #ITSYOUTOO heben wir noch einmal sieben Filmprogramme sowie Workshops und Interventionen aus dem heurigen Programmschwerpunkt WE’RE IN THIS TOGETHER NOW hervor. Wir laden ausdrücklich Menschen aller Geschlechter und Gender ein, sich in die Diskussion einzubringen und mit uns kreative Strategien gegen Gewalt an Frauen* und für Empowerment zu brainstormen.

Wir alle sind betroffen. Wir alle sind Teil der Lösung.

Anlässlich der Österreich-Premiere ihres Porträts über den Musiker und Komponisten Felix Kubin bei dotdotdot ist die heurige Personale der 1972 in Frankreich geborenen Filmemacherin und Kuratorin Marie Losier gewidmet. An zwei Abenden stehen einige der quirligen Filmporträts aus ihrem schillernden Œuvre auf dem Programm. Marie Losier lebt ab 1994 für mehr als 20 Jahre in New York, andere avantgardistische Künstler*innen, Filmemacher*innen und Musiker*innen wie Genesis P-Orridge, Tony Conrad, George Kuchar und Alan Vega werden zu Freund*innen und wichtigen Wegbegleiter*innen. Ab 2000 entstehen knapp dreißig Kurzfilme und Videos, 2011 mit THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE der erste Langdokumentarfilm.

Zum Filmemachen kommt Marie Losier eher zufällig. Ihre Filme entspringen ihren persönlichen Beziehungen und haben eine ganz besondere raue, körnige, freche, direkte Qualität, wie sie die allgegenwärtigen Home Stories mit Celebrities nie erreichen können. Dem wirklichen Leben der Porträtierten misst Marie Losier dieselbe Bedeutung bei wie deren Vorstellungswelten. Traumwandelnd tanzt die handgeführte Schmalfilm-Kamera gegen das Zeitalter der digitalen Medien an, ist ein Teil der musikalischen Choreografie des Lebens. Dreharbeiten mit Marie Losier sind immer eine kollektive, immersive Erfahrung, vor der auch das Publikum nicht zu retten ist.


© Antoine Barraud

Endlich: Wien-Premiere für Bady Mincks neuesten Film! Doch was sind schon die paar Jahre des Wartens in 950 Millionen Jahre Weltgeschichte, durch die MAPPAMUNDI mit bestechendem Bild- und Sprachwitz in einer beschleunigten Stop-Motion-Zeitreise rast. dotdotdot widmet der in Luxemburg geborenen und zwischen ebendort und Wien pendelnden Künstlerin und Filmemacherin zum Kinostart von MAPPAMUNDI im Herbst 2017 die erste vollständige Retrospektive, die hierzulande zu sehen ist. Frisch digitalisiert erblicken die bisher nur auf 35 mm verfügbaren Filme in zwei Kapiteln das Licht der Leinwand. In atemberaubenden Montagen und packenden Soundtracks geht die Reise durch surreale Welten an der Schnittstelle von Zivilisation und Wildnis, von Natur und Kultur, von Mensch und Tier.

»Wenn die ganze administrative Arbeit des Tages getan ist – spät in der Nacht oder früh am Morgen – und die Oberfläche geglättet ist, kann ich tief in mich hinabtauchen, in die Welt der Gedanken und Gefühle. Ich befinde mich dann in einem Zustand der Euphorie, wie in Trance, und wenn ich wieder auftauche, sind beide meine Hände mit Juwelen gefüllt. Dann kann ich Stunden damit verbringen meine Entdeckungen zu zeichnen und niederzuschreiben.« – Bady Minck

badyminck.com

»Ich kann meinen Namen hundertmal hintereinander sagen – und fühle mich jedesmal aufs Neue ertappt. Bin das wirklich ich?«

Die unauflösliche Verwobenheit von Kunst und wahrem Leben ist das wiederkehrende Prinzip in den 11 Kurzfilmen von Christoph Schwarz, die seit 2010 realisiert wurden und in denen der 1981 in Wien geborene Medienkünstler und Filmemacher jeweils als er selbst bzw. eines seiner Alter Egos in Erscheinung tritt. Das Spiel mit Identitätskonstruktion und -dekonstruktion sowie eine hintersinnige Reflexion des Kunstbetriebs ist nicht nur integraler Bestandteil des Œuvres von Christoph Schwarz, sondern bereitet ihm – und dem Publikum – vor allem diebische Freude.

Im Oktober 2017 kündigte Christoph Schwarz anlässlich der Erstaufführung seines neuesten Films CSL an, dass dieser den Abschluss seiner selbstreferenziellen Serie markieren sollte. Nie wieder Filme von und mit Christoph Schwarz? Ist auch diese Ansage »Fake News« und Spiel mit der Wirklichkeit? Höchste Zeit den Medienkünstler und Filmemacher zu einem ausführlichen Talk zu bitten und an zwei Abenden filmisch Revue passieren zu lassen. Furioses Finale der Personale, wie könnte es anders sein, ist die Multiplikation des Künstlers vor den Augen der Anwesenden: 3 knaben schwarz geigen zum Konzert auf.

christophschwarz.net


© Christian Schwab

Die Vorfilmreihe BONUS TRACK ist ein Ort für filmische Formate, deren natürliches Habitat nicht in erster Linie die Kinoleinwand ist, die Film als demokratisches Medium verstehen und zugänglich machen.

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Vor genau einem Jahr – am 20. März 2020 – haben wir im ersten durch die COVID-19-Pandemie bedingten Lockdown die Aktion A FILM A DAY gestartet und sechs Wochen lang kuratiert. Mit den überwältigenden Reaktionen hatten wir nicht gerechnet: So viel liebes Feedback hat uns erreicht. Und mehr als 30.000 Nutzer*innen haben dieses kostenlose Streaming-Angebot auf unserer Website seither genützt. Wir haben uns davon inspirieren lassen und freuen uns wirklich sehr, nun – genau ein Jahr später – unser gesamtes Programmarchiv veröffentlichen zu können, um Filmschaffenden nachhaltig Sichtbarkeit zu verleihen und Filme nachhaltig verfügbar zu machen. 🥰

Die mehr als 800 Kurzfilme aus sechs dotdotdot-Festivaljahren können gesucht und gefunden oder nach Schlagworten durchstöbert werden – von A wie Aktivismus bis Z wie Zusammenleben. Mehr als 450 Kurzfilme davon, die von den Rechteinhaber*innen bereits veröffentlicht wurden, können direkt auf unserer Website kostenlos gestreamt werden. Außerdem sind rund 50 Kürzestfilme und Clips aus unseren kuratierten Vorfilm-Programmen als Bonus Tracks zu genießen.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Kuratieren des eigenen Wohnzimmerfestivals!

Und wir freuen uns riesig aufs Wiedersehen bei der 12. Ausgabe des Open Air Kurzfilmfestivals im @volkskundemuseumwien im Juli und August!

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